Zivilisationskrankheit Fettleber: Häufigste Lebererkrankung in Deutschland

Über 20 Millionen Deutsche haben eine Fettleber, Tendenz steigend. Im Landkreis Reutlingen ist der Anstieg der Behandlungen geringfügig.

Datum: 30.04.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Reutlingen

Die Zahl der Fettleber-Behandlungen steigt im Landkreis Reutlingen seit 2015 um jährlich 0,1 Prozent. Damit liegt der Kreis weit unter dem landesweiten Anstieg von durchschnittlich 2,0 Prozent. Laut aktueller AOK-Statistik waren im Jahr 2019 3.303 Versicherte in der Region wegen einer nichtalkoholischen Fettleber in ärztlicher Behandlung,1.795 Männer und 1.508 Frauen. In ganz Baden-Württemberg zählte die Kasse insgesamt 113.810 Diagnosen. Männer sind demnach etwas häufiger betroffen, allerdings holen die Frauen in den letzten Jahren auf. Deren Behandlungszahlen kletterten um jährlich 0,5 Prozent nach oben, wohingegen die Zahl der wegen Fettleber behandelten Männer im Landkreis jedes Jahr um 0,3 Prozent gesunken ist.

 

Die Leberverfettung zählt zu den Zivilisationskrankheiten, deren Ursachen zu einem großen Teil in der modernen Lebensweise liegen: falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. „Deshalb, aber auch aufgrund des demografischen Wandels und der zunehmenden Komplexität von medikamentösen Therapien ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen“, befürchtet AOK-Arzt Dr. Hans-Peter Zipp. Die Deutsche Leberstiftung gibt an, dass bereits jeder vierte Bundesbürger über 40 und jedes dritte übergewichtige Kind an einer Fettleber leidet, Tendenz steigend. Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie – Lockdown, Kontakte beschränken, Homeoffice – dürften den Anstieg beschleunigen.

 

Die Krankheit kann über Jahre völlig unbemerkt und ohne Beschwerden verlaufen. Die Leber lagert Fett ein und schwillt an – in schweren Fällen bis auf die doppelte Größe. Die Belastung zeigt sich allenfalls in Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. „Wer eine Fettleber hat, für den steigt das Risiko von Leberentzündungen, Vernarbungen, Zirrhose und Leberkrebs. Bluthochdruck, Herz- und Gefäßkrankheiten gehen ebenfalls häufig mit der Leberverfettung einher. Eine verfettete Leber beschleunigt zudem die Entwicklung von Typ-2-Diabetes.“, warnt der Mediziner.

 

Was die Behandlung einer Fettleber betrifft, gibt es keine gesicherte medikamentöse Behandlung. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Einlagerung von Fett, meist von Triglyceriden in die Leberzelle, in der Regel reversibel ist – sie kann also rückgängig gemacht werden. AOK-Arzt Dr. Zipp rät vor allem Übergewichtigen und Diabetes-Patienten, ihre Leber-Blutwerte testen zu lassen. Ergänzend kann der Hausarzt einen Ultraschall machen. „Häufig genügen schon eine ausgewogene, gesunde Ernährungsweise, der Verzicht auf Alkohol und körperliche Bewegung, damit sich die Fetteinlagerungen zurückbilden.“

 

Hinweis an die Redaktion:

 

Es konnten nur AOK-Versicherte ermittelt werden, die sich im Zeitraum 2015 bis 2019 tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Aufgrund des hohen Marktanteils der Krankenkasse in der Region gelten die Zahlen als repräsentativ.

 

Eveline Blank

KC Balingen, Pressesprecherin

E-Mail: Eveline.Blank@bw.aok.de
Telefon: 07433 262-1100
Telefax: 07433 262-91–1100
Mobil: 0162 4126693

Hindenburgstraße 25
72336 Balingen