Veranlagung spielt bei Schuppenflechte eine große Rolle: Behandlungszahlen im Landkreis Biberach leicht gestiegen

Psoriasis, umgangssprachlich auch Schuppenflechte genannt, ist eine erblich bedingte, nicht ansteckende, chronische Haut- und Gelenkerkrankung. Ihr Auftreten bzw. Ausbrechen kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Niemand kann sich mit Schuppenflechte anstecken, aber jeder, der die genetische Veranlagung hat, kann sie bekommen. Auf den ersten Blick ist Psoriasis eine Hautkrankheit. Tatsächlich ist sie eine Autoimmunerkrankung, die mit dem Risiko bestimmter Begleiterkrankungen verbunden ist.

Datum: 17.02.2022 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Biberach

Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leiden unter Schuppenflechte. Landesweit registrierte die AOK Baden-Württemberg im Jahr 2020 rund 70.000 Versicherte, die sich aufgrund von Schuppenflechte in ärztliche Behandlung begaben. Im Landkreis Biberach waren es 1.448 AOK-Versicherte – 207 mehr als im Jahr 2016. Die Behandlungszahlen steigen ab dem Jugendalter stetig an. 55- bis 65-Jährige sind am häufigsten betroffen, danach nehmen die Zahlen langsam wieder ab.

 

Schuppenflechte ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Sie macht sich vor allem durch rötliche, schuppende Hautveränderungen bemerkbar, die jucken können. Klassischerweise tritt sie an der Haut über Ellbogen und Knien auf, dort entstehen rote Flecken mit weißen Schuppen. Oft besteht auch eine Schuppung der Kopfhaut, Risse und Schuppen hinter den Ohren. „Grundsätzlich kann sie jedoch überall auftreten“, erklärt PD Dr. Gudula Kirtschig, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. „Bei manchen Menschen können auch die Nägel und Gelenke betroffen sein (Psoriasis Arthritis). Es gibt noch andere Formen, die mit vielen kleinen, kreisrunden roten, schuppenden Hautveränderungen am gesamten Körper (Psoriasis guttata) oder eitrigen Pusteln (Psoriasis pustulosa) einhergehen.“

 

Betroffene leiden erheblich unter Stigmatisierung und Diskriminierung. Selbstisolation und Rückzug aus Angst und Scham vor Ablehnung sind eine häufige Folge. Es können Depressionen und Angststörungen entstehen. Außerdem kommt hinzu, dass bei Psoriasis das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes erhöht ist.

 

Die Schuppenflechte beruht auf einer erblichen Veranlagung. Auch wenn diese vorhanden ist, muss die Krankheit jedoch nicht immer zum Ausbruch kommen. Es sind aber verschiedene Faktoren bekannt, die dazu beitragen können, wie beispielsweise Stress, Infekte (z. B. Streptokokken), bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker gegen Bluthochdruck), mechanische Reize auf der Haut, Rauchen und Übergewicht. „Grundsätzlich kann jeder, der die Veranlagung in sich trägt, in jedem Alter eine Schuppenflechte entwickeln“, so die Ärztin. „Oft beginnt die Psoriasis jedoch zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr oder zwischen 60 und 70 Jahren, Kinder erkranken selten. Meist bleibt die Psoriasis ein Leben lang bestehen, aber bei einem kleinen Teil der Patienten kann sie sich auch spontan zurückbilden.“

 

Da eine ursächliche Heilung nicht möglich ist, zielen Therapien immer auf eine Linderung und das Abheilen der Symptome, eine Verkürzung der akuten Krankheitsphase und eine Vermeidung neuer Schübe. Hierfür stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, die von pflegenden Salben über UV-Lichtbehandlungen bis zu starken, das Immunsystem hemmenden Medikamenten reichen.

 

Thomas Wöllhaf

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