Baden-Württemberger trinken laut Forsa-Umfrage zu viel Alkohol

Knapp die Hälfte der Baden-Württemberger ist für Werbeverbot von Alkohol

Datum: 20.11.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Jeder dritte Baden-Württemberger (32 Prozent) trinkt mindestens einmal die Woche Bier, jeder vierte Wein oder Sekt, wohingegen andere Alkoholika wie Schnaps oder Likör von 7 Prozent der Befragten wöchentlich konsumiert werden. Männer trinken tendenziell häufiger und mehr Bier als Frauen, Frauen bevorzugen Wein und Sekt. Beide Gruppen liegen dabei häufig im als riskant eingestuften Bereich. Zu diesen Ergebnissen kommt eine von der AOK Baden-Württemberg in Auftrag gegebene repräsentative Forsa-Umfrage. Gesundheitliche Probleme wie Übergewicht oder Bluthochdruck, die durch Alkoholkonsum negativ beeinflusst werden können, haben nach eigenen Angaben dabei 11 Prozent der Befragten.

 

„Als riskant gilt ein Alkoholkonsum von im Durchschnitt mehr als einem Standardglas pro Tag bei Frauen und mehr als durchschnittlich zwei Standardgläsern pro Tag bei Männern. Als Standardglas gelten ein kleines Glas Bier oder ein kleines Glas Wein. Frauen und Männer sollten an mindestens zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol verzichten“, erklärt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK Baden-Württemberg. Jede vierte Baden-Württembergerin trinkt mindestens ein Mal die Woche Wein oder Sekt, 10 Prozent mindestens drei Mal die Woche. Die riskante Menge ist laut der Umfrage für viele schnell erreicht: 37 Prozent der Frauen, die angaben, mindestens ein Mal die Woche zu Wein oder Sekt zu greifen, bleiben bei einem einzigen Glas – 41 Prozent trinken zwei Gläser. „Das ist für Frauen bei einem besonderen Anlass noch im Rahmen, wenn an anderen Tagen verzichtet wird“, so PD Dr. Knapstein. 13 Prozent der Frauen, die mindestens einmal pro Woche zu Wein oder Sekt greifen, trinken allerdings drei Gläser und 6 Prozent mehr als drei Gläser Wein oder Sekt. Männer trinken im Vergleich zu Frauen demnach etwas weniger häufig Wein und Sekt: 21 Prozent mindestens einmal pro Woche, 8 Prozent mindestens drei Mal wöchentlich, dafür aber mehr: Fast jeder Zweite, der mindestens einmal pro Woche zu Wein oder Sekt greift, trinkt dann zwei Gläser und 28 Prozent drei oder mehr Gläser Wein.

 

Jeder fünfte männliche Baden-Württemberger trinkt mindestens drei Mal in der Woche Bier, bei den Frauen sind das im Vergleich nur 6 Prozent. Mehr als jeder Dritte Baden-Württemberger (39 Prozent), der mindestens einmal pro Woche Bier trinkt, konsumiert dann 0,6 bis 1 Liter und jeder Zehnte sogar mehr als einen Liter und liegt damit im riskanten Bereich. Nur 16 Prozent der Baden-Württembergerinnen trinken mindestens ein Mal in der Woche Bier. Davon nehmen dann 28 Prozent mehr als 0,6 Liter Bier zu sich.

 

Die Gründe für riskanten Alkoholkonsum können sehr unterschiedlich sein. „Bei Jugendlichen spielen beispielsweise Identitätsfindung, Gruppendruck, das Austesten von Grenzen und der Ablöseprozess vom Elternhaus sowie die Verfügbarkeit von Alkohol eine Rolle“, erläutert PD Dr. Knapstein. In diesen Jahren bilde sich ein Konsummuster heraus, das häufig in Grundzügen auch im Erwachsenenalter beibehalten werde. Dass Alkohol gesellschaftlich akzeptiert, billig zu haben und leicht verfügbar ist, fördert den Konsum auch bei Erwachsenen. Er gilt als Stimmungsmacher. „Gefährlich wird es, wenn man Alkohol konsumiert, um Stress oder Wut zu vergessen. Von älteren Menschen weiß man auch, dass sie damit häufig auf aktuelle Schwierigkeiten reagieren, wie beispielsweise das Gefühl der Leere nach dem Wechsel vom Berufsleben in den Ruhestand, den Verlust des Lebenspartners oder das Gefühl der Einsamkeit“, berichtet PD Dr. Knapstein.

 

Auswirkung auf die Gesundheit hat das Trinkverhalten aus Sicht der Befragten eher weniger: 11 Prozent derer, die mindestens einmal im Monat Alkohol trinken, haben gesundheitliche Probleme, die vom Alkoholkonsum mit beeinflusst werden, zum Beispiel Übergewicht (5 Prozent), Magenprobleme (4 Prozent) oder Bluthochdruck (3 Pro-zent). Rund jeder zehnte Baden-Württemberger (11 Prozent) war in den letzten fünf Jahren schon einmal so betrunken, dass er nicht mehr wusste, was er tat, oder auf Hilfe von anderen angewiesen war. Die deutliche Mehrheit (88 Prozent) hatte dagegen eigenen Angaben zufolge in den letzten fünf Jahren keinen derartigen „Vollrausch“. Dieser ist laut PD Dr. Knapstein unbedingt zu vermeiden: „Es wurde mehrfach nachgewiesen, dass exzessiver Alkoholkonsum verschiedenste Formen und Abstufungen gesundheitlicher und sozialer Probleme verursachen kann. Er erhöht das Risiko für diverse Krebsarten, neurologische und psychische Störungen, kardiovaskuläre und Magen-Darm-Krankheiten, perinatale Erkrankungen, Alkoholvergiftungen, Unfälle, Suizide und durch Gewalt verursachte Todesfälle.“

 

Doch auch wer die gesundheitlich unbedenklichen Grenzen überschreitet, schädigt seinen Körper und senkt die Lebenserwartung deutlich. „Stress sollte kein Grund sein, regelmäßig zum Feierabendbier zu greifen. Denn er lässt sich auch anders abbauen, zum Beispiel durch körperliche Bewegung. Laufgruppen, Sportvereine oder auch der Besuch im Fitnessstudio schaffen zudem soziale Kontakte und wirken Vereinsamung entgegen“, sagt PD Dr. Knapstein. Die AOK Baden-Württemberg bietet zahlreiche Bewegungs- und Entspannungskurse und hat mit dem Programm ‚Lebe Balance‘ ein Angebot für Menschen, die mit Achtsamkeits- und Entspannungsübungen ihre psychische Gesundheit stärken möchten.

 

Fast jeder zweite Baden-Württemberger (49 Prozent) ist für ein generelles Werbeverbot für alkoholische Getränke. Frauen befürworten dies häufiger als Männer, Ältere häufiger als Jüngere. Befragte, die selbst keine alkoholischen Getränke konsumieren, sind überdurchschnittlich häufig dafür, Werbung für alkoholische Getränke komplett zu verbieten. Gut jeder Dritte (35 Prozent) lehnt dagegen solch ein generelles Werbeverbot ab und weitere 16 Prozent sind unentschlossen.

 

Quelle: Die repräsentative Online-Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der AOK Baden-Württemberg durchgeführt. Befragt wurden zwischen dem 29. Juni und dem 12. Juli 2018 insgesamt 1010 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Internetnutzer ab 18 Jahren in Baden-Württemberg.

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