Wenn das Leben außer Kontrolle gerät: 560 Menschen mit Schizophrenie im Landkreis Tuttlingen

Wer diese Krankheit hat, kann auffällige Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen entwickeln und trifft bei anderen oft auf Vorbehalte. Dabei ist der Leidensdruck hoch und professionelle Hilfe unumgänglich.

Datum: 01.10.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Landkreis Tuttlingen

Die Rede ist von Schizophrenie. 330 AOK-Versicherte im Landkreis Tuttlingen waren deswegen im vergangenen Jahr in Behandlung. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung im Kreis sind das rund 560 Betroffene, wie die AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg anlässlich des Internationalen Tags der seelischen Gesundheit am 10. Oktober mitteilt. Das entspricht vier von 1.000 Menschen. Die Erkrankungshäufigkeit nimmt bis zu einem Alter von 55 bis 59 Jahre stetig zu und fällt dann wieder ab.

 

„Eine Schizophrenie-Erkrankung verläuft häufig schubweise. Betroffene meinen dann beispielsweise Stimmen zu hören oder fühlen sich verfolgt“, erklärt Birgit Imdahl, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Rottweil. „Manchmal geht der Bezug zur Realität fast völlig verloren.“ Die emotionale Balance und das Sozialverhalten geraten dann völlig aus den Fugen und es komme zu mehr oder weniger ausgeprägten Denkstörungen, die zum Beispiel eine geordnete Tätigkeit nicht mehr ermöglichen. Die Erkrankten ziehen sich dann oft zurück aus Angst vor einer vermeintlichen Bedrohung oder werden durch ihren Wahn und eine jegliche Hilfe abwehrendes Verhalten für ihre Umgebung zur Belastung.

 

„Die Gründe für eine Schizophrenie kann man nicht genau benennen“, so die Rottweiler Psychiaterin, die 2. Vorsitzende des Berufsverbands deutscher Nervenärzte Baden-Württemberg ist. Genetische und neurobiologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle, weitere psychosoziale Faktoren können das Erkrankungsrisiko zumindest verstärken. Birgit Imdahl: „Wenn eine Anlage zur Schizophrenie bereits vorliegt, können zum Beispiel Alkohol- und Drogenkonsum oder belastende Ereignisse wie Trennungen zum Ausbruch der Erkrankung beitragen.“

 

Manchmal bleibe es bei einem einmaligen psychotischen Schub. Die Symptome können aber auch mehrmals wiederkommen oder sogar chronisch werden. Die erste Akutphase ereigne sich meist im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Bei etwa 30 Prozent der Erkrankten bildet sich die Symptomatik vollständig, bei weiteren 30 Prozent mit bleibenden leichteren Beschwerden zurück. Ebenfalls etwa 30 Prozent der Erkrankungen führen früher oder später in eine Berentung.

 

Wichtig sei daher eine rasche Behandlung, meint die Psychiaterin, die sich aus diesem Grund für den entsprechenden Facharztvertrag zwischen AOK und dem Berufsverband der Nervenärzte sowie weiteren Partnern stark gemacht hat. Die üblichen Therapieverfahren seien antipsychotisch wirkende Medikamente und Psychotherapie. „Auch das soziale Umfeld sollte möglichst stabilisierend einwirken. Damit können die Betroffenen leichter wieder ein selbständiges Leben führen“, so die Ärztin.

 

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