Zahlreiche Menschen mit Hörschäden in Heilbronn

Heilbronn. Die Fähigkeit zu hören hat eine große Bedeutung für Kommunikation und Orientierung. Sowohl Schwerhörigkeit als auch Tinnitus sind in Deutschland weit verbreitet. Laut Robert-Koch-Institut sind rund 60 % der Bevölkerung zumindest zeitweise davon betroffen. Im Stadt- und Landkreis Heilbronn wurden im Jahr 2019 insgesamt 9.089 AOK-Versicherte wegen Hörschäden ärztlich behandelt, in Baden-Württemberg waren es 249.955. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Betroffenen kontinuierlich an.

Datum: 26.02.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Heilbronn

Die Ursachen und Formen der Beeinträchtigung sind vielfältig. In Deutschland ist etwa jeder 7. Erwachsene dauerhaft betroffen, in der Altersgruppe ab dem 65. Lebensjahr ungefähr jeder Zweite, so das RKI. Schätzungen zufolge leiden zwischen 17 und 20 Millionen Deutsche an einer verminderten Hörfähigkeit, und die Zahl nimmt weiter zu, vor allem bei jungen Menschen. Schwerhörigkeit  kann sowohl eine Alterserscheinung als auch Folge einer Erkrankung oder übermäßiger Lärmbelastung sein. Lärmschwerhörigkeit ist in Deutschland die häufigste Berufskrankheit.

 

Bei einer beginnenden Schwerhörigkeit lässt meist zunächst das Vermögen des Ohres nach, auf bestimmte Frequenzen mit einer geringen Lautstärke noch zu reagieren. Aufgrund dieser so genannten Hörbahn-Degeneration können Betroffene Geräusche immer schlechter unterscheiden. „Dies erklärt auch, warum Menschen mit beginnender Schwerhörigkeit oft einem Einzelgespräch noch gut folgen können, aber in größeren Gesellschaften oder bei starker Hintergrundkulisse, etwa bei einem Restaurant-Besuch, Probleme haben, sich an einer Konversation zu beteiligen;“ so Dieter Macher, Leiter des Versorgungsmanagements bei der AOK Heilbronn-Franken.

 

Wird dieser Degeneration durch eine Hörhilfe frühzeitig entgegengewirkt, kann das breite Spektrum des Hörens erhalten bleiben. Im Jahr 2019 wurde in Heilbronn 1.255 AOK-Versicherten ein Hörgerät verordnet. In Baden-Württemberg waren es 34.890.

 

Früherkennung ist sehr wichtig für den Therapieerfolg. Das gilt insbesondere für Kinder, denn die allgemeine geistige und vor allem die Sprachentwicklung setzen normales Hörvermögen voraus. Die Aktion „Frühkindliches Hören“ der Deutschen Kinderhilfe geht von zwei bis drei Kindern mit Hörstörung pro 1.000 Geburten aus, d.h. unter etwa 415 Neugeborenen findet sich ein schwerhöriger Säugling. Bei den Frühgeburten liegt die Rate deutlich höher.

 

„Auch wenn das neue Hörerlebnis ungewohnt ist und die Umstellung ein wenig Geduld bedarf, erhöht der Einsatz eines Hörgeräts die Lebensqualität enorm;“ verdeutlicht Dieter Macher. Denn nur so können schwerhörige Menschen auf Dauer Alltagssituationen richtig meistern und soziale Kontakte ausreichend pflegen. Wer schlecht hört, fühlt sich oft gehemmt oder ausgeschlossen. Er nimmt akustische Signale nur mehr abgeschwächt, verändert oder teilweise gar nicht mehr wahr. Häufig kommt zu einer Schwerhörigkeit auch eine Fehlhörigkeit. Die Betroffenen verstehen nicht mehr richtig, was ihr Gesprächspartner sagt. Wörter und Sätze kommen verzerrt an

 

Eine Altersschwerhörigkeit stellt sich in der Regel langsam ein. Im Laufe mehrerer Jahre lässt das Hörvermögen stetig nach. In der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen wurden im Jahr 2019 insgesamt 3,9 Prozent wegen einer Hörschwäche behandelt, bei den 65- bis 69-Jährigen waren es 10,2 Prozent und bei den 80- bis 84-Jährigen 20,3 Prozent.

 

„Oft fällt es Angehörigen und Freunden zuerst auf, dass ein Mensch anfängt schlechter zu hören. Betroffene sollten sich an Ihren Hausarzt wenden, wenn Sie den Eindruck haben, schlechter zu hören oder zu verstehen. Dieser kann bei Bedarf eine Überweisung zum einem Hals-Nasen-Ohrenarzt ausstellen. Mit Tests und Untersuchungen kann die Ursache und Form der Störung festgestellt und die notwendige Therapie eingeleitet werden“, erläutert Dieter Macher.

 

Neben dem eigentlichen Hörtest kann durch eine ausführliche Befragung herausgefunden werden, wie es um Ihre Ohren steht. Gab es einen bestimmten Auslöser für die Verringerung des Hörvermögens oder leidet der Patient unter anderen Symptomen oder Nebenerkrankungen? Wer eine Kostenübernahme oder Zuschüsse durch seine Krankenkasse wünscht, für den ist der Gang zum Facharzt unumgänglich. Denn nur dieser kann eine gültige Bescheinigung über einen Hörverlust ausstellen.

 

  • Fragen zu den Themen Hörgeräte und Kostenübernahme beantwortet die Leiterin des Competencecenters Hilfsmittel der AOK Heilbronn Franken, Andrea Burkert. Sie ist am Mittwoch, 3. März, von 9 bis 13 Uhr, unter der Rufnummer 09341 940265 erreichbar.

 

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Wer schlecht hört, sollte einen Arzt aufsuchen, damit die Ursache festgestellt wird und eine Therapie eingeleitet werden kann. Foto: AOK

 

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