Wenn Essen zum Problem wird

Essstörungen nehmen in der Region Bodensee-Oberschwaben deutlich zu

Datum: 14.01.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Bodensee-Oberschwaben

Essstörungen gibt es viele: Von Magersucht, auch Anorexia nervosa genannt, der Ess-Brechsucht, also die Bulimia nervosa und die Esssucht, das sogenannte Binge-Eating. Auch Mischformen tauchen immer öfters auf. Bei allen Formen von Essstörungen handelt es sich um Verhaltensstörungen rund um das Essen mit oft schweren Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit. 698 Menschen waren im Jahr 2017 wegen Essstörungen in ärztlicher Behandlung. Davon 300 im Landkreis Ravensburg, 194 im Landkreis Sigmaringen und 204 im Bodenseekreis. Im Jahr 2013 waren es noch 511 betroffene AOK-Versicherte (Landkreis Ravensburg: 226, Landkreis Sigmaringen: 121, Bodenseekreis: 164). Die AOK-Auswertung zeigt: In Bodensee-Oberschwaben nehmen die Behandlungen wegen Essstörungen deutlich zu. „Es konnten nur Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden, die Dunkelziffer ist vermutlich sogar noch höher“, betont Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben.

 

Seit 2013 haben Essstörungen im Allgemeinen jährlich um durchschnittlich 9,4 Prozent zugenommen. Hinsichtlich der Altersverteilung konzentriert sich die Essstörung auf eine Altersspanne von 15 bis 39 Jahren, während die „Magersucht“ zum Beispiel vor allem in den Altersgruppen 15 bis 24 Jahren auftritt und dann über die verbleibenden Altersgruppen kontinuierlich sinkt.

 

Als Risikofaktoren gelten ein hohes Maß an Perfektionismus, beispielsweise die Angst davor, Fehler zu machen oder an eigenen Handlungen zu zweifeln und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei verzerrter Wahrnehmung des eigenen Körperbildes. Hier sprechen Experten auch von einer Körperschemastörung. Neben individuellen seelischen Faktoren wie einem negativen Selbstbild und übertriebener Leistungshaltung ist aber auch eine genetische Veranlagung bedeutsam.

 

Aktuell beträgt das Verhältnis von betroffenen Frauen und Männern drei zu eins. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass sich die Zahlen einander annähern. Weil auch kulturelle Wertvorstellungen und die Vermittlung über Medien dabei auch eine Rolle spielen könnten, wird vermutet, dass sich auch bei Männern die Wahrnehmung des eigenen Körpers verändern könnte.

 

„Werden Essstörungen frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Aussichten auf eine vollständige Genesung besonders gut“, so der AOK-Geschäftsführer weiter. „Wohnen junge Patientinnen noch bei ihren Eltern, sollten die Eltern in die Behandlung einbezogen werden.“ Der Facharztvertrag Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der AOK Baden-Württemberg fördert eine interdisziplinäre Versorgung durch Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten, bei der die individuelle Lebenssituation des Patienten berücksichtigt wird. Wesentlicher Aspekt ist hierbei die psychosoziale Hilfestellung durch die enge Vernetzung sozialer Einrichtungen, Reha-Angeboten und psychotherapeutisch-ärztlicher Versorgung bei Essstörungen. „Zusätzlich beraten und unterstützen beispielsweise die AOK-Ernährungsfachkräfte bei einer dauerhaften Ernährungsumstellung oder vermitteln Gesundheitskurse zum Thema gesunde Ernährung“, hebt Roland Beierl hervor.

 

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