Zahl der adipösen Kinder in Bodensee-Oberschwaben sinkt

Trotzdem den Corona-Frust nicht „versüßen“

Datum: 18.05.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Bodensee-Oberschwaben

Die Zahl der stark übergewichtigen Kinder in der Region Bodensee-Oberschwaben ist seit einigen Jahren leicht rückläufig. Im Jahr 2014 waren 2,1 Prozent der Versicherten im Landkreis Sigmaringen im Alter bis 12 Jahre an Adipositas erkrankt, 2018 waren es 1,7 Prozent. Im Bodenseekreis sank die Rate im gleichen Zeitraum von 2,2 Prozent auf 1,9 Prozent. Im Landkreis Ravensburg stagniert sie bei 2,2 Prozent. Doch Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben, betont: „Die sinkenden Werte geben leider noch keinen Grund zur Entwarnung, bedeuten sie doch, dass im Jahr 2018 in der Region Bodensee-Oberschwaben 490 Kinder an Adipositas erkrankt waren.“ Zudem ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer um einiges höher liegt, da in die Statistik nur diejenigen Kinder eingehen, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden.

 

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist die Gefahr groß, zuhause aus Frust und Langeweile zu Süßigkeiten und Snacks zu greifen. Laut Internationalem Süßwarenhandelsverband verzeichneten die Verkäufe von Süßwaren in den vergangenen Wochen ein zweistelliges Plus. Doch auch in „normalen“ Zeiten ist der Zuckerkonsum der Bevölkerung hoch: In einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Baden-Württemberg gaben im Jahr 2017 89 Prozent der befragten Baden-Württemberger an, mindestens einmal pro Woche Süßigkeiten, Süßspeisen oder süßes Gebäck zu verzehren. 22 Prozent davon sogar täglich. „Die Häufigkeit allein ist nicht entscheidend, sondern die Menge. Zu viel Zucker kann zu Übergewicht und Karies führen und in Verbindung mit Bewegungsmangel auch Diabetes begünstigen“, sagt Roland Beierl.

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Zuckerzufuhr von maximal 50 Gramm und Kindern 25 Gramm. Der tägliche Zuckerverbrauch in Deutschland beträgt jedoch durchschnittlich 90 Gramm pro Person – meist versteckt in Lebensmitteln wie Müsli, Fruchtjoghurt, Tiefkühlpizza, Säften oder Saucen. „Die Besteuerung von Lebensmitteln mit zugesetztem Zucker könnte ein Ansatz zur Verringerung deren Konsums sein“, so Roland Beierl. Eine aktuelle Studie in der Cochrane Database of Systematic Reviews, an der die AOK Baden-Württemberg, die Universität Bremen, das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie und ein internationales Forscherteam gearbeitet haben, liefert mit Daten aus Ungarn erste Hinweise, dass eine Steuer auf extra gesüßte Lebensmittel den durchschnittlichen Konsum dieser Güter um 4 Prozent reduziert. „So könnte das Ernährungsverhalten der Bevölkerung verbessert und Übergewicht präventiv begegnet werden“, ergänzt der AOK-Geschäftsführer.

 

Doch auch jede Familie kann zuhause Übergewicht bei Kindern vorbeugen. „Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern gesunde Ernährung vorleben. Beim Einkaufen oder gemeinsamen Zubereiten von Speisen können schon kleinere Kinder mithelfen und dabei gesunde Lebensmittel kennenlernen“, so Roland Beierl. Auf Fertigprodukte sollte im Speiseplan hauptsächlich verzichtet und stattdessen frisch gekocht werden. Ergänzend ist ausreichend Bewegung nötig. Gerade in Zeiten von ausgefallenem Sportunterricht, fehlenden Freizeitangeboten und eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten sollten die Eltern darauf achten, dass sich ihre Kinder zuhause oder im Freien ausreichend bewegen.

 

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