Zivilisationskrankheit Fettleber: Häufigste Lebererkrankung in Deutschland

Über 20 Millionen Deutsche haben eine Fettleber, Tendenz steigend. Im Zollernalbkreis fällt der Anstieg der Behandlungszahlen moderat aus.

Datum: 30.04.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Balingen

Die Zahl der von einer Fettleber Betroffenen steigt im Zollernalbkreis seit 2015 um jährlich 1,2 Prozent. Damit liegt der Kreis unter dem landesweiten Anstieg von durchschnittlich 2,0 Prozent. Laut aktueller AOK-Statistik waren im Jahr 2019 3.788 Versicherte in der Region wegen einer nichtalkoholischen Fettleber in ärztlicher Behandlung, 1.954 Männer und 1.834 Frauen. In ganz Baden-Württemberg zählte die Kasse 113.810 Fettleber-Diagnosen. Männer sind demnach etwas häufiger betroffen, allerdings holen die Frauen in den letzten Jahren auf. Die Behandlungszahlen kletterten bei Frauen um jährlich 1,5 Prozent nach oben, wohingegen bei Männern der jährliche Anstieg bei 0,9 Prozent liegt.

 

Die Leberverfettung zählt zu den Zivilisationskrankheiten, deren Ursachen vor allem in der modernen Lebensweise liegen: falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. „Deshalb, aber auch aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Komplexität von medikamentösen Therapien ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen“, befürchtet AOK-Arzt Dr. Hans-Peter Zipp. Die Deutsche Leberstiftung gibt an, dass bereits jeder vierte Bundesbürger über 40 und jedes dritte übergewichtige Kind an einer Fettleber leidet, Tendenz steigend. Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie – Lockdown, Kontakte beschränken, Homeoffice – dürften den Anstieg beschleunigen.

 

Die Krankheit kann über Jahre völlig unbemerkt und ohne Beschwerden verlaufen. Die Leber lagert Fett ein und schwillt an, in schweren Fällen bis auf die doppelte Größe. Die Belastung zeigt sich allenfalls in Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. „Wer eine Fettleber hat, für den steigt das Risiko von Leberentzündungen, Vernarbungen, Zirrhose und Leberkrebs. Bluthochdruck, Herz- und Gefäßkrankheiten gehen ebenfalls häufig mit der Leberverfettung einher. Eine verfettete Leber beschleunigt zudem die Entwicklung von Typ-2-Diabetes.“, warnt der Mediziner.

 

Was die Behandlung einer Fettleber betrifft, gibt es keine gesicherte medikamentöse Behandlung. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Einlagerung von Fett, meist von Triglyceriden in die Leberzelle, in der Regel reversibel ist – sie kann also rückgängig gemacht werden. AOK-Arzt Dr. Zipp rät vor allem Übergewichtigen und Diabetes-Patienten, ihre Leber-Blutwerte testen zu lassen. Ergänzend kann der Hausarzt einen Ultraschall machen. „Häufig genügen schon eine ausgewogene, gesunde Ernährungsweise, der Verzicht auf Alkohol und körperliche Bewegung, damit sich die Fetteinlagerungen zurückbilden.“

 

Hinweis an die Redaktion:

 

Es konnten nur AOK-Versicherte ermittelt werden, die sich im Zeitraum 2015 bis 2019 tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Aufgrund des hohen Marktanteils der Krankenkasse in der Region gelten die Zahlen als repräsentativ.

 

Eveline Blank

KC Balingen, Pressesprecherin

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