„Einiges muss in der Pflege hinterfragt, manches neu gedacht werden“

Knapp 400.000 Pflegebedürftige in Baden-Württemberg stellen das Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen

Datum: 19.12.2018 / Ressort: Versorgung

Nach aktuellen Veröffentlichungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg waren im Dezember 2017 398.612 Menschen im Südwesten pflegebedürftig im Sinne des Pflegegesetzes. Der Anstieg um 21,4 % (plus 70.315 Pflegebedürftige), im Vergleich zur letzten Erhebung aus dem Dezember 2015, verdeutlicht die Herausforderungen rund um die Pflege, die auf das Gesundheitswesen und unsere Gesellschaft zukommen. „Prognosen gehen von einem weiteren Anstieg der Pflegebedürftigen aus, die institutionalisierte Pflege in Baden-Württemberg wie auch in der gesamten Republik steht darum vor großen Herausforderungen“, sagt Andreas Schmöller, Fachbereichsleiter Rehabilitations- und Pflegemanagement bei der AOK Baden-Württemberg. „Es gibt keine Erfahrungen und somit auch keine Blaupause, wie die Gesellschaft diese Herausforderung gut lösen kann.“

Drei Viertel (75,8 Prozent) der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg wurden zum Stichtag zu Hause gepflegt. 56,9 Prozent der Pflegegeldempfänger wurden ausschließlich von Angehörigen gepflegt und 18,9 Prozent von ambulanten Pflegediensten betreut. Knapp ein Viertel (24,1 Prozent) der Betroffenen wurden vollstationär in Heimen versorgt. Nach Angaben des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg standen für die ambulante und stationäre Versorgung der Pflegebedürftigen 1.122 ambulante Pflegedienste sowie 1.777 voll- bzw. teilstationäre Pflegeheime im Land zur Verfügung.

Mit den zunehmenden Herausforderungen in der Pflege wird deutlich, dass die bestehende Struktur dringend weiterentwickelt werden muss, um auch in Zukunft qualitativ hochwertige Pflege sicherzustellen. „Einiges muss in der Pflege hinterfragt, manches neu gedacht werden“, ist sich Andreas Schmöller sicher. „Die institutionalisierte Pflege muss sich verändern. Die starre Trennung zwischen Leistungen der Krankenversicherung und denen der Pflegeversicherung entspricht immer weniger der Lebensrealität der Versicherten. Gleiches gilt für die aktuell zwingende Wahl zwischen Pflege in den eigenen vier Wänden oder Pflege im Heim. Um individuelle Antworten auf die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen geben zu können, ist die enge Kooperation aller Akteure gefragt: Leistungserbringer und Leistungsträger, wie auch Städte, Gemeinden und Kommunen.
Mehr zu den aktuellen Zahlen der Pflege in Baden-Württemberg finden Sie hier.