Den Fortschritt beschleunigen

Jede Legislaturperiode bietet Chancen, neue Akzente zu setzen. Das gilt insbesondere für die Digitalisierung. Die Prozesse sind vom Menschen her zu denken, so das Fazit dieses Standpunktes von Peer-Michael Dick, Alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrates der AOK Baden-Württemberg, Arbeitgeberseite aus dem politischen AOK-Magazin #AgendaGesundheit.

Datum: 08.03.2021 / Ressort: Digitalisierung, Versorgung

Es tut sich was in Deutschland, jedenfalls was die Digitalisierung im Gesundheitswesen betrifft: Das dritte Digitalisierungsgesetz steht jetzt in den Startlöchern – ein Vorhaben der Bundesregierung, mit dem bereits bestehende Regelungen aus dem Digitale-Versorgung-Gesetz  (DVG) und dem Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten (PDSG) weiterentwickelt und angepasst werden sollen. So sieht das geplante Gesetz zur Digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) unter anderem den Ausbau der Telemedizin, die weitere Verankerung von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) in der Versorgung sowie die Finanzierung von Digitalen Pflegeanwendungen (DiPAs) durch die soziale Pflegeversicherung vor. Außerdem sollen die Möglichkeiten und Vorteile der elektronischen Patientenakte ausgebaut und weitere Anwendungsfälle in diese  integriert werden.

Das ist zu begrüßen. Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Telemedizin eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Behandlungsmöglichkeiten sein kann. Auch in Baden-Württemberg werden die Chancen genutzt. Das Thema Digitalisierung spielt eine herausragende Rolle beim Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg. Die Ausgangslage im Ländle ist dabei – bis auf eine allseits schnelle Internetverbindung – hervorragend. Wir haben eine ausgeprägte und lösungsorientierte Dialogkultur zwischen allen Akteuren im Gesundheitswesen. Beispiele hierfür sind die Haus- arztzentrierte Versorgung mit den dazugehörigen Facharztverträgen und die damit verbundene elektronische Arztvernetzung.

DER STANDORT IST SPITZE

In Baden-Württemberg treffen Spitzenmedizin und -forschung sowie innovative Gesundheitswirtschaft aufeinander. Viele Akteure im Land engagieren sich mit Projekten und Aktivitäten für die Digitalisierung des Gesundheitswesens – die AOK Baden-Württemberg unter anderem mit der telemedizinischen Anwendung Telescan in der elektronischen Arztvernetzung im Rahmen des HausarztProgramms. Jetzt ist es wichtig, dass es der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg (KTBW) als zentraler Institution für alle Belange der digitalen Medizin im Land noch besser gelingt, die Akteure weiter zu vernetzen und als Katalysator für Projekte zu wirken.

Künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen wird immer bedeutender. Das ist nur folgerichtig. Effizientere Datenauswertung und -organisation ermöglichen bessere Diagnosen und unterstützen damit eine qualitativ hochwertige Versorgung für die Patientinnen und Patienten. Auch hierauf sollte das Land noch stärker den Fokus legen und für eine entsprechende Vernetzung über die KTBW sorgen. Zudem sollte es weiterhin Projekte anstoßen und fördern. Aber es ist ebenfalls eine Erhöhung der Investitionen der Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen in Gesundheits-IT und E-Health-Anwendungen nötig. Dazu gehört auch, dass die Landesregierung bei Investitionen in Krankenhäusern weiter- hin verstärkt in eine bessere digitale Infrastruktur investiert. Bei allen Chancen, die digitale Innovationen bieten, hat der verantwortungsvolle Umgang mit Daten höchste Priorität. Denn was wir brauchen, ist ein digital weiterentwickeltes Gesundheitssystem, aber keine gläsernen Patienten.

Dieser Text ist nachzulesen im Agenda Gesundheit Magazin Ausgabe 01/2021.