Weniger Demenzerkrankungen in der Region Ulm-Biberach

1.117 Versicherte bei der AOK Ulm-Biberach erhielten 2016 eine neue Demenz-Diagnose. Dies stellt einen leichten Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren dar.

Datum: 20.09.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Ulm

Demenzen gehören mit zunehmendem Lebensalter zu den häufigsten Erkrankungen. Etwa zwei Drittel davon entfallen auf die Alzheimerkrankheit. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken in Deutschland jährlich etwa 200.000 Menschen neu an Demenz. Wegen der demografischen Entwicklung ist für das Jahr 2050 zu erwarten, dass über zwei Millionen Menschen ab 65 Jahren an einer Demenz leiden werden. Mit einem gesunden Lebenswandel kann man vorbeugen, wie die AOK-Bezirksdirektion Ulm-Biberach anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September verdeutlicht.

 

 Bei 1.117 Versicherten der AOK Ulm-Biberach wurde 2016 erstmals eine Demenz diagnostiziert. Im Jahr 2014 waren es noch 1.320 Versicherte gewesen. Dieser leichte Rückgang ist nicht auf die Region beschränkt. „Wir beobachten dieses Phänomen weltweit“, sagt Prof. Christine von Arnim, Chefärztin Neurogeriatrie und Neurologische Rehabilitation an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm. „Herz-Kreislauferkrankungen, also Herzinfarkte und Schlaganfälle, sind ebenfalls rückläufig. Die Risikofaktoren für Demenz und Herz-Kreislauferkrankungen sind dieselben. Deshalb wird vermutet, dass die Menschen immer stärker auf ihre Gesundheit achten. Auf den Blutdruck, auf die Ernährung, aufs Gewicht. Sie bewegen sich mehr und rauchen weniger. Diese Risikofaktoren werden früher erkannt und beseitigt und man nimmt an, dass es deshalb auch weniger Demenzneuerkrankungen gibt.“

 

Eine Demenzerkrankung liegt vor, wenn der Betroffene seit mindestens sechs Monaten unter einer Gedächtnisstörung, kombiniert mit weiteren Beeinträchtigungen von Hirnleistungen leidet. Außer dem Gedächtnis können auch Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen vermindert sein. „Meistens sagt jemand: ‚Du bist nicht so wie vorher‘. Das sollte jeden zum Arztbesuch bewegen“, sagt Prof. von Arnim. „Je früher man das macht, umso aufwendiger ist die Untersuchung. Da wird anhand standardisierter Tests festgestellt, wie der Patient in der Leistung von höheren Hirnfunktionen (Kognition) wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit etc. abschneidet im Vergleich zu Menschen desselben Alters. Eine Nervenwasseruntersuchung zeigt dann inzwischen sehr zuverlässig, ob sogenannte Demenz-Marker vorhanden sind. Ich finde, dass die Kognition von uns allen viel zu sehr vernachlässigt wird. Die geistige Leistungsfähigkeit sollte regelmäßig kontrolliert werden, wie der Blutdruck oder Cholesterin.“

 

Die Veränderungen im Gehirn beginnen oft schon Jahrzehnte vor dem Ausbruch der eigentlichen Demenzerkrankung. Je früher die Vorstufen erkannt werden, umso stärker lassen sich aufgrund von Veränderungen des Lebensstiles die Folgen der Demenz in die Zukunft verschieben. Auch Medikamente können den Verlauf der Erkrankung verlangsamen. In den aktuellen Leitlinien wird kognitive Stimulation des Patienten empfohlen, also Gedächtnis- und Hirntraining. An der Universität Ulm wurde speziell Puzzeln untersucht, welches diesbezüglich vielversprechend zu sein scheint.

 

Nach Daten der Deutschen Alzheimer Gesellschaft beträgt die Erkrankungsrate bei den 65- bis 69-Jährigen 1,6 Prozent, bei den 70-74-Jährigen 3,5 Prozent, bei den 75-79-Jährigen 7,31 Prozent, bei den 80-84-Jährigen 15,6 Prozent, bei den 85-89-Jährigen 26,11 Prozent und 40,95 Prozent bei den Menschen Ü-90. Die Zahlen verdeutlichen: Die Wahrscheinlichkeit an Demenz zu erkranken, steigt mit einem hohen Alter stark an. Bei der AOK Ulm-Biberach wurden im Jahr 2014 insgesamt 4.366 AOK-versicherte Patienten wegen Demenz behandelt, 2015 waren es 4.327 und 4.297 in 2016. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich viel höher, da viele Betroffene aus Angst den Besuch beim Arzt meiden.

 

Bei der Behandlung von Demenz ist eine sorgfältige Diagnosestellung die Voraussetzung für eine frühzeitige und wirkungsvolle Behandlung. Daher hat die AOK Baden-Württemberg zusammen mit den Arztpartnern im Facharztprogramm Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie großen Wert auf eine umfassende Diagnostik gelegt. Steht die Diagnose fest, ist es ein wichtiges Ziel, dass der Patient und seine Angehörigen gut beraten werden. Es werden Orientierungshilfen gegeben, damit sich Betroffene räumlich zurechtfinden. Zusätzlich wird aufgezeigt, wie eine geregelte Tagesgestaltung Patienten bei der Bewältigung des Alltags unterstützt und welche Therapien den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.

 

 

 

 

 

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