Ortenau: 1452 AOK-Versicherte wegen illegaler Drogen in medizinischer Behandlung

Die Anzahl der Versicherten, die wegen Betäubungsmittelmissbrauch in ambulanter oder stationärer Behandlung waren, war zwar im vergangenen Jahr leicht rückläufig – die Zahlen geben trotzdem Grund zur Sorge. Darauf weist die AOK Südlicher Oberrhein in einer Pressemitteilung hin.

Datum: 10.12.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Ortenau. Die Anzahl der Versicherten, die wegen ihrer Sucht in ärztlicher Behandlung waren,

 

stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich. 2016 wies die Statistik 1.304 Versicherte aus, 2019 waren es 1.476. Mit einem leichten Rückgang in 2020 bestätigt die Ortenau einen landesweit beobachteten Trend in Baden-Württemberg. „In der Altersgruppe 15 bis 19 Jahren steigt der Drogenkonsum fast wie von „Null auf hundert“ plötzlich sehr stark an“, erklärt Norbert Limberger, Leiter des AOK-Kundencenter-Netzwerks in der südlichen Ortenau. „In der Altersgruppe 35 bis 44 Jahre beobachten wir dann den höchsten Ausschlag“. „Der Anteil der Männer mit Suchtproblemen ist mit 998 Versicherten doppelt so hoch wie der Anteil der Frauen mit 454 Versicherten“, so Limberger. Mit Eintritt des Rentenalters dreht sich das Verhältnis und Frauen werden statistisch deutlich auffälliger. Da die Auswertung nur Versicherte berücksichtigt, die sich in ärztlicher Behandlung befanden, schließt die AOK eine höhere Dunkelziffer nicht aus.

 

„Der Oberbegriff „Illegale Drogen“ beinhaltet verschiedene Klassen psychogener Substanzen, deren Besitz, Erwerb, Handel und Herstellung nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten sind“, erläutert AOK-Mediziner Hans-Peter-Zipp. Die Substanzen können sowohl aus pflanzlichen als auch aus chemischen Grundstoffen bestehen. Die Suchtmittel beeinflussen das zentrale Nervensystem und somit auch Denken und Gefühle. Drogenabhängigkeit ist eine Erkrankung, bei der Betroffene von einem bestimmten Genuss- oder Rauschmittel abhängig sind und die Kontrolle über den Konsum verlieren. „Ob und wie sich eine Drogensucht entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine genetische Veranlagung kann dabei ebenso eine Rolle spielen wie das soziale Umfeld, Persönlichkeitsmerkmale, belastende Situationen oder Traumata“, erklärt Zipp. „Wer besonders belastet ist und wenig gesunde Strategien hat, mit Problemen und Stress umzugehen, ist also stärker suchtgefährdet“. Grundsätzlich besteht zwar für jeden das Risiko, in eine Drogenabhängigkeit zu geraten, aber jeder dritte Jugendliche aus suchtbelasteten Familien gerät selbst in eine Abhängigkeit.

 

Laut Umfragen und Studien sind Gründe für den Drogenkonsum von Jugendlichen neue Erfahrungen sammeln, positive Schilderungen von Freunden, Gruppenzwang, Nachahmung von Älteren, Angst vor dem Alleinsein oder Flucht vor Alltagsproblemen. Auch Unsicherheit und fehlende Konfliktfähigkeit, eine evtl. schwierige Lebensphase (Pubertät), Schulprobleme und eine passive Freizeitgestaltung werden dabei oft genannt.

 

Missbrauch oder schädlicher Gebrauch stellen nicht erst bei größeren Mengen eine ernstzunehmende Gesundheitsgefährdung dar. „Schon kleine Mengen können bisweilen ausreichend für Negativfolgen wie depressive Verstimmungen oder Angst- und Panikattacken sein. Je selbstverständlicher der Konsum im Alltag wird, desto wahrscheinlicher sind negative gesundheitliche und soziale Folgen“.

 

Drogenkonsumenten neigen zu Kontrollverlust und dazu, Schule, Beruf, Alltags- und Sozialleben zunehmend zu vernachlässigen. „Folgen von Suchtmittelkonsum können unter anderem Angst- und Panikattacken, Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen sowie Halluzinationen und Suizidgedanken sein.

 

„Drogen können positive Empfindungen auslösen, weshalb sich ein starkes Verlangen danach entwickeln kann“, berichtet Selina Büsching vom Sozialen Dienst der AOK in Lahr. Sie und ihre Kolleginnen unterstützen im Ortenaukreis Menschen mit Suchterkrankungen. „Es gibt auch Faktoren, die das Risiko für eine Suchterkrankung senken“, so Büsching. Dazu zählten unter anderem ein gesundes Selbstwertgefühl, das von Eltern und anderen Bezugspersonen gestärkt werden kann. „Eltern die verantwortungsbewusst mit Alkohol, Nikotin und Medikamenten umgehen sind ein gutes Vorbild und bestärken Kinder in ihrer Kompetenz, Probleme zu bewältigen Konflikte zu lösen und auch dem Druck der Gruppe Stand zu halten“.

 

Frank Kölble

Pressesprecher

E-Mail: frank.koelble@bw.aok.de
Telefon: 0761 2103-228
Telefax: 0761 2103-316
Mobil: 0173 2674515

Fahnenbergplatz 6
79098 Freiburg