Wenn die Kinder zappeln

Kann ein Kind nicht ruhig sitzen, kann es sich nicht konzentrieren oder hat Schwierigkeiten in der Schule kann das viele Ursachen haben. Es kann auch hyperaktiv sein. Dieses Zappelphilipp-Syndrom bezeichnet die Medizin als ADHS – als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Nach einer Auswertung der AOK Südlicher Oberrhein waren 2017 im Ortenaukreis 1552 ihrer Versicherten wegen ADHS in ambulanter oder stationärer Behandlung. Die Zahlen steigen.

Datum: 06.09.2019 / Kategorie: Kindergesundheit

Ortenau

Zählte die AOK 2013 in den Reihen ihrer Versicherten noch 1.104 Betroffene, so kamen in den darauffolgenden Jahren jährlich rund 100 betroffene Versicherte dazu. 2013 entsprach dies einem Anteil von 0,8 Prozent aller Versicherten, 2017 sind es 1,0 Prozent aller Versicherter. Bezogen auf den Zeitraum 2013 bis 2017 entspricht dies einer mittleren jährlichen Veränderung von knapp sechs Prozent. Männer und Jungen sind fast dreimal so oft betroffen wie Frauen und Mädchen.

 

„Der Anstieg entspricht auch der Entwicklung in Baden-Württemberg“, erklärt Tobias Rauber, Leiter des AOK-Kundencenters in Offenburg. „Im Ländle waren 2013 rund 25.500 Versicherte in medizinischer Behandlung, vier Jahre später waren es deutlich über 32.000“. „Die Krankheitshäufigkeit ist bei den 10-14-Jährigen am höchsten. „ADHS kommt relativ häufig vor“, so Rauber. „In Deutschland erhalten etwa fünf von 100 Kindern die Diagnose ADHS“. „Auch wenn Außenstehende das manchmal anders beurteilen - ADHS ist nicht die Folge von erzieherischem Versagen“, erklärt Rauber“. „Vielmehr ist es in erster Linie eine genetisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns“. Unaufmerksamkeit, Impulsivität und übermäßige Aktivität sind bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Bei ADHS nehmen sie allerdings ein Ausmaß an, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet. „Eine ausgeprägte ADHS kann das Leben und den Alltag des Kindes, aber auch seiner Eltern und Geschwister massiv beeinträchtigen“, weiß AOK-Ärztin Sabine Knapstein. „Die Kinder verhalten sich anders, als von ihnen erwartet wird. Deshalb ecken sie oft an, verhalten sich trotzig und geraten mit Gleichaltrigen in Konflikt“, erklärt die Medizinerin Auffälligkeiten. „Auch Probleme in der Schule, zum Beispiel in der Lese- und Rechtschreibfähigkeit oder Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung können die Folge sein“. Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt und eine körperliche Untersuchung seien wichtig, um andere Ursachen für das auffällige Verhalten auszuschließen.

 

Wie stark eine ADHS ausgeprägt ist und welche Verhaltensweisen besonders auffallen, kann sehr unterschiedlich sein. Während manche Kinder besonders impulsiv und hyperaktiv sind, überwiegt bei anderen Kindern eher die Unaufmerksamkeit. „Sie werden als Tagträumer wahrgenommen“. Welche Hilfen geeignet sind, hängt davon ab, wie alt das Kind ist, ob es eher unaufmerksam oder hyperaktiv ist und welche Lebensbereiche besonders beeinträchtig sind. „Bei einer leichten ADHS kann möglicherweise eine aufklärende Elternschulung ausreichen, bei ausgeprägteren Formen könnte eine medikamentöse Therapie die Symptome lindern“.

 

Eltern von Kindern mit ADHS finden auch online Unterstützung. Der ADHS-Elterntrainer basiert auf einem Therapieprogramm, das sich seit vielen Jahren in der Praxis bewährt. Seine Wirksamkeit wurde in vielen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht.

 

Weitere Informationen unter www.adhs.aok.de

 

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