Ortenau: 1683 AOK-Versicherte wegen illegaler Drogen in medizinischer Behandlung

Die Anzahl der Versicherten, die wegen Betäubungsmittelmissbrauch in ambulanter oder stationärer Behandlung waren, steigt stetig – und deutlich. Das zeigt eine Auswertung der AOK Südlicher Oberrhein. Männer deutlich stärker betroffen als Frauen.

Datum: 17.06.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Die Anzahl der Versicherten, die wegen ihrer Sucht in ärztlicher Behandlung waren, hat in der Ortenau 2018 mit 1683 Versicherten zwar den höchsten Stand der letzten fünf Jahre erreicht, die Steigerungsrate liegt aber deutlich unter dem Landesschnitt. Seit 2014 hat sich der Betroffenen-Anteil im Land um jährlich durchschnittlich 1,4 Prozent erhöht, im gleichen Zeitraum lag der Wert im Landkreis bei 0,8 Prozent. „Der Anteil der Männer mit Suchtproblemen ist mit 1153 Versicherten mehr als doppelt so hoch wie der Anteil der Frauen mit 530 Versicherten“, erklärt Tobias Rauber, Leiter des AOK-Kundencenters in Offenburg. „In der Altersgruppe 15 bis 19 Jahren steigt der Drogenkonsum fast wie von „Null auf hundert“ plötzlich sehr stark an“, erläutert Rauber. „In der Altersgruppe 35 bis 30 Jahren beobachten wir dann den höchsten Ausschlag“. Da die Auswertung nur Versicherte berücksichtigt, die sich in ärztlicher Behandlung befanden, schließt die AOK eine höhere Dunkelziffer nicht aus.

 

Über 15 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren und etwa 477.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren sollen Schätzungen zufolge mindestens einmal in ihrem leben eine illegale Droge konsumiert haben. Dabei nimmt Cannabis in allen Altersgruppen die prominenteste Rolle ein. Illegale Drogen führten zum einen mitunter sehr schnell in eine psychische oder körperliche Abhängigkeit, zum anderen unterlägen die illegal erworbenen Stoffe keiner Kontrolle. Jede Dosis könne durch Verunreinigungen oder Überdosierung unkalkulierbare Risiken für die Gesundheit bedeuten.

 

„Drogen können positive Empfindungen auslösen, weshalb sich ein starkes Verlangen danach entwickeln kann“, berichtet Sarah Seddik. Die 27-jährige ist Teamleiterin des Sozialen Dienstes der AOK in Lahr. Ihr Team unterstützt unter anderem im Ortenaukreis Menschen mit Suchterkrankungen. „Manche Drogen putschen auf, andere beruhigen und entspannen, wieder andere können Halluzinationen auslösen“. Genetische Veranlagungen spielen bei der Risikoerforschung ebenso eine Rolle wie psychologische und soziale Faktoren. „Hinzu kommen oft auch Stress, ein schwaches Selbstbewusstsein, Angststörungen oder Depressionen“, so Seddik. Der Grundstein für eine spätere Suchterkrankung könne bereits in der Kindheit gelegt werden. Beziehungskrisen in Familien und auch Erziehungsstile, die kaum Grenzen setzen oder auch zu streng erzogen wird, können dazu beitragen. „Die gute Nachricht: „Es gibt auch Faktoren, die das Risiko für eine Suchterkrankung senken“, so Seddik. Dazu zählten unter anderem ein gesundes Selbstwertgefühl, das von Eltern und anderen Bezugspersonen gestärkt werden kann. „Eltern die verantwortungsbewusst mit Alkohol, Nikotin und Medikamenten umgehen sind ein gutes Vorbild und bestärken Kinder in ihrer Kompetenz, Probleme zu bewältigen Konflikte zu lösen und auch dem Druck der Gruppe Stand zu halten“.

 

 

 

Kontakt zur Pressestelle

Frank Kölble

Pressesprecher

E-Mail: frank.koelble@bw.aok.de
Telefon: 0761 2103-228
Telefax: 0761 2103-316
Mobil: 0173 2674515

Fahnenbergplatz 6
79098 Freiburg