ADHS-Diagnosen - Sigmaringen

Zahl der Betroffenen steigt

Datum: 16.09.2019 / Kategorie: Kindergesundheit

Sigmaringen

Kann ein Kind nicht ruhig sitzen, kann es sich nicht konzentrieren oder hat es Schwierigkeiten in der Schule, kann das viele Ursachen haben. Es könnte auch hyperaktiv sein. Dieses Zappelphilipp-Syndrom bezeichnet die Medizin als ADHS – als Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Nach einer Auswertung der AOK Bodensee-Oberschwaben waren 2017 im Landkreis Sigmaringen 424 ihrer Versicherten wegen ADHS in ambulanter oder stationärer Behandlung. Männer und Jungen sind mehr als drei Mal so oft betroffen wie Frauen und Mädchen. „Die Zahl der Betroffenen in Baden-Württemberg steigt“, erklärt Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben. „Im Ländle waren 2013 rund 25.500 Versicherte in medizinischer Behandlung, vier Jahre später waren es deutlich über 32.000.“

 

Die Krankheitshäufigkeit ist bei den 10- bis 14-Jährigen am höchsten. „ADHS kommt relativ häufig vor“, so Roland Beierl. „In Deutschland erhalten etwa fünf von 100 Kindern die Diagnose ADHS.“ „Auch wenn Außenstehende das manchmal anders beurteilen - ADHS ist nicht die Folge von erzieherischem Versagen“, erklärt Roland Beierl. „Vielmehr ist es in erster Linie eine genetisch bedingte Funktionsstörung des Gehirns.“ Unaufmerksamkeit, Impulsivität und übermäßige Aktivität sind bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Bei ADHS nehmen sie allerdings ein Ausmaß an, das sich deutlich vom Verhalten Gleichaltriger unterscheidet. „Eine ausgeprägte ADHS kann das Leben und den Alltag des Kindes, aber auch seiner Eltern und Geschwister massiv beeinträchtigen“, weiß Roland Beierl. „Die Kinder verhalten sich anders, als von ihnen erwartet wird. Deshalb ecken sie oft an, verhalten sich trotzig und geraten mit Gleichaltrigen in Konflikt“, erklärt der AOK-Geschäftsführer Auffälligkeiten. „Auch Probleme in der Schule, zum Beispiel in der Lese- und Rechtschreibfähigkeit oder Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung können die Folge sein.“ Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt und eine körperliche Untersuchung seien wichtig, um andere Ursachen für das auffällige Verhalten auszuschließen. Wie stark eine ADHS ausgeprägt ist und welche Verhaltensweisen besonders auffallen, kann sehr unterschiedlich sein. Während manche Kinder besonders impulsiv und hyperaktiv sind, überwiegt bei anderen Kindern eher die Unaufmerksamkeit. „Sie werden als Tagträumer wahrgenommen“, beschreibt Roland Beierl. Welche Hilfen geeignet sind, hängt davon ab, wie alt das Kind ist, ob es eher unaufmerksam oder hyperaktiv ist und welche Lebensbereiche besonders beeinträchtigt sind. Der AOK-Geschäftsführer erklärt: „Bei einer leichten ADHS kann möglicherweise eine aufklärende Elternschulung ausreichen, bei ausgeprägteren Formen könnte eine medikamentöse Therapie die Symptome lindern.“

 

Eltern von Kindern mit ADHS finden auch online Unterstützung. Der ADHS-Elterntrainer basiert auf einem Therapieprogramm, das sich seit vielen Jahren in der Praxis bewährt. Seine Wirksamkeit wurde in vielen wissenschaftlichen Arbeiten untersucht.

 

Weitere Informationen unter www.adhs.aok.de

 

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