Bis zur totalen Erschöpfung - Fatigue-Syndrom beeinträchtigt den Alltag massiv

Fatigue ist nicht einfach zu erklären, ist seit vielen Jahren bekannt und trotzdem nur wenig erforscht. Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit oder Erschöpfung. Fatigue kann als Begleiterscheinung chronischer Erkrankungen auftreten, kann aber auch als eigenständige Erkrankung das Leben stark beeinträchtigen. Die Medizin spricht dann vom chronischen Fatigue-Syndrom (CFS). Für Betroffene kann dies ein langer Leidensweg bedeuten: Schon kleinste Belastungen reichen aus, um sie tage- oder wochenlang körperlich auszuschalten. Oft geht dieser Störung eine Infektion voraus.

»Beim Fatigue-Syndrom kann schon Zähneputzen zur totalen Erschöpfung führen«

Tobias Rauber, Leiter des AOK-KundenCenters in Offenburg

Datum: 16.09.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Im Ortenaukreis zählt die AOK 561 Versicherte, die an dieser Erkrankung leiden, mit 337 Versicherten sind Frauen stärker beteiligt als Männer (224). Erfasst wurden AOK-Versicherte, die im Jahr 2020 deshalb ambulant oder stationär behandelt wurden. „Vier Jahre davor wies die Statistik noch 485-Fatigue-Patienten aus“ berichtet Tobias Rauber, Leiter des AOK-Kundencenters in Offenburg. „Im Ortenaukreis entspricht dies in den letzten vier Jahren einer durchschnittlichen Zunahme von 2,2 Prozent“. Auch in Baden-Württemberg steigen die Zahlen ähnlich. 2016 waren es knapp 8.000 Versicherte, vier Jahre später bereits deutlich über 11.000. Erste Fälle treten bei Jugendlichen auf, mit zunehmendem Alter steigt die Prävalenz und erreicht zwischen 50 und 60 Jahren das Maximum.

 

Als Folge von Covid 19 ist das Erschöpfungssyndrom Teil von Long-Covid. Studien zufolge hat jeder Zehnte Corona-Patient ein halbes Jahr später noch immer Symptome – und ist damit an Long-Covid erkrankt. Ärzte schätzen die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf 400.000. Davon – so skizzieren die Mediziner – leiden rund ein Drittel an CFS.

 

„Die genaue Ursache des CFS konnte bislang nicht geklärt werden“, berichtet AOK-Mediziner Hans-Peter Zipp. „Die Kernsymptomatik ist eine ausgeprägte Müdigkeit bzw. Erschöpfung nach körperlicher oder mentaler Aktivität. Das schränkt die Alltagsaktivitäten stark ein und kann über Monate anhalten. Die Erschöpfung geht weit über das normale Maß hinaus und führt oft zu beruflichen und privaten Einschränkungen und dazu, dass Betroffene sich zurückziehen“.

 

Selbst kleinste körperliche Aktivitäten wie Zähne putzen, Kochen, Telefonieren werden als kaum durchführbar empfunden und von einer unverhältnismäßigen Erschöpfung begleitet.

 

Durch symptomatische Therapie, Stressreduktion und Einhalten eines geeigneten Belastungsniveaus kann es bei CFS langfristig zur Besserung kommen. „Der Verlauf kann allerdings langanhaltend sein“, erklärt Zipp. Geeignete Medikamente stünden noch nicht zur Verfügung.

 

Frank Kölble

Pressesprecher

E-Mail: frank.koelble@bw.aok.de
Telefon: 0761 2103-228
Telefax: 0761 2103-316
Mobil: 0173 2674515

Fahnenbergplatz 6
79098 Freiburg