Wenn Essen zum Problem wird

Immer mehr Menschen im Landkreis Ludwigsburg leiden an Essstörungen

Datum: 30.01.2019 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ludwigsburg

Wenn die Nahrungsaufnahme und eine negative Körperwahrnehmung die Gedanken und Gefühle dominiert, führt dies häufig zu schweren Erkrankungen. Wegen Essstörungen wurden im Jahr 2017 im Landkreis Ludwigsburg 529 AOK-Ver-sicherte ärztlich behandelt. Dies gab die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr nach aktueller Analyse bekannt. Das Robert-Koch-Institut hat in einer großen Studie festgestellt: Etwa ein Fünftel der 11- bis 17-Jährigen in Deutschland zeigt Symptome solcher Erkrankungen – mit zunehmender Tendenz. Zu den Essstörungen zählen unter anderem die Ess-, die Mager- und die Ess-Brech-Sucht (Bulimie).

 

In der Region Ludwigsburg-Rems-Murr kletterte die Zahl der Therapien wegen Essstörungen bei AOK-Versicherten von 808 (im Jahr 2013) und 822 (2015) auf 962 im Jahr 2017. Im Landkreis Ludwigsburg waren es 494 (in 2013), 483 (2015) und 529 im Jahr 2017.

 

Bei den ärztlichen Behandlungen wegen Magersucht war im Landkreis Ludwigsburg von 2013 bis 2017 ein Rückgang zu verzeichnen: Sie verringerten sich im Jahresschnitt um 3,0 Prozent. Dagegen erhöhte sich die Zahl der festgestellten Magersucht-Erkrankungen in Baden-Württemberg im gleichen Zeitraum um 3,2 Prozent. Die Zahlen der AOK gelten als repräsentativ, da sie mit einem Marktanteil von 44 Prozent die größte Krankenkasse des Landes ist.

 

Seelisch bedingte Essstörungen sind mehr als ein Schlankheitstick oder der Wunsch, die Figur von hyper-dünnen Models zu erreichen: Es liegen ernstzunehmende psychosomatische Ursachen zugrunde. Magersucht und Bulimie gehören zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Unbehandelt können folgenschwere gesundheitliche Komplikationen auftreten. Im Extremfall sterben die Betroffenen. Zwischen 1998 und 2012 starben in Deutschland pro Jahr zwischen 33 und 100 Menschen an Essstörungen, etwa 90 Prozent davon waren Frauen. AOK-Ärztin Dr. Sabine Knapstein: „Auslöser für das Auftreten einer Essstörung können belastende Erlebnisse sein, wie etwa ein Verlust, eine Trennung, ein Umzug oder Mobbing. Auch körperliche Erkrankungen und der Beginn körperlicher Veränderungen in der Pubertät können eine Essstörung auslösen.“

 

 

 

Hauptmerkmal der Magersucht sei, so die Medizinerin, ein starker Gewichtsverlust, den die Betroffenen bewusst herbeiführen. „Weitere typische Anzeichen sind eine permanente Angst vor Gewichtszunahme, auffällige Essrituale und eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers – extremes Untergewicht wird nicht als solches erkannt“, erläutert Sabine Knapstein. Typisches Zeichen der Bulimie sind Heißhungerattacken gefolgt von Maßnahmen, um eine Gewichtszunahme zu vermeiden: Erbrechen, Hungern, extreme Diäten sowie der Missbrauch von Abführ- und Brechmitteln.

 

 

 

Wenn Eltern oder Freunde eine solche Erkrankung für wahrscheinlich halten, sollte unbedingt ein Arzt zu Rate gezogen werden. Für die Behandlung ist dringend psychotherapeutische Hilfe notwendig.

 

 

 

Dr. Sabine Knapstein: „Der Facharztvertrag Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der AOK Baden-Württemberg fördert eine interdisziplinäre Versorgung durch Haus- und Fachärzte, bei der die individuelle Lebenssituation des Patienten berücksichtigt wird. Für eine erfolgreiche Therapie bei Essstörungen ist die enge Vernetzung sozialer Einrichtungen mit Reha-Angeboten und psychotherapeutisch-ärztlichen Maßnahmen ganz wesentlich.“

 

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