Tinnitus – Wenn es im Ohr pfeift und rauscht

Erkrankungsrate in Bodensee-Oberschwaben leicht rückgängig

»Der Verlauf von Tinnitus ist nicht genau vorhersagbar. Wenn die Ursache bekannt und behandelbar ist, kann der Tinnitus verschwinden. Für einige Menschen bleibt dieser allerdings ein lebenslanger Begleiter.«

Roland Beierl, Geschäftsführer AOK - Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben

Datum: 27.10.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Friedrichshafen

Er wird von Betroffenen als Pfeifen, Zischen, Rauschen oder Summen im Ohr beschrieben: Tinnitus. Der Leidensdruck wird dabei unterschiedlich empfunden. Manche stört er überhaupt nicht oder kaum, während er anderen erheblichen Stress und deutlich eingeschränkte Lebensqualität bereitet. Das Symptom des Hörorgans ist allerdings selten Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung. Oft bleibt die Ursache unerkannt.

 

Beim objektiven Tinnitus, bei welchem Schallquellen messbar sind, gelten zum Beispiel Strömungsgeräusche des Blutes, unwillkürliche Muskelzuckungen im Mittelohr, eine offene Ohrtrompete, Herzklappenerkrankungen oder ein gutartiger Tumor im Bereich der Kopfschlagader als Ursache. Der subjektive Tinnitus ist nur vom Betroffenen hörbar und kommt durch eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Hörsystem zustande. Auch wenn die genaue Entstehung noch nicht abschließend geklärt ist, sind mögliche Ursachen zum Beispiel Schwerhörigkeit, Lärm und Knalltraumata, Hörsturz, Ohrschmalz oder Fremdkörper im Ohr. Des Weiteren können auch Erkrankungen des Herzkreislauf- bzw. zentralen Nervensystems, Funktionsstörungen von Zähnen und Kiefer, Medikamente sowie emotionale Belastung, Stress, Angst und Traumata Auslöser für subjektiven Tinnitus sein. „Der Verlauf von Tinnitus ist nicht genau vorhersagbar. Wenn die Ursache bekannt und behandelbar ist, kann der Tinnitus verschwinden. Für einige Menschen bleibt dieser allerdings ein lebenslanger Begleiter“, sagt Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK – Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben.

 

Im Bodenseekreis waren 2020 1.273 AOK-Versicherte wegen Tinnitus in Behandlung. Vier Jahre zuvor wies die Statistik 1.348 Patienten aus. Das entspricht in den letzten vier Jahren einem durchschnittlichen Rückgang von 3,1 Prozent. In der Region Bodensee-Oberschwaben waren 2020 5.094 AOK-Versicherte betroffen, davon 2.721 Frauen und 2.373 Männer. Roland Beierl ergänzt: „Da der Leidensdruck individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen wird, ist jedoch mit einer größeren Dunkelziffer unbehandelter Fälle zu rechnen.“

 

Für alle Menschen ist der Schutz vor zu lauten Geräuschen wichtig. Einfache Mittel sind, Orte mit hohem Lärmpegel zu meiden oder Gehörschutz zu verwenden. Diese Maßnahmen verringern das Risiko, einen Tinnitus zu bekommen oder bei schon bestehendem Tinnitus einen chronischen Verlauf zu erleben. Die Therapie eines Tinnitus hängt von dessen Ursache ab, eine zugrundeliegende Erkrankung kann und sollte behandelt werden. Eine symptombezogene Arzneimitteltherapie ist allerdings nicht verfügbar. „Betroffene sind einem Tinnitus nicht hilflos ausgeliefert, sondern können Strategien entwickeln, um mit den Ohrgeräuschen besser zurechtzukommen. Dazu zählen Stille meiden, möglichst gelassen bleiben und Stress abbauen“, fasst der AOK-Geschäftsführer zusammen.

 

Thomas Müller

Pressesprecher

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