Wenn die Party in der Notaufnahme endet

Zu den großen Stadtfesten und kleinen Sommer-Feschdle in der Region veröffentlicht die AOK Ulm-Biberach traditionell ihre neueste Alkoholmissbrauchs-Statistik. Grund: Die Sommerpartys gehören zu den Hauptanlässen des Jahres, an denen die Menschen massiv zu viel Alkohol konsumieren. Landesweit gehen die Zahlen der wegen Alkoholmissbrauch stationär Behandelten seit längerem fühlbar zurück. Unsere Region bildet da eine Ausnahme: 2015 hat für ein Fünftel mehr Ulmer AOK-Versicherte der feucht-fröhliche Abend in einer Klinik geendet. Der Negativ-Trend hält in Ulm also leider an. Der Alb-Donau-Kreis fällt hingegen nach einem Allzeit-Hoch auf das Niveau von 2010.

Datum: 15.07.2016 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Ulm

Im vergangenen Jahr zählte die AOK in Ulm 88 Personen, die volltrunken das Krankenhaus aufsuchten mussten. Im Vorjahr waren es 73, im Schnitt der letzten neun Jahre 56 Ulmer. Die Zahl geht in der Stadt also weiter nach oben – entgegen dem landesweiten Trend: Die AOK Baden-Württemberg verzeichnet landesweit den niedrigsten Stand seit zehn Jahren.

Das Verhältnis von Frauen und Männern beträgt etwa drei zu sieben: Die Anzahl der Frauen ging von 30 auf 26 zurück. Entsprechend stark stieg die Zahl der Männer um knapp die Hälfte auf 62.

Positiveres gibt es aus dem Alb-Donau-Kreis zu berichten. Dort zählte die AOK zuletzt 74 alkoholbedingte Krankenhausaufenthalte. Damit liegt der Kreis genau im Schnitt der letzten neun Jahre und erfreulicherweise 25 Prozent unter 2014. Mit 97 Volltrunkenen bildete jenes Jahr den Allzeit-Tiefpunkt.

2015 mussten 23 und damit ein Drittel weniger Bewohnerinnen des Alb-Donau-Kreises als 2014 volltrunken eine Klinik aufsuchen. Bei den Männern sank die Zahl von 62 auf 51 Personen. Somit ist das Geschlechterverhältnis auch im Kreis etwa drei zu sieben.

Unter dem Begriff „Komatrinker“ erlangten stark alkoholisierte Jugendliche eine traurige Berühmtheit. Aus Ulm wurden 2015 elf 15- bis 19-Jährige im Krankenhaus eingeliefert, das entspricht etwa dem Schnitt der letzten Jahre. Ein Drittel sind Mädchen. Im Kreis waren es 15 Jugendliche. „Da wir im Vorjahr 23 Jugendliche im Alb-Donau-Kreis zählen mussten, ist diese Abnahme zunächst als erfreulich einzustufen“, kommentiert Dr. Sabine Schwenk, Geschäfts-führerin der AOK Ulm-Biberach, die Entwicklung. „Die Gesundheitskasse arbeitet seit langer Zeit mit den Suchtbeauftragten des Landkreises zusammen, die sich besonders für Projekte gegen Alkoholmissbrauch engagieren. Diese Zusammenarbeit ist für die AOK eine sehr gute Investition“, betont Dr. Schwenk. Präventionsarbeit sei besonders wertvoll, damit Jugendliche sich kein Suchtverhalten antrainierten. Nicht zuletzt aufgrund der schwankenden Komatrinker-Zahlen wird die AOK auch künftig diese wertvolle Arbeit unterstützen.

Die zeitliche Spitze des Alkohol-Missbrauchs bildet übrigens die Silvester-Nacht, gefolgt von den Faschingstagen und Sommerfesten. Das sind genau die Anlässe, zu denen auch Erwachsene zu tief ins Glas schauen. Damit liefern sie Kindern und Jugendlichen ein schlechtes Vorbild. Starker Alkoholkonsum ist in jungen Jahren besonders schädlich, da der Körper den Alkohol nur sehr langsam abbauen kann. Das kann zu schweren Schädigungen und Vergiftungen führen.

„Es sind aber nicht nur die Jugendlichen, die stark alkoholisiert die Klinik aufsuchen“, warnt Dr. Sabine Schwenk. „Der größte Teil der Alkohol-Missbräuche betrifft die Altersgruppe 40 bis 59. Hierbei handelt es sich nicht um einmalige Ereignisse, sondern um sehr ungesunde Gewohn-heiten“, so Schwenk weiter. „Alkoholmissbrauch bedeutet einen herben Verlust an Lebensqualität. Langfristig büßen Menschen, die zu viel trinken, viel früher ihre Selbständigkeit ein als andere“, warnt die AOK-Geschäftsführerin. Auch der ältere Körper verträgt Alkohol weniger gut, da sein Wasseranteil sinkt und der Promillegehalt bei gleichem Konsum höher ist.

Durchschnittlich liegen die Krankenhaus-Kosten pro Person übrigens bei 891 €. Ein teurer Rausch, der sich im Gesamtgebiet der AOK Baden-Württemberg auf fast 6 Millionen Euro pro Jahr summiert.

Die regionalen Zahlen der AOK Ulm-Biberach, die jeden Zweiten in der Region versichert, zeigen nur eine Tendenz; tatsächlich liegen sie deutlich höher. Schätzungen zufolge begibt sich nur jede zwanzigste Person, die sich krankenhausreif trinkt, auch in medizinische Behandlung.

Zur Erhebung der Zahlen

Alle aufgeführten Zahlen basieren auf Erhebungen unter allen AOK-Versicherten, die in Ulm und im Alb-Donau-Kreis wohnen; sie umfassen die Hälfte der gesetzlich Versicherten. Erhebungszeitraum ist das Kalenderjahr 2015, die Vergleichszahlen sind ein Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2014. Eingeschlossen wurden alle Krankenhausfälle mit der Hauptdiagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol.“

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