Arzneimittelausgaben sind 2018 auf 41,2 Milliarden Euro gewachsen

Kostensteigerungen gehen vor allem auf patentgeschützte Medikamente zurück

Datum: 24.09.2019 / Kategorie: Arzneimittel

Stuttgart

Die jährlich wachsenden Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) haben neue Rekorde erreicht. Zu diesem Schluss kommt der heute erscheinende Arzneiverordnungsreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO). Betrugen die Ausgaben der GKV im Jahr 2017 bundesweit noch rund 40 Milliarden Euro, wuchsen sie im Folgejahr um eine weitere Milliarde auf 41,2 Milliarden Euro. „Die Hauptursache dafür sind teure patentgeschützte Arzneimittel“, sagt der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann: „Seit 2011 hat sich der Umsatz mit den teuren Präparaten bei der AOK Baden-Württemberg verdoppelt, und ‚teuer‘ nennen wir ein Arzneimittel erst, wenn die einzelne Packung mehr als 500 Euro kostet!“

Allein von 2017 auf 2018 stieg bei der AOK Baden-Württemberg der Umsatz der hochpreisigen Arzneimittel um 5,3 Prozent. Was das heißt, erläutert AOK-Chef Hermann, indem er den Kostenaufwand der hochpreisigen Arzneimittel in Relation zum übrigen Arzneimittelmarkt setzt: „Weniger als ein Prozent aller verordneten Arzneimittel machen über 38 Prozent der gesamten Arzneimittelausgaben aus. Das ist ein Unding! Auf dem Markt der generischen Arzneimittel können wir über unsere Rabattverträge steuernd eingreifen und erzielen seit Jahren Einsparungen, die die Solidargemeinschaft der Versicherten entscheidend entlasten. Wie lange die Gemeinschaft aber noch in der Lage sein wird, die Mondpreise des patentgeschützten Marktes zu tragen, weiß niemand.“

Besonders problematisch: Anders als in den meisten europäischen Staaten wird in Deutschland nicht bereits beim Marktzugang über die Erstattungsfähigkeit und den Preis entschieden. In den ersten zwölf Monaten nach Markteintritt eines neu zugelassenen Arzneimittels können die Hersteller dafür jeden Preis verlangen, der ihnen zusagt. „Die gesetzlichen Krankenkassen müssen diesen Preis vollständig erstatten, egal wie hoch er ist und welchen tatsächlichen Nutzen das Medikament stiftet“, verdeutlicht Hermann. Erst nachdem das erste Jahr auf dem Markt vorüber ist, wird für das neue Arzneimittel der dann verbindliche GKV-Erstattungspreis - abhängig vom Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Therapie - festgelegt. Hermann: „Bis dahin dürfen uns die Pharmahersteller melken, so viel sie wollen. Damit die Therapie mit Arzneimitteln auch in Zukunft bezahlbar bleibt, muss das Verfahren der Nutzenbewertung und Preisfindung weiterentwickelt werden.“

 

Arzneiverordnungsreport 2019

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