Versteckte Sucht – Alkoholmissbrauch im Alter im Landkreis Tuttlingen

„Alkoholmissbrauch im Alter ist oft weniger auffällig als bei Jugendlichen. Während übermäßiges Trinken bei Jugendlichen eher in der Öffentlichkeit stattfindet, ziehen sich Ältere mit Alkoholproblemen mehr zurück.“ Das sagt Natalie Zimmerer vom Sozialen Dienst der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Datum: 21.09.2017 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Landkreis Tuttlingen

Sie unterstützt mit ihren Kolleginnen und Kollegen Menschen in einer schwierigen Lebenssituation. Dazu gehören auch Personen mit Süchten oder einem riskanten Umgang mit Genussmittel. „In meiner Arbeit erlebe ich, dass Alkoholmissbrauch auch im Alter vorkommt. Während bei Jugendlichen oft Unbekümmertheit und Unwissen zu Fehlern im Umgang mit Alkohol führen, trinken Ältere eher aufgrund von Vereinsamung und Niedergeschlagenheit. Aber auch körperliche Leiden sollen damit erträglicher gemacht werden.“

 

Laut AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg waren im vergangenen Jahr im Landkreis Tuttlingen 120 Versicherte ab 50 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs stationär in Behandlung. Das ist der zweithöchste Wert im Untersuchungszeitraum ab 2008. Nur 2012 waren es mit 136 Betroffenen noch mehr. Die Fälle reichten von akuter Alkoholvergiftung bis zur Alkoholsucht. Da rund die Hälfte der Bevölkerung bei der AOK versichert ist, dürfte die Gesamtzahl der in einem Krankenhaus Behandelten im vergangenen Jahr bei rund 240 gelegen sein. Männer sind deutlich häufiger betroffen. Sie machten im Durchschnitt der vergangenen Jahre über 80 Prozent aus. In ganz Baden-Württemberg waren letztes Jahr rund 19.400 AOK-Versicherte ab 50 wegen Alkoholprobleme in stationärer Behandlung. „Grundsätzlich muss man eine hohe Dunkelziffer von Personen berücksichtigen, die sich nicht stationär behandeln lassen und auch nicht mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen. Menschen mit Alkoholproblemen lassen sich häufig aufgrund von Schamgefühlen erst nach einer langen Leidensgeschichte behandeln“, so AOK-Expertin Zimmerer.

 

Alkoholmissbrauch habe im Alter oft andere Gründe als in der Jugend. Alkohol habe bei Älteren auch andere körperliche Auswirkungen: „Mit steigendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper. Die gleiche Menge getrunkenen Alkohols verteilt sich bei älteren Menschen deshalb auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einem höheren Alkoholpegel.“ Zudem brauche die Leber länger für den Abbau des Alkohols als in jungen Jahren. Mengen, die früher problemlos vertragen wurden, können deshalb zu Trunkenheit führen. Auch die Nerven im Gehirn werden laut AOK feinfühliger gegenüber Alkohol. Daher weisen ältere Menschen selbst bei sinkenden Trinkmengen eine erhöhte Schädigung des zentralen Nervensystems auf. Die Alkoholverträglichkeit nehme im höheren Lebensalter also ab.

 

„Besonders vorsichtig sollte sein, wer aufgrund chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck, Osteoporose, Herzschwäche oder Arteriosklerose regelmäßig Medikamente einnimmt. Hier kann es zu gesundheitsschädigenden und sogar gefährlichen Wechselwirkungen kommen“, erklärt Natalie Zimmerer. Besonders problematisch sei die Kombination von Alkohol und psychisch wirksamen Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva. „Deshalb mein dringender Rat: sobald ein Medikament eingenommen wird, sollte durch den Arzt geklärt werden, ob dennoch Alkohol getrunken werden darf. Das gilt auch für freiverkäufliche Mittel.“

 

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