Wenn Essen zum Problem wird

Wenn die Nahrungsaufnahme und eine negative Körperwahrnehmung die Gedanken und Gefühle dominiert, führt dies häufig zu schweren Erkrankungen. Wegen Essstörungen wurden im Jahr 2017 im Main-Tauber-Kreis 167 AOK-Versicherte ärztlich behandelt. Dies gab die AOK Heilbronn-Franken in einer neuen Untersuchung bekannt. Das Robert-Koch-Institut hat in einer großen Studie festgestellt: Etwa ein Fünftel der 11- bis 17-Jährigen in Deutschland zeigt Symptome solcher Erkrankungen – mit zunehmender Tendenz. Zu den Essstörungen zählen unter anderem die Ess-Sucht, die Magersucht und die Ess-Brech-Sucht (Bulimie).

Datum: 10.01.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Main-Tauber-Kreis

Die Zahlen der AOK bestätigen die Daten des Robert-Koch-Instituts, auch für den Main-Tauber-Kreis: Hier betrug die jährliche Steigerungsrate von Essstörungen bei den AOK-Versicherten von 2013 bis 2017 rund 12,4 Prozent. Landesweit lag sie bei 1,7 Prozent. Die Zahlen der AOK gelten als repräsentativ, da sie mit einem Marktanteil von 44 Prozent die größte Krankenkasse des Landes ist.

 

In der Region Heilbronn-Franken kletterte die Zahl der Therapien wegen Essstörungen von 865 (im Jahr 2013) und 908 (2015) auf 1.190 im Jahr 2017. Im Main-Tauber-Kreis waren es 127 (in 2013), 134 (2015) und 167 im Jahr 2017. Die Krankenhausbehandlungen wegen Magersucht erhöhten sich im Main-Tauber-Kreis in den vergangenen fünf Jahren noch deutlich stärker: Von 28 in 2013 auf 48 in 2017. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Zunahme von 11,9 Prozent und ist eine der höchsten Steigerungsraten im Land.

 

Seelisch bedingte Essstörungen sind mehr als ein Schlankheitstick oder der Wunsch, die Figur von hyper-dünnen Models zu erreichen: Sie sind ernstzunehmende psychosomatische Probleme. Magersucht und Bulimie gehören zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Unbehandelt können folgenschwere gesundheitliche Komplikationen auftreten, Organe werden geschädigt. Im Extremfall sterben die Betroffenen. Zwischen 1998 und 2012 starben in Deutschland pro Jahr zwischen 33 und 100 Menschen an Essstörungen, etwa 90 Prozent davon waren Frauen. AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein: „Solche Suchterkrankungen können Lösungsversuche für tiefer liegende seelische Schwierigkeiten, stummer Protest oder Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse sein.“

 

Hauptmerkmal der Magersucht sei, so die Medizinerin, ein starker Gewichtsverlust, den die Betroffenen bewusst herbeiführen. „Weitere typische Anzeichen sind eine permanente Angst vor Gewichtszunahme, auffällige Essrituale und eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers – extremes Untergewicht wird nicht als solches erkannt“, erläutert Sabine Knapstein. Typische Zeichen der Bulimie sind Heißhungerattacken gefolgt von Maßnahmen, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden: Erbrechen, Hungern, extreme Diäten sowie der Missbrauch von Abführ- und Brechmitteln.

 

 

 

Wenn Eltern oder Freunde eine solche Erkrankung für wahrscheinlich halten, sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Für die Behandlung ist dringend psychotherapeutische Hilfe notwendig.

 

Dr. Sabine Knapstein: „Der Facharztvertrag Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der AOK Baden-Württemberg fördert eine interdisziplinäre Versorgung durch Haus- und Fachärzte, bei der die individuelle Lebenssituation das Patienten berücksichtigt wird. Für die Versorgung bei Essstörungen ist dabei die enge Vernetzung sozialer Einrichtungen mit Reha-Angeboten und psychotherapeutisch-ärztlichen Maßnahmen wesentlich für den Erfolg.“

 

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Dr. René Schilling

Pressesprecher

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