Bessere Versorgung chronisch Nierenkranker in Baden-Württemberg

Neuer AOK-Facharztvertrag befördert intensive Beratung und Begleitung der Patienten

Datum: 31.01.2020 / Kategorie: AOK-Facharztprogramm

Stuttgart

Das AOK-FacharztProgramm in Baden-Württemberg wird nach den abgeschlossenen Vertragsverhandlungen ab dem 1. April 2020 um das Fachgebiet Nephrologie erweitert. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber der Regelversorgung ist die umfassende Beratung und Unterstützung der Patienten durch den Facharzt, um in frühen Stadien ein Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen und in allen Phasen des Krankheitsprozesses Komplikationen zu vermindern. Der Arzt nehme sich hierfür mehr Zeit für Beratung und Begleitung der Betroffenen, die dadurch intensiver und besser als in der Regelversorgung versorgt seien, betont Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Zudem profitierten bei fortgeschrittener Erkrankung die Patienten von einer wissenschaftlich fundierten unabhängigen Aufklärung zu den verschiedenen Möglichkeiten einer Nierenersatzbehandlung. Grundsätzlich biete der Facharztvertrag einen schnellen Zugang zu moderner, qualitätsgesicherter Diagnostik und Therapie. Vertragspartner auf Ärzteseite ist MEDI Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Verbund nephrologischer Praxen (VNP) in Baden-Württemberg. Teilnehmen können die rund 250 Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Nephrologie, sofern sie die vertraglichen Qualitätskriterien erfüllen und die erforderlichen Vertragsschulungen absolviert haben. Versorgungsbeginn ist der 1. April 2020.

 

Betroffene spüren eine chronische Erkrankung der Nieren oft erst, wenn es durch Folgeerkrankungen zu Beschwerden kommt oder die Nieren bereits versagen. Zu den häufigsten Ursachen für eine chronische Niereninsuffizienz bei Erwachsenen gehören Diabetes und Bluthochdruck. Ein erhöhtes Risiko besteht zudem unter anderem für Raucher, bei dauerhafter Einnahme bestimmter Medikamente (insbesondere mancher Schmerzmittel), und bei genetischer Veranlagung. Derzeit müssen sich knapp 5.600 Versicherte der AOK Baden-Württemberg mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung einem lebenserhaltenden Blutreinigungsverfahren (Dialyse) unterziehen, das von den Patienten oft als belastend empfunden wird. Der neue Facharztvertrag setzt daher einen Schwerpunkt auf die Prävention und Verzögerung des Fortschreitens der Krankheit, damit die Dialyse verhindert oder ihr Beginn zumindest verzögert werden kann. Dazu zählt, die Gesundheitskompetenz der Patienten zu fördern, also das Wissen darüber, wie die Nieren funktionieren, welche Faktoren das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung und deren Fortschreiten erhöhen und wie der Lebensstil verändert werden kann, um die Nieren vor einem weiteren Funktionsverlust bestmöglich zu schützen. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere Rauchstopp, regelmäßige Bewegung, Abbau von Übergewicht und eine sichere Arzneimitteltherapie.

 

Dabei setzen die Vertragspartner weiter auf die erfolgreiche Strategie einer engen Verknüpfung von haus- und fachärztlicher Versorgung. Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland, betont: „Gerade durch die strukturierte Verknüpfung mit dem Hausarztvertrag gibt es beste Voraussetzungen dafür, dass Nephrologen bei Patienten mit erhöhtem Risiko zukünftig früher hinzugezogen werden und dass einige Patienten erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Nierenersatztherapie benötigen. Mit dem neuen Vertrag setzen wir außerdem gemeinsam mit dem VNP und der AOK Baden-Württemberg ein klares Signal, dass wir unsere alternative Regelversorgung auf Basis von Vollversorgungsverträgen weiter ausbauen wollen.“

 

Um die Patienten vor allem über die einzelnen Dialyseverfahren ausführlich, unabhängig und mit Blick auf die individuelle Lebenssituation des Patienten zu beraten, kann der Nephrologe im Vertrag mehr Zeit aufwenden. Das bildet die Grundlage für die gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Auswahl der optimalen Dialysemethode. Dialyse-Patientinnen und Patienten werden nach einer Nierentransplantation ebenfalls ausführlich und angepasst an die individuelle Gesundheitssituation beraten und motiviert, weil dies dazu beitragen kann, die Komplikationsraten zu senken. Wichtig sind zum Beispiel bestimmte individuelle Diät- und Trinkvorgaben oder das Wissen über die Notwendigkeit von Bewegung und Sport.

 

Zur Vertragsphilosophie erklärt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg: „Der Leitgedanke des Vertrages ist es, eine umfassende evidenzbasierte und biopsychosoziale Versorgung von Patientinnen und Patienten in allen Phasen der Krankheit sicherzustellen. Die mit den Vertragspartnern vereinbarte Vergütung fördert gezielt die intensive Begleitung und Beratung der Betroffenen. Denn nur informierte Patientinnen und Patienten können gemeinsam mit ihrem Arzt die bestmögliche Therapieentscheidung treffen.“

 

Dr. med. Dieter Baumann, erster Vorsitzender des VNP kommentiert: „Wir sind mit diesem Vertrag sehr zufrieden. Der hohe Beratungs- und Betreuungsaufwand wird damit für Patienten in allen Krankheitsphasen sehr gut abgebildet. Damit können wir die bereits gute Versorgung noch weiter verbessern – nicht zuletzt auch durch die Förderung von Heimdialyseverfahren. In Verbindung mit dem bundesweit vorbildlichen Dialysesachkostenvertrag der AOK Baden-Württemberg bin ich überzeugt, dass der Großteil der Nephrologen im Lande den neuen Vertrag sehr begrüßen und daran teilnehmen wird.“

 

Der Facharztvertrag Nephrologie ergänzt mit Wirkung zum 1. April 2020 den bereits seit 2002 existierenden eigenen Dialysesachkostenvertrag der AOK Baden-Württemberg, der vorwiegend nicht-ärztliche Leistungen umfasst. Mit dem Facharztvertrag wird das Versorgungsspektrum für nierenkranke Patienten und Nierentransplantierte erweitert. Der weiterhin geltende Dialyse-Sachkostenvertrag hebt sich in mehrfacher Hinsicht vom Versorgungsniveau des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) ab und steht damit von Beginn an für eine deutlich höhere Versorgungsqualität. So werden unter anderem für multimorbide Patienten höhere Dialysesachkostenpauschalen übernommen, um dem vermehrten Pflegeaufwand im Dialysezentrum gerecht zu werden.

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