Zecken: Ortenau ist Hochrisikogebiet

Wer sich gerne in der freien Natur aufhält, sollte anschließend genauer hinschauen. Denn die Gefahr, nach einem Zeckenbiss zu erkranken, ist in der Region hoch. Die Ortenau zählt zu den Hochrisikogebieten. Gerade nach milden Wintern sind die Zecken auch immer wieder ganzjährig aktiv.

Datum: 25.05.2020 / Kategorie: Gesundheit und Prävention

Ortenau

„Kommt es zu einer Infektion durch ein FSME-Virus, kann es zunächst zu grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber oder Kopfschmerzen kommen“, erklärt AOK-Ärztin Dr. Ariane Chaudhuri. Diese können den Beschwerden nach einer Corona-Infektion durchaus ähneln. „Meist heilt die FSME zwar wieder ohne bleibende Schäden aus, ist aber das zentrale Nervensystem oder das Rückenmark betroffen, kann es zu bleibenden Schäden kommen“.

 

Während man sich gegen FSME mit einer Impfung schützen kann, kann Borreliose nur nachträglich mit Antibiotika behandelt werden. Die AOK Südlicher Oberrhein hat sich die Zahlen angeschaut. Wie AOK-Sprecher Frank Kölble mitteilt, ist die Zahl der Borreliose-Erkrankungen in der Ortenau im 5-Jahresvergleich auf dem höchsten Stand. 2014 zählt die AOK 613 Versicherte, die sich in ärztlicher oder stationärer Behandlung befanden, 2018 waren dies 784 Erkrankte. Dies entspricht im 5-Jahresvergleich einer Veränderungsrate von + 4,8 Prozent. Am meisten betroffen sind die Altersgruppen der 50- bis 69-Jährigen.

 

Monate oder gar Jahre nach der Borrelien-Infektion kann es zu Gelenkentzündungen als späte Folge einer unbehandelten Borreliose kommen. Auch Entzündungen oder Rhythmusstörungen des Herzens oder eine Entzündung des Gehirns und Rückenmarks werden beobachtet. Meist fällt es den Erkrankten nach so einem langen Zeitraum schwer, die Beschwerden mit einem Zeckenbiss in Verbindung zu bringen.

 

Die AOK warnt davor, das Borreliose-Risiko zu unterschätzen. In Baden-Württemberg zählte die AOK 2018 über 17.000 an Borreliose erkrankte Versicherte, exakt 9.741 Frauen und 7.438 Männer. Auch im Land ist die Tendenz steigend. In der Region am südlichen Oberrhein, also dem Ortenaukreis, den Landkreisen Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und der Stadt Freiburg erfasste die AOK-Statistik 1.356 erkrankte Versicherte. Die benachbarten Landkreise sind deutlich weniger betroffen: im Landkreis Emmendingen waren es 224 AOK-Versicherte, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald 221 und in Freiburg 127.

 

Gerade Menschen, die sich viel im Wald und auf Wiesen aufhalten, wie Wanderer oder Pilzesammler, sollten sich dieses Risikos bewusst sein und sich schützen. Die Ärztin rät, bei Wanderungen und Spaziergängen in hohem Gras geschlossene Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel zu tragen – auch wenn es draußen warm ist. „Wer helle Kleidung trägt hat bessere Chancen, darauf eine Zecke zu erkennen“. Nach dem Aufenthalt im Freien sollte immer kontrolliert werden, ob sich Zecken an Kleidung oder Körper festgesetzt haben. Auch wenn man Zeckenspray verwendet. Besonders bevorzugen Zecken Stichstellen am Haaransatz, an Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeugen, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehlen. Hat sich eine Zecke festgebissen, dann sollte diese so schnell wie möglich entfernt werden. Am besten geht das mit einer Zeckenkarte. Bei einer Zeckenzange oder einer Pinzette besteht die Gefahr, dass die Zecke gequetscht wird und diese evtl. gefährliche Körperflüssigkeit in die Wunde gibt. Dann sollte die Wunde ein paar Tage beobachtet werden. „Wer eine kreisförmige Rötung der Haut um die Stichstelle feststellt, der sollte unbedingt zum Arzt gehen“, empfiehlt die Medizinerin.

 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen in Baden-Württemberg eine entsprechende Impfung. Schützende Antikörper werden nach etwa 7 bis 14 Tagen gebildet. Deshalb wird eine nachträgliche Impfung mit großer Wahrscheinlichkeit eine Infektion nicht verhindern können. Die Kosten der FSME-Impfung wird von den Krankenkassen bezahlt.

 

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Frank Kölble

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