Baden-Württemberger sind zu viel im Internet

Knapp jeder Zweite hat schon einmal lieber Zeit im Internet verbracht als mit Freunden oder Verwandten

Datum: 27.06.2019 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Computerspiel- und Internetabhängigkeit hat in den letzten Jahren zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. In Baden-Württemberg sagen 83 Prozent der 14- bis 60-Jährigen Internetnutzer, dass sie das Internet in der Regel jeden Tag privat nutzen. Rund jeder Dritte ist laut spontaner eigener Einschätzung unter der Woche mindestens zwei Stunden pro Tag privat im Netz unterwegs. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. Die Mehrheit (55 Prozent) der Befragten spielt regelmäßig Computerspiele. Knapp jeder dritte „Gamer“ (30 Prozent) ist laut Selbsteinschätzung unter der Woche in der Regel mindestens eine Stunde täglich mit Computerspielen beschäftigt.

 

„Die Nutzung verschiedener Medien findet zunehmend mobil in immer mehr Lebensbereichen statt. Je umfassender elektronische Medien im gesellschaftlichen Lebensalltag genutzt werden, desto größere gesellschaftliche Chancen, aber auch Risiken entstehen im Umgang mit ihnen“, sagt Dr. Manuela Pfinder, Wissenschaftlerin bei der AOK Baden-Württemberg. Die Aufnahme der „Gaming Disorder“ in die ICD-11 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) im Juni 2019 durch die Weltgesundheitsorganisation verdeutlicht die Notwendigkeit von evidenzbasierten und wirksamen Interventionen im Bereich der Computerspiel- und Internetabhängigkeit.

 

Da intensive Internetnutzung und häufiges Computerspielen der Gesundheit möglicherweise schaden kann, hat die AOK Baden-Württemberg eine Studie zur Internet- und Computerspielnutzung in Auftrag gegeben. Im Fokus stehen dabei gesundheitliche oder soziale Auswirkungen und Folgen von Internetnutzung und Computerspielen. „Internet- und Videospielsüchtige entwickeln eine Toleranz, wie es auch Alkoholiker oder Drogenabhängige tun. Die Betroffenen geraten in einen Kreislauf, in dem das Internet oder das Gaming immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und die Gesundheit, soziale Kontakte oder die Arbeit in den Hintergrund geraten“, erklärt Pfinder.

 

Laut Befragung haben rund drei Viertel (74 Prozent) der 14- bis 60-jährigen Internetnutzer in Baden-Württemberg das Internet schon einmal länger genutzt als ihnen lieb war. Fast ebenso viele (73 Pro-zent) denken zumindest ab und zu darüber nach, ihre Internetnutzung einzuschränken. Rund zwei von zehn Befragten haben schon einmal andere Hobbies oder Aktivitäten vernachlässigt, weil sie lieber online unterwegs waren. Knapp jeder Zweite hat schon einmal lieber Zeit im Internet verbracht als mit anderen (z. B. Freunden oder Verwandten). Bei 39 Prozent kommt aufgrund der Internetnutzung hin und wieder der Schlaf zu kurz. „Laptop, Handy und Tablet haben im Bett eigentlich nichts zu suchen, da der menschliche Körper auf das blaue Licht reagiert und die Produktion des Schlafhormons Melatonin gehemmt wird. Dies führt zu Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus‘. Wer dennoch im Bett elektronische Medien nutzt, sollte den ‚Nachtmodus‘ (Blaulichtfilter) einstellen“, rät Pfinder.

 

Nahezu alle Befragten (91 Prozent) sind auch in sozialen Medien beziehungsweise sozialen Netzwerken unterwegs wie z. B. WhatsApp, Facebook, Twitter oder Instagram. Dr. Pfinder empfiehlt, soziale Kontakte nicht nur online zu pflegen und lieber Sport an der frischen Luft zu treiben statt an der Konsole zu spielen. Die AOK Baden-Württemberg unterstützt ihre Versicherten bei der Stärkung der seelischen Gesundheit oder bei sportlichen Aktivitäten mit vielfältigen Angeboten.

 

Quelle: Die repräsentative Online-Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Befragt wurden zwischen dem 20. und 31. Mai 2019 insgesamt 505 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Internetnutzer im Alter von 14 bis 60 Jahren in Baden-Württemberg.

 

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