Viele Möglichkeiten, um Pflege und Beruf besser zu vereinbaren

Pflegende Angehörige haben zahlreiche Möglichkeiten, sich für die Pflegezeit mehr zeitliche Flexibilität zu verschaffen. Doch diese werden kaum genutzt, wie eine lokale Auswertung der AOK Ulm-Biberach belegt: Nicht einmal jeder Siebte in Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach greift beispielsweise auf Kurzzeitpflege zurück, nur jeder Fünfte auf Verhinderungspflege. Dabei sind solche Maßnahmen hilfreich, besonders wenn man Beruf und Pflege vereinbaren muss.

Datum: 06.10.2016 / Kategorie: Pflege und Rehabilitation

Ulm/Biberach

Im ausgewerteten Jahr 2015 haben bei der AOK Ulm-Biberach insgesamt 10.896 Versicherte Pflegeleistungen in Anspruch genommen: 2.056 Personen in Ulm, 3.922 im Alb-Donau-Kreis und 4.918 im Landkreis Biberach. Davon haben aber nur 1.519 Versicherte auf Kurzzeitpflege zurückgegriffen; das ist nicht einmal jeder Siebte (UL: 239, ADK: 520, BC: 760). Dabei werden 71 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt! Kurzzeitpflege ist die Möglichkeit einer vorübergehenden stationären Unterbringung, zum Beispiel wenn eine Pflegeperson ausfällt oder sich der Zustand der zu pflegenden Person rapide verschlechtert.

Die Verhinderungspflege wird etwas besser angenommen. 2.171 Pflegende haben sich dadurch Entlastung verschafft (UL: 365, ADK: 765, BC: 1.041). Das ist immerhin jeder Fünfte. Diese Unterstützung erhalten Pflegepersonen, um beispielsweise Urlaub zu machen. Neben professionellen Kräften können auch Freunde oder Nachbarn einspringen und werden dafür entlohnt, was viele Pflegende sehr schätzen.

„Die Gründe, weshalb pflegende Angehörige diese Unterstützungsmöglichkeiten nicht annehmen, liegen sicher darin, dass sie nicht wissen, dass es sie überhaupt gibt oder wie man sie bekommt“, meint Dr. Sabine Schwenk, Geschäftsführerin der AOK Ulm-Biberach. „Eine umfangreiche Pflegeberatung ist besonders zu Beginn der Pflegebedürftigkeit entscheidend, um die vielen unterschiedlichen Leistungen der Pflegekasse detailliert erklärt zu bekommen“, erläutert Dr. Schwenk.

Zu Beginn des Jahres 2017 tritt das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft, die weitreichendste Reform seit Einführung der Pflegeversicherung 1995. Dann gibt es neue, spezifischere Kriterien für die Beurteilung von Pflegebedürftigen; es werden neben körperlichen Beschwerden kognitive Defizite gleichwertig bei der Einstufung berücksichtigt. Außerdem wird die Einteilung der Pflegebedürftigkeit in drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt.

„Dieses neue Gesetz macht eine individuellere Pflege möglich und unterstützt auch pflegende Angehörige besser“, begrüßt Dr. Sabine Schwenk die anstehenden Änderungen in der Pflege. „Gleichzeitig steigt der Beratungsbedarf. Außerdem schätzen wir, dass die Zahl der Personen, die Pflegeleistungen erhalten, um 20 Prozent steigt“, so Schwenk weiter. Die AOK Ulm-Biberach bereitet sich seit Jahresbeginn auf diese umfangreichen Anpassungen vor. Neben intensiven Schulungen für die AOK-Kundenberaterinnen und -berater wurde das Team des AOK-CompetenceCenters Pflege in Biberach personell deutlich aufgestockt. Für besondere Beratungsleistungen steht außerdem der Soziale Dienst der AOK Ulm-Biberach zur Verfügung.

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