Alkoholmissbrauch

Auch die Versicherten der AOK Baden-Württemberg haben 2016 wieder etwas häufiger zur Flasche gegriffen. Jugendliche sind häufig betroffen, aber die reiferen Jahrgänge haben ihren Alkoholkonsum noch viel weniger im Griff.

Datum: 30.11.2017 / Ressort: Studien, Gesundheitstipps

 

Trinken, bis nichts mehr geht?

Alkoholmissbrauch bleibt leider ein Thema - auch im Südwesten, und auch unter den Versicherten der AOK Baden-Württemberg. Über die Jahre 2011 bis 2016 haben sich die Fallzahlen der Versicherten, auf die die Hauptdiagnose "Komatrinken" anwendbar war, zwar tendenziell rückläufig entwickelt, im Jahr 2016 war jedoch wieder ein leichter Fallzahlenanstieg wahrnehmbar. Von 6.564 auf 6.645 Betroffene stiegen im vergangenen Jahr die belegten Fälle an.

Die meisten Komatrinker fanden sich in der Altergruppe der 15- bis 19-Jährigen, nämlich 992 Fälle, was 14,9 Prozent der für 2016 belegten Ereignisse von Komatrinken ausmachte. "Der rauschhafte Alkoholkonsum ist in jungen Jahren besonders schädlich. In diesem Alter kann der Alkohol nur sehr langsam abgebaut werden, daher können bereits geringe Mengen zu schweren Schädigungen und Vergiftungen führen", sagt PD Dr. Sabine Knapstein von der AOK Baden-Württemberg. Die Medizinerin warnt gerade vor den Folgen, die Alkoholmissbrauch in jungen Jahren haben kann, denn bei Jugendlichen "ist die körperliche und geistige Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Auch beeinträchtigt Alkohol in erheblichem Maß die Fitness und den Muskelaufbau."

Den missbräuchlichen Griff zur Flasche machen sich aber leider nicht nur Jugendliche zur Gewohnheit. Im Jahr 2016 waren 19.535 Versicherte wegen alkoholbedingten Störungen in stationärer Behandlung. Fast die Hälfte davon (8.499 Fälle oder 44 Prozent) waren älter als 50 Jahre. Die Zahl der Personen, die ihren Alkoholkonsum nicht mehr im Griff hat, ist unter den Männern zwei bis vier Mal höher als unter den Frauen, doch unabhängig vom Geschlecht leiden vor allem die 50- bis 54-Jährigen unter alkoholbedingten Störungen.

Alle Altersgruppen haben Probleme mit dem Alkoholkonsum

"Für die meisten Erwachsenen in Deutschland gehören alkoholische Getränke zum Alltag und erst recht zu Feierlichkeiten aller Art. Den heute 60-Jährigen sind alkoholische Getränke und ihre Wirkungen vermutlich seit mehr als 40 Jahren vertraut. Das Älterwerden bringt jedoch Veränderungen mit sich, die zu einem besonders bewussten und mäßigen Umgang mit Alkohol raten lassen", fasst Sabine Knapstein zusammen. "Im Alter ändert sich die Reaktionsweise des Körpers auf Alkohol. Die Alkoholverträglichkeit nimmt im höheren Lebensalter ab. Mit steigendem Alter sinkt der Wasseranteil im Körper. Die gleiche Menge getrunkenen Alkohols verteilt sich bei älteren Menschen deshalb auf weniger Körperflüssigkeit und führt zu einem höheren Alkoholpegel.“

Alkoholmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem, das sich durch alle Altersgruppen zieht, inzwischen aber leider sehr früh "erlernt" wird. Ob das Jahr 2016 als negative Trendwende zu sehen ist, muss vorerst offen bleiben. Bislang zumindest wiesen die Zahlen der AOK Baden-Württemberg in eine andere Richtung, die optimistischer stimmen durfte. Sabine Knapstein: "Das Phänomen ´Komatrinken´ hatte in den Jahren 2010/2011 einen Höchststand erreicht, seitdem sind immer weniger Jugendliche durch Komatrinken in Krankenhäuser eingeliefert worden. Dass die Zahlen in den letzten Jahren rückläufig waren, zeigt, dass die Präventionsmaßnahmen greifen. Jugendliche trinken heute seltener Alkohol, das Einstiegsalter verschiebt sich nach hinten."