Ess-Störungen nehmen an Hochrhein und Bodensee zu -

Betroffene erkennen ihre Krankheit oft erst sehr spät oder scheuen aus Scham die Beratung. Hilfe finden Sie in den AOK-Gesundheitszentren.

Datum: 23.01.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Konstanz / Waldshut-Tiengen / Lörrach

629 Menschen waren 2017 in den Landkreisen Konstanz, Waldshut und Lörrach wegen Ess-Störungen in ärztlicher Behandlung – eine deutliche Steigerung im Vergleich zu 2013. Fünf Jahre zuvor waren es noch 499 Betroffene. Das hat die AOK aus der Statistik ihrer Versicherten ermittelt. „Dabei haben wir nur Versicherte ermittelt, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher“, meint Sandra-Kirstin Bekers, Ernährungsberaterin im AOK-Gesundheitszentrum Walds­hut-Tiengen.

 

Seit 2013 haben Ess-Störungen im Land jährlich um durchschnittlich 9,4 Prozent zugenommen. Hinsichtlich der Altersverteilung konzentriert sich die Ess-Störung auf eine Altersspanne von 15 bis 39 Jahren, während die „Magersucht“ zum Beispiel vor allem in den Altersgruppen 15 bis 24 Jahren auftritt und dann über die verbleibenden Altersgruppen kontinuierlich sinkt.

 

Ess-Störungen gibt es viele: Von Magersucht, auch Anorexia nervosa genannt, der Ess-Brechsucht, also die Bulimia nervosa und die Ess-Sucht, das sogenannte Binge-Eating. Auch Mischformen tauchen immer öfter auf. Bei allen Formen von Ess-Störungen handelt es sich um Verhaltensstörungen rund um das Essen mit oft schweren Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit. „Die Gefahren einer Magersucht werden von den Betroffenen selbst oft nicht wahrgenommen. Sie verstehen nicht, dass ihr Verhalten krankhaft ist. In vielen Fällen suchen sie sich daher erst spät professionelle Hilfe“, sagt Ernährungsexpertin Bekers. „Werden Ess-Störungen aber frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Aussichten auf eine vollständige Genesung besonders gut. Bei jungen Patientinnen sollten allerdings auch die Eltern in die Behandlung einbezogen werden.“

 

Der AOK-Facharztvertrag Neurologie, Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie fördert eine interdisziplinäre Versorgung durch Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten, bei der die individuelle Lebenssituation des Patienten berücksichtigt wird. Wesentlicher Aspekt ist hierbei die psychosoziale Hilfestellung durch die enge Vernetzung sozialer Einrichtungen, Reha-Angeboten und psychotherapeutisch-ärztlicher Versorgung bei Ess-Störungen. „Ess-Störungen führen oft zu sozialer Isolation“, weiß Sandra-Kirstin Bekers aus ihrer beruflichen Praxis. „Betroffene schämen sich oft und scheuen die Beratung.“ Die AOK-Ernährungsfachkräfte seien behilflich bei einer dauerhaften Ernährungsumstellung oder vermitteln Gesundheitskurse zum Thema gesunde Ernährung.

 

Cordelia Steffek

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