Bonbons naschen für den Vitamin-Bedarf?

Unternehmen dürfen Lebensmittel für Kinder künftig nicht mehr als gesund bewerben

Datum: 20.12.2021 / Ressort:

Ob Joghurt gegen Erkältung, zuckerhaltige Soft Drinks als Sport-Getränk oder salzige Snacks: Lebensmittelhersteller suggerieren häufig, ihre Produkte wären gesund und junge Verbraucher werden mit Werbeausagen für vermeintlich gesunde Lebensmittel regelmäßig in die Irre geführt. Mit dem Slogan „Vitamine und Naschen“ bewirbt zum Beispiel ein bekannter Süßwarenhersteller seit Jahren seine Orangen- und Zitronenbonbons „mit wertvollen Vitaminen“. Tatsächlich decken zwei dieser Bonbons rund die Hälfte der empfohlenen Tagesdosis an Vitamin C, E, B2, B12 und Pantothensäure ab. Ansonsten bestehen sie zu zwei Dritteln aus Zucker. Die Vitamine sind nicht wertvoll, sondern eine Anreicherung. Das ist nur ein Beispiel für Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel. 15-mal am Tag sehen Kinder zwischen drei und 13 Jahren Werbung dafür. Das ergab eine Studie der Universität Hamburg, die die AOK
mit der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten vorstellte. Immerhin: Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft hat seine Werberegeln für besonders fett-, salz- oder zuckerhaltige Lebensmittel verschärft. Diese Erweiterung der freiwilligen Selbstverpflichtung hält die leitende Wissenschaftlerin der AOK Baden-Württemberg, Dr. Manuela Bombana, aber für nicht ausreichend. Die AOK fordert darum ein Werbeverbot.  „Freiwillig funktioniert nicht mehr“, so Bombana. „Wir brauchen eine einheitliche Gesetzgebung, am besten auf Bundesebene, die den Umfang von Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel beschränkt. Dieser Forderung scheint man in Deutschland nun einen großen Schritt näher gekommen zu sein. Die neue Bundesregierung plant ein Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richtet. Ein wichtiger Schritt um die gesundheitlichen Folgen wie Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen zu reduzieren, denn Experten sprechen auch beim Zucker bereits von einer Epidemie.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht im #AgendaGesundheit Magazin. Den Link zur aktuellen Ausgabe finden Sie im Anhang dieser Seite.