Wenn Erschöpfung den Alltag bestimmt

Immer mehr leiden unter chronischem Fatigue-Syndrom

»Das Leben der Betroffenen mit CFS wird durch die permanente, extreme Mattigkeit nachhaltig beeinträchtigt. Die Erschöpfung geht weit über das normale Maß hinaus und führt oft dazu, dass sich die Betroffenen zurückziehen und ihre beruflichen und privaten Aktivitäten zunehmend einschränken.«

Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK - Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben

Datum: 08.10.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Sigmaringen

Der Begriff Fatigue kommt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit oder Erschöpfung. Fatigue kann als Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen auftreten, aber auch als eigenständige Erkrankung das Leben stark beeinträchtigen. Die Medizin spricht dann vom chronischen Fatigue-Syndrom (CFS). Betroffene leiden an einer ausgeprägten Erschöpfung nach körperlicher oder mentaler Aktivität, welche die Alltagsaktivitäten einschränkt und über mehrere Monate anhält. Oft geht der Erkrankung eine Infektion, zum Beispiel mit dem Corona-Virus, voraus.

 

Im Landkreis Sigmaringen zählt die AOK Bodensee-Oberschwaben 154 Versicherte, die an dieser Erkrankung leiden. Erfasst wurden AOK-Versicherte, die im Jahr 2020 aufgrund eines CFS ambulant oder stationär behandelt wurden. „Vier Jahre davor wies die Statistik noch 93 Fatigue-Patienten aus“, berichtet Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK - Die Gesundheitskasse Bodensee-Oberschwaben. „Das entspricht in den letzten vier Jahren einer durchschnittlichen Zunahme von 12,5 Prozent.“ In der Region Bodensee-Oberschwaben waren es 2020 504 betroffene AOK-Versicherte im Vergleich zu 371 im Jahr 2016. Mit 378 Versicherten sind Frauen stärker betroffen als Männer (126). Erste Fälle treten bei Jugendlichen auf, mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz und erreicht zwischen 50 und 60 Jahren das Maximum.

 

„Das Leben der Betroffenen mit CFS wird durch die permanente, extreme Mattigkeit nachhaltig beeinträchtigt. Die Erschöpfung geht weit über das normale Maß hinaus und führt oft dazu, dass sich die Betroffenen zurückziehen und ihre beruflichen und privaten Aktivitäten zunehmend einschränken“, erklärt Roland Beierl. Es ist anzunehmen, dass die Zahl der Patientinnen und Patienten mit CFS weiter stark ansteigt, da die Erkrankung Teil von Long-Covid sein kann. Aktuellen Studien zufolge hat jeder Zehnte, der nur leicht an Covid-19 erkrankt war, ein halbes Jahr später noch Symptome und leidet damit an Long-Covid.

 

Bislang sind für CFS keine Medikamente zur kausalen Therapie verfügbar. Die Behandlung des chronischen Fatigue-Syndroms zielt daher insbesondere darauf ab, Symptome der Erkrankung zu lindern und Überanstrengung zu vermeiden, die zu einer Verschlechterung der Beschwerden führt, sowie Infektionen und andere Ursachen für eine Immunaktivierung zu behandeln. Der AOK-Geschäftsführer ergänzt: „Durch symptomatische Therapie, Stressreduktion und Einhalten eines individuell geeigneten Belastungsniveaus kann es bei CFS langfristig zur Besserung kommen. Patienten mit CFS sollten vorrangig ihren Lebensstil der Krankheit anpassen und Belastungsspitzen vermeiden. Dadurch kann auch die Prognose günstig beeinflusst werden.“

 

Thomas Müller

Pressesprecher

E-Mail: thomas.mueller@bw.aok.de
Telefon: 0751 371-178
Telefax: 0751 371-51178
Mobil: 0170 3334161

Charlottenstraße 49
88212 Ravensburg