Immer häufiger: Schwanger über 35

Spätgebärende sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Immer mehr Frauen entscheiden sich im Alter von über 35 Jahren für eine Schwangerschaft. In der AOK-Bezirksdirektion Ulm-Biberach lieg der Anteil dieser Schwangerschaften mit 24 Prozent höher als in den meisten anderen Regionen Baden-Württembergs. Nur bei den AOK-Bezirksdirektionen Stuttgart-Böblingen und Neckar-Alb liegt der Anteil der Spätgebärenden noch höher.

Datum: 15.08.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Ulm/ Biberach

 

 

Schauspielerin Brigitte Nielsen, inzwischen 55 Jahre alt, hat vor einigen Wochen ihr fünftes Kind bekommen. Damit ist sie sicherlich eine Ausnahme, aber generell werden auch die Schwangeren im Ländle von Jahr zu Jahr älter.

 

2017 wurden in Baden-Württemberg 44.961 Kinder geboren und das Durchschnittsalter der Mütter lag bei exakt 30 Jahren. Fast ein Viertel der Mütter war bereits über 35 Jahre alt, 4,3 Prozent sogar über 40. Wenig überraschend, findet PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. „In allen Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen realisieren Frauen ihren Kinderwunsch zunehmend in einem höheren Alter. In Deutschland ist das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes seit Ende der 1960er-Jahre stetig gestiegen.“

 

In der AOK-Bezirksdirektion Ulm-Biberach lag der Anteil der über 35-jährigen Schwangeren 2017 leicht über dem Landesdurchschnitt von 22,4 Prozent. Im Landkreis Ulm überschritt der Anteil der über 35-Jährigen mit über 25 Prozent den Durchschnitt deutlich. In der Stadt Ulm liegt auch der Anteil der über 40-jährigen Schwangeren mit 5,9 Prozent auffällig hoch. Nur in Freiburg und Stuttgart entschieden sich noch mehr Frauen für eine Schwangerschaft über 40. Die Statistik für 2017 zeigt auch, dass die Zahl der Schwangerschaften bei über 35-Jährigen jährlich stärker steigt als beim Durchschnitt aller Frauen.

 

Schwangerschaften ab 35 Jahren werden zwar als Risikoschwangerschaften eingestuft, aber das bedeutet kein automatisch höheres Risiko für Mutter und Kind. Die Wahrscheinlichkeit einer Risikoschwangerschaft sei zwar etwas erhöht, aber es heißt nicht, dass die Frauen eine Risikoschwangerschaft auch erwartet. Das Alter der Frau allein entscheidet in den wenigsten Fällen darüber, ob eine Schwangerschaft risikoreich verläuft oder nicht. Erst ab dem 40. Lebensjahr, so die meisten Studien, nehmen klinisch relevante Risiken zu.

 

Ältere Schwangere sind, so Dr. Knapstein, aus ärztlicher Sicht sogar oft die besseren Patientinnen. „Frauen, die sich ihren Kinderwunsch absichtlich spät erfüllen, nehmen in der Regel früh und regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teil und entscheiden sich bewusst für einen gesunden Lebensstil, sie ernähren sich also überwiegend gesund, verzichten weitgehend auf Alkohol und Nikotin, bewegen sich regelmäßig, legen genügend Ruhepausen ein und gönnen sich ausreichend Schlaf. Außerdem sind sie häufig psychisch und emotional besser auf die Schwangerschaft und die Kindererziehung vorbereitet.“

 

Der Höhepunkt der Fruchtbarkeit liegt bei Frauen um das 20. Lebensjahr. Mit steigendem Alter nimmt also die Wahrscheinlichkeit schnell und unproblematisch schwanger zu werden ab. Aber Frauen heutzutage leben gesünder als noch vor 50 Jahren, weil sie sich besser ernähren, sich ausreichend bewegen können und weil sie besser vor Infektionen geschützt sind. Außerdem haben ältere Schwangere oft schon mindestens ein Kind und sind damit auch erfahren. „Daher sind sie oft ruhiger und entspannter als jüngere“, so Dr. Knapstein. „Und sie sind meist gut informiert.“ Wie in jedem Alter sollten sich jedoch gerade Frauen über 35 Jahren bei ihrem Frauenarzt umfassend über alle altersabhängigen Risiken hinsichtlich Schwangerschaft, Geburt und Kind informieren und später dann regelmäßig alle Vorsorgetermine wahrnehmen.

 

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