Drei Viertel der Baden-Württemberger fühlen sich gesund

AOK-Familienstudie 2018: Aktive Eltern haben gesündere Kinder. Stress und Zeitmangel beeinträchtigen ganze Familie

Datum: 02.07.2018 / Kategorie:

Stuttgart

Bereits zum vierten Mal legt die AOK im Rahmen ihrer Initiative "Gesunde Kinder, gesunde Zukunft" ihre Studie zur Gesundheit von Familien vor. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesundheit der Kinder maßgeblich von den Lebensumständen ihrer Eltern abhängt. Insgesamt stimmen die Zahlen der Familienstudie 2018 positiv: Drei Viertel (76 Prozent) der befragten Eltern in Baden-Württemberg beschreiben ihren allgemeinen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Ein Wermutstropfen ist der Faktor Zeit. Für 40 Prozent der Befragten sind Zeitprobleme die größte Alltagslast, als weitere Belastungsfaktoren werden psychische Belastung (29 Prozent), finanzielle Belastung (23 Prozent), partnerschaftliche Belastung (21 Prozent) und körperliche Anstrengung (15 Prozent) genannt.

Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird bei den Eltern in Baden-Württemberg als tägliche Herausforderung mit immensem Koordinationsaufwand und Zeitdruck empfunden. In besonderem Maß trifft das Alleinerziehende. Die Studie gibt aber auch Hinweise, wie Familien Zeitprobleme in den Griff bekommen können und was der Gesundheit von Familien guttut. So weisen Eltern mit flexiblen Arbeitszeiten und verlässlicher Kinderbetreuung einen besseren Gesundheitszustand auf und auch deren Kinder haben weniger gesundheitliche Beschwerden. Einen wichtigen Beitrag zur Kindergesundheit leisten auch laut früheren Studien Routinen und Regeln im Familienleben. Zu den schönsten Familienmomenten gehören gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche mit den Kindern, gemeinsames Lesen oder Vorlesen sowie gemeinsame Bewegung. „Familiengesundheit kann es nur geben, wenn es den Eltern gut geht und die Kinder in einem entspannten, aktiven Umfeld aufwachsen", sagt Jutta Ommer-Hohl, Leiterin der Abteilung Gesundheitsförderung bei der AOK-Baden-Württemberg.

44 Prozent der Eltern in Baden-Württemberg bewegen sich regelmäßig mit dem Nachwuchs – laut Studie ein wichtiger Beitrag zur Kindergesundheit. Jutta Ommer-Hohl ergänzt: „Zwar bewegt sich die Hälfte der Eltern in Baden-Württemberg regelmäßig mit den Kindern, jedoch fällt auf, dass für ein Drittel der Familien Bewegung generell nicht zum Familienalltag gehört. Eltern sollten sich ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Aktive Eltern haben aktive Kinder und das hat direkte Auswirkungen, nicht nur auf die körperliche Fitness, sondern auch auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der gesamten Familie.“ Die Zahlen belegen das. Bei 33 Prozent der Eltern mit Übergewicht spielt Familienbewegung keine Rolle, bei Eltern mit Adipositas trifft das sogar auf 43 Prozent zu.

Nach Einschätzung der befragten Eltern in Baden-Württemberg geht es den meisten Kindern gut. Dennoch ist jedes dritte Kind (37 Prozent) mehrmals pro Woche oder fast jede Woche gereizt oder schlecht gelaunt. Die Studie zeigt außerdem, dass die psychische und soziale Anpassung der Kinder von ihrem Gesundheitszustand abhängt. So haben gesunde Kinder seltener Probleme in der Schule und in der Kita und können sich besser konzentrieren.

Ein immer größeres Problem ist die hohe Mediennutzung der Kinder. Verschiedene Institutionen, wie beispielsweise kindergesundheit.de, geben Empfehlungen für den Medienkonsum von Kindern. Nimmt man diese als Richtwerte, so nutzen 71 Prozent der Kinder von vier bis sechs Jahren Medien häufiger als die empfohlenen täglich 30 Minuten, am Wochenende liegt dieser Wert sogar bei 90 Prozent. „Es zeigt sich, dass Kinder mit einem erhöhten Medienkonsum deutlich häufiger unter Kopfschmerzen leiden“ so Ommer-Hohl.

Hinweis an die Redaktion:
Die AOK-Familienstudie 2018 knüpft an die in den Jahren 2007, 2010 und 2014 erhobenen Vorgängerstudien an. Sie basiert auf einer repräsentativen Telefonbefragung von 4.896 Eltern, davon 500 aus Baden-Württemberg, mit Kindern zwischen 4 und 14 Jahren. Die Studie wurde im Jahr 2017/2018 vom Berliner IGES Institut im Auftrag der AOK durchgeführt.