Rems-Murr-Kreis: Schlafstörungen nehmen zu

Psychische Belastungen und zu viel abendliche TV- und Computer-Nutzung sind mögliche Ursachen

Datum: 02.02.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Waiblingen

Schlafstörungen sind weit verbreitet. In Deutschland leiden Untersuchungen zufolge durchschnittlich 15 Prozent der Erwachsenen an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung. Im Rems-Murr-Kreis befanden sich im Jahr 2019 über 5.880 AOK-Versicherte aufgrund einer Schlafstörung in ambulanter oder stationärer Behandlung. Die Zahl der Betroffenen nimmt in den letzten Jahren zu: Ihr Anteil stieg im Kreis zwischen 2015 und 2019 im Durchschnitt um 4,3 Prozent pro Jahr.

 

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK Baden-Württemberg aus dem Jahr 2017 haben vier Prozent der Befragten im Ländle sehr häufig Schwierigkeiten, abends einzuschlafen: Bei zehn Prozent ist das häufig der Fall und weiteren 38 Prozent fällt es zumindest ab und zu schwer. Frauen haben häufiger Einschlafschwierigkeiten als Männer und Nicht-Erwerbstätige eher als Erwerbstätige.

 

Schlafstörungen bedeuten, keinen erholsamen Schlaf zu finden und sich deshalb tagsüber müde und abgeschlagen zu fühlen. „Für gesunde Menschen ist es in keinem Alter normal, regelmäßig Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen zu haben“, sagt Dr. med. MBA Hans-Peter Zipp, Kinder- und Jugendarzt bei der AOK Baden-Württemberg. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme, Essstörungen, Zähneknirschen, Bewegungsstörungen der Gliedmaßen, Atmungsstörungen oder Schlafwandeln – all das können Symptome eines gestörten Schlafes sein. Vor allem chronische Schlafstörungen schränken die Tagesbefindlichkeit und Leistungsfähigkeit der Betroffenen stark ein und können die soziale Kompetenz beeinträchtigen und zu Unfällen führen. Die möglichen Ursachen sind vielfältig: Dazu zählen Stress, Lärm und Sorgen oder ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, aber auch hormonelle Veränderungen, organische und psychische Erkrankungen, Medikamente, Alkohol oder Drogen.

 

„Hintergründe für den Anstieg von Schlafstörungen sind zum Beispiel Termin- und Leistungsdruck, Schichtarbeit oder psychische Belastungen im Arbeitsumfeld, aber auch zu viel abendliche TV- und Computer-Nutzung sowie die Gewohnheit, auf mehreren Kanälen erreichbar zu sein“, erläutert Dr. Zipp. Wenn die Schlafstörungen anhaltend sind, massiv belasten oder bei Müdigkeit und Unkonzentriertheit tagsüber sollte ein Arzt aufgesucht werden. „Im Rahmen der ärztlichen Beratung können die Gründe für Schlafstörungen herausgefunden, medizinische Ursachen ausgeschlossen und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Bei erheblichen Schlafstörungen und Schlafmangel kann eine Untersuchung in einem Schlaflabor angebracht sein“, so Dr. Zipp.  

 

Was gegen Schlafstörungen hilft, ist bisher nur in wenigen aussagekräftigen Studien untersucht. Mit am häufigsten eingesetzt werden Hausmittel, zum Beispiel ein heißes Bad am Abend, pflanzliche Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Baldrian, körperliche Bewegung oder auch Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung und autogenes Training. Oft mit Entspannungstechniken kombiniert wird die kognitive Verhaltenstherapie mit dem Ziel, Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, die vom Schlaf abhalten können.

 

Wichtig und oft angewendet sind auch Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafhygiene. Dazu zählt zum Beispiel die Vermeidung von schweren Mahlzeiten vor dem Schlafengehen und von Alkohol oder Kaffee. Ebenso sollte man im Bett nicht fernsehen und sich erst dann hinlegen, wenn man müde ist. Schlafmittel sind meist nicht zu empfehlen und kommen nur bei schweren Schlafstörungen vorübergehend infrage. „Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen nur für eine begrenzte Zeit eingesetzt werden, da diese zahlreiche Nebenwirkungen haben und schnell abhängig machen. Viele Menschen sind am Tag nach der Einnahme noch schläfrig und unkonzentriert und in ihrer Reaktionsfähigkeit herabgesetzt. Bei älteren Menschen können Schlafmittel das Sturzrisiko erhöhen“, warnt Dr. Zipp.

 

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