Wenn Essen zur Qual wird - Nahrungsmittelunverträglichkeit nimmt zu

Für immer mehr Menschen in der Region hat der Verzehr bestimmter Nahrungsmittel unangenehme Folgen. Das zeigen die Zahlen der AOK Neckar-Fils. Treten zum Beispiel nach dem Essen von Milch oder Milchprodukten wiederholt Beschwerden auf, sollte ein Arzt konsultiert werden. Möglicherweise liegt eine Laktoseintoleranz vor. Abgeklärt werden muss das per ärztlicher Diagnose.

Datum: 12.08.2015 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Neckar-Fils

Nicht nur Milchprodukte können zu Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen führen. Auch das Eiweiß Gluten, das in Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste oder Hafer vorkommt, kann zu Beschwerden führen. Grund dafür ist oft eine chronische Entzündung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber Gluten beruht. Die Zahl der Betroffenen in der Region, also den Landkreisen Göppingen und Esslingen, hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt. Einzige Therapie bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) ist eine glutenfreie Ernährung. Dabei bieten sich Hirse, Mais oder Sojabohnen als glutenfreie Alternativen an.

Deutlich häufiger als die Zöliakie traten zuletzt Fälle von Laktoseintoleranz auf. Bei Laktoseintoleranz kann in der Nahrung enthaltener Milchzucker nicht verdaut werden. Der Grund liegt in der fehlenden oder zumindest verminderten Produktion des zur Verdauung notwendigen Enzyms Laktase. Mussten sich im Jahr 2007 noch 711 AOK-Versicherte in der Region in ambulante oder stationäre ärztliche Behandlung begeben, waren es zuletzt schon 2031 Personen. Das entspricht einer Steigerungsrate von jährlich rund 20 Prozent. Darunter sind übrigens deutlich mehr Frauen als Männer. Das könne allerdings daran liegen, dass Frauen gesundheitsbewusster seien, meint Diplom-Oecotrophologin Gerlinde Steffan von der AOK Neckar-Fils, die dasselbe Phänomen aus der Ernährungsberatung kennt: „Da kommen deutlich mehr Frauen als Männer.“

Steffan unterstützt in der Ernährungsberatung der AOK Neckar-Fils immer mehr Menschen mit Laktoseintoleranz. Allerdings hat Steffan auch schon häufig erlebt, dass Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden nur glaubten, dass sie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hätten. „Dabei war es dann ein Reizdarm oder eine Magenschleimhautentzündung, was jeweils komplett andere Therapien erforderlich macht.“ Sie warnt also vor Selbstdiagnosen: „Der Gang zum Arzt ist notwendig.“

Mit der richtigen Diagnose können die Ernährungsexpertinnen der AOK Neckar-Fils dann sinnvoll beraten. „Laktose kommt ja vor allem in Milchprodukten vor“, sagt Steffan. „Da ist es recht einfach, Alternativen zu nehmen wie laktosefreie Milch statt normaler Kuhmilch. Aber Laktose ist oft auch in Fertiggerichten, in Back- und Wurstwaren. Die Zutatenliste muss also gründlich gelesen werden.“

Worauf Betroffene tatsächlich verzichten müssen, sei sehr unterschiedlich, „denn die Intoleranz kann ganz verschiedene Ausprägungen haben. Manche Menschen können einen Schuss Milch im Kaffee gut vertragen, andere nicht und fast alle mit Lakotseintoleranz können problemlos Hartkäse wie Parmesan essen“. Wie hoch die verträgliche Dosis ist, könne anhand von Ernährungsprotokollen festgestellt werden. Steffan: „Das Ziel ist ja, dass niemand unnötigerweise bestimmte Lebensmittel weglässt oder aus Unkenntnis zu den teureren Speziallebensmitteln greift.“

Steffan hat festgestellt, dass Betroffene mit Hilfe einer professionellen Beratung eine Ernährungsumstellung gut in den Griff bekommen. „Wenn sie feststellen, dass sie dann weniger oder gar keine Beschwerden mehr haben, klappt das gut“, so Steffan und hat noch eine positive Nachricht: „Laktoseintoleranz ist keine Krankheit und keine Allergie sondern eine Unverträglichkeit. Sie birgt keine weiteren Risiken, sofern Betroffene auf eine ausgewogene Ernährung achten

        
      
   

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