Baden-Württemberg ist Schlusslicht bei Masern-Impfung

WHO besorgt: Zahl der Maserninfektionen steigt europaweit

Datum: 21.08.2018 / Ressort: Gesundheitstipps

Die Infektionen und Erkrankungen mit Masern sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dramatisch gestiegen: Im ersten Halbjahr 2018 wurden mit 41.000 Fällen 70 Prozent mehr Infektionen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (24.000 Infektionen) registriert. Zwar ist die Impfrate der Kinder in Europa seit 2016 von 88 auf 90 Prozent gestiegen, doch nach Angaben der WHO bestehen große Unterschiede. In manchen Regionen liege die Quote über dem 95-Prozent-Ziel der Organisation, in anderen seien es nicht einmal 70 Prozent. „Ziel der WHO ist es, die Masern weltweit auszurotten. Nord- und Südamerika, aber auch viele Länder Osteuropas und einige Länder im südlichen Afrika sind inzwischen ganz frei von Masern. In Deutschland hingegen erkranken jedes Jahr einige hundert Menschen daran“, berichtet Privatdozentin Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Baden-Württemberg liegt zwar beim europäischen Blick auf die Impfzahlen im Mittelfeld, beim deutschlandweiten Vergleich ist das Bundesland aber auf dem letzten Platz. Die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen bundesweit einen leichten Anstieg der Masern-Impfquote bei der Schuleingangsuntersuchung. Von 96,4 Prozent (1. Impfung) und 91,5 Prozent (2. Impfung) in 2010 stieg die Quote auf 97,1 Prozent (1. Impfung) und 92,9 Prozent (2. Impfung) in 2016. In beiden Vergleichsjahren lag Baden-Württemberg im Ländervergleich auf dem letzten Platz. 2010 waren 94,1 Prozent (1. Impfung) und 87,6 Prozent (2. Impfung) der Kinder bei der Schuleingangsuntersuchung gegen Masern geimpft. 2016 lag die Zahl dann bei 95,2 Prozent (1. Impfung) und 89,5 Prozent (2. Impfung).

Krankheiten wie Masern, aber auch Mumps oder Röteln, werden oftmals nicht ernst genug genommen und einzelne Stimmen stellen die Impfungen an sich in Frage. Aber die Erfolge konsequenter Impfkampagnen in der Bekämpfung schwerer Erkrankungen sind eindrucksvoll, darum rät die AOK Baden-Württemberg dringend zur Masern-Impfung. „Alle Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sollten zweimal gegen Masern geimpft sein“, sagt PD Dr. Sabine Knapstein. „Über 18-Jährige, die einen unklaren Impfstatus haben und ebenso Personen, die nach 1970 geboren und nur einmal geimpft wurden, sollten sich einmalig gegen Masern impfen lassen, vorzugsweise mit einem Impfstoff, der gegen Masern, Mumps und Röteln immunisiert.“ Masern sind eine Krankheit, die sehr ansteckend ist und leicht übertragen werden kann. Weil die Erkrankung kurzfristig die körpereigene Immunabwehr schwächt, kann bei 1 bis 6 von 100 Erkrankten zusätzlich eine Lungenentzündung auftreten. Lungenentzündungen sind auch die häufigste Ursache für Todesfälle, die im Zusammenhang mit einer Masernentzündung stehen. Bei 10 von 10.000 Masernkranken kann es zu Gehirnentzündungen kommen. Meist tritt diese Komplikation bei Jugendlichen und Erwachsenen auf. In sehr seltenen Fällen kann es bei Kindern, die im Alter von bis zu fünf Jahren an Masern erkrankt sind, Jahre später zu einer schleichenden Zerstörung von Gehirnzellen kommen, die zum Tode führt. Mehr zu den Impfungen und den Leistungen der AOK unter https://www.aok.de/pk/bw/inhalt/impfen-alle-leistungen-im-ueberblick-3/