Ortenau: 4.300 AOK-Versicherte wegen Tennisarm / Mausarm in ärztlicher Behandlung - Hohe Dunkelziffer vermutet

Wer viel am Computer arbeitet, kennt häufig die schmerzhafte Überlastung der Sehnen im Bereich des Ellenbogens. Auch Sportler klagen über ganz ähnliche Beschwerden. „Im Ortenaukreis waren im vergangenen Jahr fast 4.300 AOK-Versicherte wegen eines Tennis- oder Mausarms in ärztlicher Behandlung“, berichtet Patrick Bothor, Sportfachkraft bei der AOK in Lahr. In Baden-Württemberg waren es knapp 114.000.

Datum: 26.11.2021 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Ein Blick auf die Fünf-Jahres-Entwicklung zeigt, dass die Zahlen bis 2019 gestiegen sind, 2020 dann allerdings rückläufig waren. In der Ortenau wurden im vergangenen Jahr 150 betroffene Versicherte weniger gezählt als 2019. Diesen Trend beobachtet die Präventionsexpertin auch am gesamten südlichen Oberrhein wie auch in Baden-Württemberg. Die meisten Betroffenen finden sich in der Altersgruppe 50 bis 60 Jahre.

 

Ausgelöst werden die Schmerzen durch wiederholte Bewegungen der Hand oder des Arms, die einseitig oder stark belasten -wie etwa die kleinen aber ständigen Bewegungen mit der Computermaus. Ähnliche Beschwerden werden auch im Sport beobachtet. Einen Tennisarm kennen viele Tennisspieler, aber auch bei Pianisten, bei Gitarristen und bei Streichern oder in vielen Handwerksberufen ist die schmerzhafte Überlastung gefürchtet. „Ich vermute, dass der Rückgang der Beschwerden in direktem Zusammenhang zu den pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen steht“, erklärt Bothor.„Vom Mitte März bis Mitte Mai mussten viele Sportler, darunter auch Tennisspieler, eine Zwangspause einlegen. Und auch der Instrumentalunterricht an Musik und Volkshochschulen war deutlich eingeschränkt. Das trägt sicher zu einem Rückgang der Belastungen bei“.

 

„Beim Tennisarm treten die Beschwerden insbesondere an der Außenseite des Ellenbogens auf, wo die Sehnen ansetzen, die für die Streckung des Handgelenks benötigt werden“, erklärt AOK-Ärztin Gudula Kirtschig. Die Schmerzen können auch in den Unter- oder Oberarm ausstrahlen. Typisch seien auch Schmerzen beim Händeschütteln, beim Öffnen einer Flasche oder beim Halten einer Kaffeetasse, so die Medizinerin.

 

Die Heilung erfordert vor allem Geduld. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden nach einigen Monaten auch ohne größere Behandlung. „Die Patienten werden in der Regel beraten, wie sie belastende Bewegungen vermeiden können, um die betroffenen Sehnen zu schonen“, erklärt Kirtschig. Mit regelmäßigen Übungen können Betroffene die Heilung beschleunigen. Allerdings sollte mit den Übungen vorsichtig gestartet werden, um den Arm nicht erneut zu belasten. Kurzfristig könnten auch entzündungshemmende Schmerzmittel helfen, die Schmerzen zu lindern. Ob eine Druckbandage die Heilung beschleunigt sei bisher nicht ausreichend belegt. Auch bei Stoßwellentherapie, Lasertherapie, Elektrotherapie oder Injektionen mit Botox sei bisher kein ausreichender Nutzen nachgewiesen worden.

 

 

 

 

 

Frank Kölble

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