Gabi Rolland und AOK im Gespräch - AOK weist auf Baustellen hin

Dass das deutsche Gesundheitssystem weiterentwickelt werden muss, steht für die AOK außer Frage. Das machte Wolfgang Schweizer, Geschäftsführer der AOK Südlicher Oberrhein beim Besuch der Freiburger Landtagsabgeordneten Gabi Rolland im neuen Gesundheitszentrum der AOK in Freiburg deutlich. “Wir haben zwar eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, in das auch sehr viel Geld fließt, aber im Vergleich zu anderen Ländern sind wir in Sachen Gesundheit nur Mittelmaß“, so Schweizer.

Gabi Rolland, MdL

Datum: 08.09.2021 / Kategorie: Gesundheitspolitik

Freiburg

Viel Geld fließt in die stationäre Versorgung. „Wenn sie die Menschen fragen, ob ihnen das Krankenhaus vor Ort wichtig ist, dann beantworten das viele mit Ja“, berichtet Gabi Rolland. „Aber wenn ich sie dann frage nach welchen Kriterien sie sich denn das Krankenhaus für eine eigene Operation oder Behandlung aussuchen, dann wird als wichtigstes Kriterium die Qualität genannt. Und Qualität kann es nur da geben, wo Erfahrung und Routine vorhanden sind. Deshalb werden kleine Häuser nicht zukunftsfähig sein“.

 

Auch die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum sieht die AOK vor großen Herausforderungen. „Mit der Hausarztzentrierten Versorgung und dem Hausarztmodell helfen wir mit, diese Herausforderung zu stemmen“, beschreibt Wolfgang Schweizer das Engagement der AOK. Rund 1,9 Millionen Versicherte in Baden-Württemberg haben sich eingeschrieben, über 5.000 Hausärzte und 2.500 Fachärzte ebenfalls. „Die Vergütung ist in diesem Modell deutlich höher als in der Regelversorgung – was die Attraktivität des Landarztberufes steigert und sich die Chancen auf eine Nachbesetzung oder Praxisübernahme deutlich verbessern“, ist sich Schweizer sicher. „Schließlich ist etwa jeder vierte niedergelassene Hausarzt über 60 Jahre alt und der Ruhestand rückt näher“.

 

Sorgen bereitet Schweizer auch die Finanzentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung. 2022 beträgt das Defizit 16 Milliarden Euro. „Das ist vor allem der kostentreibenden Gesetzgebung aus dem Hause des Bundesgesundheitsministers Spahn geschuldet. Diese entfalten gerade erst ihre großen finanziellen Auswirkungen“. Auch am Risikostrukturausgleich übt der Kassenchef scharfe Kritik. „Die Regionalkomponente zieht viel Geld aus Regionen mit qualitativ hochwertiger und effizienter Versorgung. Profitieren werden Metropolen und Regionen mit ineffizienten Versorgungsstrukturen“. Allein Baden-Württemberg bekommt in diesem Jahr 450 Millionen Euro weniger als zuvor.

 

Ein rasch wachsender Markt macht Schweizer bei dem großen Angebot an Gesundheits-Apps aus. Diese können, je nach App und persönlicher Situation, von Kassen übernommen werden. „Es ist aber nicht nachvollziehbar, dass die Kassen teilweise das Fünffache dessen bezahlen sollen, was die Apps vorher auf dem freien Markt gekostet haben. Diese Selbstbedienungsmentalität zulasten der Beitragszahler muss beendet werden“. Derzeit sind 19 solcher Apps zugelassen, weitere 24 befinden sich im Zulassungsverfahren.

 

Dass Gesundheit nicht erst dann zum Thema werden darf, wenn man krank ist, davon ist Rolland überzeugt. „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen noch bessere Angebote zur Gesunderhaltung bekommen und diese auch nutzen“. Schweizer berichtete von vielen Angeboten, die die AOK ihren Versicherten aber auch den Unternehmen macht. „Das kann nur funktionieren, wenn wir nahe dran sind an den Menschen und an den Firmen“. Er fordert von den Vertreterinnen und Vertretern der Landespolitik ein klares Bekenntnis für Regionalität und Gestaltungsspielraum für innovative Versorgungskonzepte. Am Ende besichtigte Rolland noch das neue Gesundheitszentrum und das Rückenstudio, in dem AOK-Versicherte mit Rückenproblemen trainieren können.

 

Frank Kölble

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