Versorgungs-Report 2015 - Am Bodensee landen in Baden-Württemberg die meisten jungen Patienten im OP, wenn sie Probleme mit den Mandeln haben

Die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen darf nicht von der Postleitzahl abhängig sein Der Versorgungs-Report der AOK deckt regionale Unterschiede auf Nicht nur Herkunft und soziale Lage, sondern auch der Wohnort entscheiden über die Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen. Das belegt der neue Versorgungs-Report 2015 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der gestern erschienen ist. Für Mandel- und Blinddarmoperationen zeigte sich deutlich: Ob und wann operiert wird, ist regional sehr unterschiedlich. „Das muss sich ändern, denn die Gesundheitsversorgung unserer Kinder und Jugendlichen darf nicht von der Postleitzahl abhängen“, betont Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben. „Kinder und Jugendliche sind die Erwachsenen von morgen. Alle haben das Recht auf eine gleiche, hochwertige und zielgenaue Versorgung.“

Datum: 03.12.2015 / Kategorie: Versorgung in Baden-Württemberg

Region Bodensee-Oberschwaben

Die Analysen des WIdO basieren auf Daten von AOK-Patienten bis 24 Jahren, bei denen im Krankenhaus entweder eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) oder eine Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie) durchgeführt wurde. Im bundesweiten Durchschnitt lag die standardisierte Operationsrate 2012 bei 37 und in Baden-Württemberg bei rund 34 operierten Patienten pro 10.000 Einwohner. In der Region Bodensee-Oberschwaben lag die Operationsrate deutlich erhöht bei 44 je 10.000 Einwohner. Das ist der Spitzenwert in Baden-Württemberg. Vergleichsweise belief sich der Wert in der Region Neckar-Alb (Reutlingen, Tübingen und Zollernalbkreis) mit etwa halb so vielen operierten Patienten auf 22,6.

Bei den Blinddarmoperationen lag die bundesweite Operationsrate für 2012 bei rund 27 Patienten je 10.000 Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. In Baden-Württemberg bei rund 22 Patienten pro 10.000 Einwohner und in Bodensee-Oberschwaben bei 23,7. Höchster Wert mit 32,3 erreichte hier die Region Ulm, Biberach und der Alb-Donau-Kreis.

„Wir wissen erst sehr wenig darüber, woher diese regionalen Unterschiede kommen“, sagt Roland Beierl und ergänzt: „Die hohen Unterschiede zwischen den Regionen können aber nicht allein medizinische Gründe haben. Vielmehr sind sie ein deutliches Signal, die Indikationsstellung stärker zu hinterfragen.“ Die Kinder- und Jugendärzte im Land kritisieren, dass kinderärztliche Chirurgen in der Fläche fehlen. Erwachsenenchirurgen operieren Kinder schneller als unbedingt nötig.

Bei den Mandeloperationen wurde im Versorgungs-Report erstmals für Deutschland ausgewertet, in welchem Umfang im Vorfeld des Eingriffs die von den medizinischen Leitlinien für bestimmte Mandelerkrankungen empfohlene Therapie mit Antibiotika stattgefunden hat. Faktisch hatten im letzten Jahr vor dem Operations-Quartal 35 Prozent der Tonsillektomie-Patienten nicht eine einzige Mandelentzündung mit Antibiotika-Behandlung. 64 Prozent der Operierten wurden maximal in zwei Quartalen eines Dreijahreszeitraums entsprechend antibiotisch therapiert.

„Offensichtlich wurden in einem beachtlichen Teil der Fälle die Möglichkeiten der konservativen Therapie wenig oder überhaupt nicht genutzt“, so Beierl. Laut der aktuellen Leitlinie der Fachgesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sind Tonsillektomien oder Tonsillotomien bei einer Mandelentzündung dann eine therapeutische Option, wenn in 12 bis 18 Monaten mindestens sechs Mal eine eitrige Tonsillitis (Mandelentzündung) mit Antibiotika therapiert wurde.

Mehr zum Versorgungs-Report 2015 erfahren Sie online unter www.aok-bv.de oder auf www.wido.de.

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