AOK Baden-Württemberg nimmt Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen stärker in den Fokus

Südwest-AOK investiert dort zusätzlich 20 Millionen Euro und setzt auf Arztentlastung und Web-Anwendungen

Datum: 20.02.2019 / Kategorie: Versorgung in Baden-Württemberg

Stuttgart

Dass mit dem Hausarztvertrag und den Facharztverträgen im Südwesten deutschlandweit einzigartige und spürbar bessere Strukturen geschaffen wurden, zeigen aktuelle Befragungsergebnisse des Meinungsforschungsinstituts forsa. Danach sind drei von vier Baden-Württemberger mit der Hausarztdichte im Land zufrieden (76 Prozent), bei der Facharztversorgung sind es immerhin 55 Prozent. „Was wir gemeinsam mit dem Hausärzteverband und MEDI Baden-Württemberg über zehn Jahre hinweg etabliert und konsequent vorangetrieben haben, ist schlichtweg eine nachhaltig bessere Versorgung. Mittlerweile nehmen 1,6 Millionen Versicherte und 7.500 Haus-, Kinder- und Fachärzte daran teil“, so Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

 

Auch wenn die Herausforderungen für die ärztliche Versorgung vor allem in ländlichen Regionen noch nicht konkret spürbar seien, erkennbar seien sie allemal. Hermann: „Ein Drittel der Hausärzte in Baden-Württemberg wird innerhalb der nächsten fünf Jahren voraussichtlich in Ruhestand gehen, außerdem ist mit der Gesellschaft des langen Lebens auch ein wachsender Bedarf an medizinischer Betreuung verbunden. Wir nehmen die ländlichen Regionen deshalb jetzt stärker in den Fokus.“ Die Idee einer Regionalkomponente in der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung lehne er in diesem Zusammenhang deutlich ab. „Gelder wie die zusätzlichen 20 Millionen Euro, mit denen wir die Versorgung auf dem Land fördern, zukünftig dirigistisch in tendenziell überversorgte Metropolen zu pumpen, wäre gegen das Interesse der Versicherten.“

 

Dr. Berthold Dietsche, Vorstand des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg, bestätigt die schwieriger werdende Situation auf dem Land: „Wir empfehlen ländlichen Gemeinden, in denen sich ein Nachfolgeproblem abzeichnet, sich frühzeitig mit dem ansässigen Hausarzt in Verbindung zu setzen und ihn bei Bedarf bei der Suche eines Praxisnachfolgers zu unterstützen.“ Derzeit seien beispielsweise 20 Gemeinden in Baden-Württemberg über die Internetplattform Perspektive Hausarzt auf der Suche nach einem Hausarzt.

 

Das allein, sind sich die Partner einig, werde aber nicht genügen. Vielmehr müssten auch die Strukturen vor Ort weiter angepasst und verbessert werden. Einen Teil der Lösung sehen sie in der konsequenten Entlastung der Ärzte. Als Beispiel führt Dietsche die VERAHs (Versorgungsassistentinnen und -assistenten in der Hausarztpraxis) an. „Sie unterstützen die Hausärztinnen und -ärzte, indem sie beispielsweise Patienten mit chronischen Erkrankungen regelmäßig in ihrer häuslichen Umgebung besuchen und ihnen dabei helfen, den Umgang mit ihrer Krankheit im Alltag zu meistern“, so Dietsche. Aktuell seien für die Versicherten der AOK Baden-Württemberg 2.200 VERAHs im Einsatz. Wichtiger Baustein sei PraCMan, ein Hausarztpraxis-basiertes Case Management für chronisch kranke Patienten. Es ermögliche den VERAHs durch Software Assessments, Hilfeplanung und Monitoring eine engmaschige Betreuung dieser Versicherten unter Supervision des Hausarztes. 520 VERAHs, die vor allem in ländlichen Regionen tätig sind, stehe für ihre Tätigkeit zudem ein Fahrzeug zur Verfügung, das die Ärzte, die am Hausarztprogramm der AOK Baden-Württemberg teilnehmen, zu vergünstigten Konditionen leasen könnten.

 

Einen vergleichbaren Ansatz gibt es für die Fachärzte. „Nach Vorbild der VERAH übernehmen im Haus- und Facharztprogramm der AOK Baden-Württemberg aktuell mehr als 300 Entlastungsassistentinnen und -assistenten in der Facharztpraxis (EFA) delegationsfähige Aufgaben und tragen dadurch zur Arztentlastung und zur weiteren Verbesserung der Patientenversorgung bei“, so Dr. Norbert Smetak, Stellvertretender Vorsitzender bei MEDI Baden-Württemberg.

 

„Neben der Entlastung der Ärzte wollen wir die strukturierte Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten noch weiter verbessern“, so Hermann. Wie dies gelingen könne, zeige beispielhaft TeleDerm. Dabei werden auffällige Hautveränderungen in der Hausarztpraxis fotografiert und an teilnehmende Hautärzte übermittelt. Innerhalb von nur 48 Stunden erhält der Hausarzt einen Befund und kann auf dieser Grundlage, falls notwendig, weitere Behandlungsschritte einleiten. „Digitale Möglichkeiten wie diese werden wir weiter, wo sie sinnvoll und akzeptiert sind, als wichtigen Baustein der zukünftigen gesundheitlichen Versorgung ausloten“, so der AOK-Chef. Entscheidend sei jedoch, dass sie in vertrauensvolle zwischenmenschliche Strukturen eingebettet seien. Dazu biete das Haus- und Facharztprogramm der AOK Baden-Württemberg beste Voraussetzungen.

 

 

 

Hinweis an die Redaktionen:

Für die repräsentative Erhebung führte das Meinungsforschungsinstitut forsa im Zeitraum von Januar bis Februar 2019 computer-gestützte Telefoninterviews mit 519 Baden-Württembergerinnen und Baden-Württembergern durch.

 

Die vollständigen Befragungsergebnisse sowie weitere Informationen zu PraCMan, TeleDerm und VERAH stehen im Mediaportal der AOK Baden-Württemberg www.aok-bw-presse.de zum Download bereit.

 

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