Ortenau: Wenn´s im Bett flau wird

Es gibt wenige Themen über die man(n) so ungern spricht wie über die erektile Dysfunktion – umgangssprachlich auch als Erektionsstörung, Potenzproblem oder Impotenz bekannt. Laut einer Auswertung der AOK Südlicher Oberrhein hatten in der Ortenau 2020 knapp 3000 Männer mit einer erektilen Dysfunktion zu tun.

Datum: 08.06.2022 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

Litten vier Jahre zuvor noch 2739 Männer unter solchen Störungen, so waren es 2018 bereits 2747 Männer, 2020 kletterte die Zahl auf 2939. In der Statistik wurden nur AOK-versicherte Männer ausgewertet, die sich auch tatsächlich in ärztlicher Behandlung begaben. „Dies ist nach wie vor ein Tabu-Thema, deshalb gehen wir von einer nicht unerheblichen Dunkelziffer aus“, erklärt Tobias Rauber, Leiter des AOK-Kundencenters in Offenburg. „Zwischen 2016 und 2020 nahm der Anteil der Betroffenen im Ortenaukreis im Durschnitt um 3,6 Prozent pro Jahr zu“.

 

Ein ähnlich anhaltender Trend ist in der ganzen Region Südlicher Oberrhein festzustellen: 2016 wies die Statistik für die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, den Ortenaukreis und die Stadt Freiburg 4.689 betroffene Männer aus, vier Jahre später waren es über 1000 Männer mehr. Und auch in Baden-Württemberg ist eine ähnliche Entwicklung erkennbar. Innerhalb von vier Jahren stieg die Zahl der Betroffenen von 58.480 um über 1000 Männer auf 68.890 an.

 

„Im Allgemeinden handelt es sich um eine Erektionsstörung, wenn der Mann nicht in der Lage ists, eine Erektion aufzubauen, die für die befriedigende sexuelle Funktion ausreichend ist und diese Störung mindestens sechs Monate bestehen bleibt“, klärt AOK-Mediziner Hans-Peter Zipp auf. Gelegentliche Potenzprobleme wären medizinisch noch nicht auffällig. Die AOK hat dazu eine Civey-Umfrage in Auftrag gegeben. Danach befassen sich 10 Prozent der befragten Männer im Alltag häufig mit diesem Thema. 15 Prozent geben an, dass sie das Thema bei ihrem Arzt nicht ansprechen würden, wenn sie selbst betroffen wären. Und weitere 16 Prozent würden auch mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner nicht offen darüber sprechen. Dass sie das Thema Erektionsstörungen im Alltag stark belastet, bestätigen knapp 60 Prozent der Männer. 25 Prozent ordnen ihre Antwort als „sehr stark belastend“ ein. Über 61 Prozent sind außerdem der Meinung, dass Erektionsstörungen die partnerschaftliche Beziehung stark belastet.

 

„Männer mit Impotenz sind keine Einzelfälle“, weiß Zipp. Laut Statistiken sind fünf Prozent der männlichen Bevölkerung davon betroffen. „Da allerdings viele Männer aus Scham nicht zum Arzt gehen dürfte die inoffizielle Zahl deutlich höher sein“ Die Wahrscheinlichkeit, unter Impotenz zu leiden, steigt mit dem Alter. Verstärkt betroffen sind Männer im höheren Alter, aber auch jüngere Männer können unter einer erektilen Dysfunktion leiden.

 

Die Ursachen können sehr vielfältig sein, meist kommen mehrere Auslöser zusammen. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass bei jüngeren Menschen psychische Gründe überwiegen, während mit zunehmendem Alter häufiger körperliche Erkrankungen zugrunde liegen. Schätzungen haben mindestens 50 Prozent der Erektionsstörungen eine rein organische Ursache, bei etwa einem Drittel ist von einer rein psychogenen Störung auszugehen und bei 20 Prozent der Patienten kommt beides zusammen.

 

„Insbesondere bei Männern über 50 Jahren kann eine erektile Dysfunktion das erste Warnzeichen einer Gefäßerkrankung sein und damit ein möglicher Vorbote von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Schon deshalb ist es wichtig, Potenzprobleme ärztlich abklären zu lassen“, empfiehlt der Mediziner. Durchblutungsstörungen zählen zu den häufigsten Ursachen, aber auch andere Erkrankungen, Medikamente, hormonelle Störungen, Stress und Krisen gelten als Auslöser. Impotenz kann außerdem verhaltensbedingte Ursachen haben, wie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und fettreiche Ernährung. Es gibt Hinweise darauf, dass ein Rauch-Stopp, regelmäßige Bewegung, weniger Alkohol, gesunder Blutdruck und altersgerecht normale Cholesterin und Blutzuckerwerte nicht nur die allgemeine Gesundheit positiv beeinflussen, sondern auch gegen Impotenz helfen können. Je früher eine Therapie einsetzt, desto besser ist es für das Sexualleben der Betroffenen. „Die Prognose ist in der Regel gut. Erektionsstörungen sind in den meisten Fällen vollständig heilbar“.

 

Erster Ansprechpartner in medizinischen Fragen ist in der Regel die hausärztliche Praxis. Sie wird gegebenenfalls an die passende Facharztpraxis überweisen. „Für Impotenz gibt es eine Reihe individueller Therapieoptionen. Welche im Einzelfall die geeignete ist, hängt von der Ursache der Erektilen Dysfunktion und der Einstellung des Betroffenen zu verschiedenen Therapieformen ab.“

 

Zipp rät von dem Versuch, die Impotenz mit Medikamenten oder zweifelhaften Aphrodisiaka aus beispielsweise Sex-Shops, selbst in den Griff zu bekommen, ab. Besondere Vorsicht sei bei evtl. illegalen Präparaten geboten, die zwar oft verschreibungspflichtig sind, im Internet aber auch teilweise ohne Rezept zu bekommen sind. Auch wenn man an echte Impotenz-Medikamente gelangt, sollte man bedenken, dass diese ernste und gefährliche Nebenwirkungen haben können. „Sie sollten nur auf ärztliche Anweisung und unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden“, rät der AOK-Mediziner.

 

Frank Kölble

Pressesprecher

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