Wenn das Essen zur Qual wird

Nahrungsmittelunverträglichkeit wird auch in der Region ein immer größeres Problem

Datum: 02.09.2015 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Stuttgart/Sindelfingen

Gutes Essen ist nicht nur notwendiger Brennstoff für den Körper, sondern auch Genuss und wichtig für das Wohlbefinden. Für immer mehr Menschen in der Region hat der Verzehr bestimmter Nahrungsmittel jedoch schmerzhafte Folgen. Das zeigen Zahlen der AOK Stuttgart-Böblingen. Treten zum Beispiel nach dem Essen von Milch oder Milchprodukten wiederholt Beschwerden auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Möglicherweise liegt eine Laktoseintoleranz vor.

Doch nicht nur Milchprodukte können zu Symptomen wie Blähungen und Durchfällen, Kopfschmerzen oder Schwindel führen. Auch das Eiweiß Gluten, das in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste oder Hafer vorkommt, kann zu Beschwerden führen. Grund dafür ist oft eine chronische Entzündung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber Gluten beruht. Die Zahl der Betroffenen in der Region hat sich in den letzten sechs Jahren fast verdoppelt. Im Stadtkreis Stuttgart waren 2007 insgesamt 78 Versicherte betroffen, im Jahr 2013 waren es bereits 150. Im Landkreis Böblingen stiegen die Betroffenenzahlen im gleichen Zeitraum von 96 auf 174. Einzige Therapie bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) ist eine glutenfreie Ernährung. Dabei bieten sich Hirse, Mais oder Sojabohnen als glutenfreie Alternativen an.

Deutlich häufiger als die Zöliakie traten zuletzt Fälle von Laktoseintoleranz auf. Dabei kann in der Nahrung enthaltener Milchzucker nicht verdaut werden. Der Grund liegt in der fehlenden oder zumindest verminderten Produktion des zur Verdauung notwendigen Enzyms Laktase. Mussten sich im Jahr 2007 noch 774 AOK-Versicherte in der Region in ambulante oder stationäre ärztliche Behandlung begeben, waren es zuletzt schon 2.053 Personen. Das entspricht einer Steigerungsrate von jährlich rund 17 Prozent. Männer und Frauen sind in Stuttgart und im Landkreis Böblingen unterschiedlich stark betroffen: Im Landkreis Böblingen sind Frauen häufiger erkrankt (18,8 Prozent) als Männer (16,9 Prozent), in Stuttgart verhält es sich genau umgekehrt (Frauen 15,8 Prozent; Männer 16,9 Prozent). Gleichbleibend ist die Verteilung der Diagnose über die Altersgruppen: Am häufigsten diagnostiziert wird Laktoseintoleranz in den Alterstruppen von 20-24 Jahren und von 45-49 Jahren.

Diplom-Oecotrophologin Stefanie Zinser unterstützt in der Ernährungsberatung der AOK Stuttgart-Böblingen immer mehr Menschen mit Laktoseintoleranz bei der Veränderung ihrer Essgewohnheiten: „Einzige Therapie ist eine Ernährungsumstellung. In Fertiggerichten, Wurstaufschnitt oder Konserven ist beispielsweise sehr oft Laktose enthalten. Stattdessen sollten Sojamilch, roher Schinken oder Pflanzenöle verwendet werden“, rät sie. Mit einer qualifizierten Beratung fällt Betroffenen eine Ernährungsumstellung, die zur kompletten Beschwerdefreiheit führen kann, meist leichter. Und noch eine gute Nachricht: Laktoseintoleranz ist keine Krankheit, sondern eine Unverträglichkeit. Sie birgt keine weiteren Risiken, sofern Betroffene auf eine ausgewogene Ernährung achten. „Menschen, die eine Milchzuckerunverträglichkeit feststellen, müssen nicht immer komplett auf Milchprodukte verzichten. Oft genügt es, weniger davon zu essen. Temperatur, Zeitpunkt und Konsistenz spielen eine Rolle; Flüssiges wird schlechter vertragen als feste Speisen“, sagt Stefanie Zinser. Sollte man gar keinen Milchzucker vertragen, findet man eine breite Palette an laktosefreien Lebensmitteln im Kühlregal.

Zur Erhebung der Zahlen: Berücksichtigt wurden alle Versicherten der AOK Stuttgart-Böblingen, zurzeit 367.000 Personen, die im fraglichen Zeitraum (2007 bis 2013) einen Arzt aufsuchten, der eine Gluten- bzw. eine Laktoseintoleranz diagnostizierte. Die AOK versichert im Stadtkreis Stuttgart und im Landkreis Böblingen fast jeden zweiten gesetzlich Versicherten. Sollten Sie genauere Zahlen bzw. die einer anderen Region benötigen, können Sie die Auswertungen gern anfordern.

Bildunterschrift: Stefanie Zinser, Ernährungsexpertin AOK Stuttgart-Böblingen

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