4 Milliarden Euro: Europas Plan gegen den Krebs

"Das Thema Krebs duldet keinen Aufschub" - Die EU hat sich viel vorgenommen

Datum: 19.07.2021 / Ressort: Versorgung

Die Europäische Kommission steckt in der Pandemie in ihren Krebsplan vier Milliarden Euro. Krebsdiagnostik für alle, Sonderprogramme für Kinder, Wissenszentrum: Brüssel hat sich viel vorgenommen. Gut so? Ein Interview mit Peter Liese, Gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion im EU-Parlament:

#AgendaGesundheit Magazin:Alle Welt starrt auf die Coronapandemie. Warum bringt die Europäische Kommission gerade jetzt „Europas Plan gegen den Krebs“ auf den Weg?
Peter Liese:
Die Frage ist leicht zu beantworten: Der Krebsplan war lange gefordert, angekündigt und vorbereitet. Die Bekämpfung von Krebs ist nach wie vor ein dringendes Thema, das keinen Aufschub zulässt. In der EU wurde im Jahr 2020 bei 2,7 Millionen Menschen Krebs diagnostiziert, und 1,3 Millionen Menschen sind dieser Krankheit erlegen. Hinter jeder Zahl steckt eine Tragödie und in einigen Bereichen, zum Beispiel bei Krebserkrankungen von Kindern, ist der Kampf ohne europäische Kooperation nicht zu gewinnen.

#AgendaGesundheit Magazin: Im Jahr 2040 sollen laut Plan weniger als fünf Prozent der Bevölkerung rauchen. Wie will die EU das schaffen?
Peter Liese: Hier ist eine Doppelstrategie notwendig aus Aufklärung und regulatorischen Maßnahmen. Rauchen ist nach wie vor die Hauptursache für eine Krebserkrankung. Wir müssen deshalb alles dafür tun, um Jugendliche davon abzuhalten, damit zu beginnen, und starken Rauchern helfen, damit aufzuhören. In schwerwiegenden Fällen können aus meiner Sicht im Rahmen einer Schadensminimierung und reguliert auch E-Zigaretten eine Hilfe darstellen.

#AgendaGesundheit Magazin: Ziel ist auch, dass 90 Prozent der dafür infrage kommenden Menschen bis 2025 Brustkrebs-, Gebärmutterhalskrebs und Darmkrebsuntersuchungen angeboten bekommen. Müsste man dafür nicht massiv Geld in einige Staaten pumpen?
Peter Liese: Je eher eine Krebsdiagnose gestellt wird, desto erfolgsversprechender ist in der Regel auch eine Therapie. Die Vorsorgeuntersuchungen und damit die steigenden Chancen einer Krebsentdeckung und erfolgreichen Behandlung spielen deshalb eine zentrale Rolle. Früherkennung durch Screening bietet die beste Chance, Krebs zu besiegen und Leben zu retten. Die finanziellen Mittel dafür kann die EU natürlich nicht ausschließlich bereitstellen. Dennoch leistet sie hier wichtige Hilfestellung, durch gemeinsame Ausschreibungen sowie Förderung und Nutzung neuer Technologien. Zum Beispiel den Einsatz künstlicher Intelligenz, um schneller und präziser Vorhersagen treffen zu können.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht im #AgendaGesundheit Magazin. Den Link zur aktuellen Ausgabe finden Sie im Anhang dieser Seite.