Entwicklungsstörungen: Fast 40 Prozent der baden-württembergischen Jungen zwischen fünf und sieben Jahren betroffen

Nicht jede Entwicklungsstörung braucht eine Therapie

Datum: 18.12.2018 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

Die Zahl der Schulstarter mit Entwicklungsstörungen steigt weiter. Aktuelle Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen, dass in Baden-Württemberg rund jedes dritte Kind zwischen fünf und sieben Jahren Auffälligkeiten in der motorischen, sprachlichen oder kognitiven Entwicklung aufweist – ein Plus von 28 Prozent in nur zehn Jahren. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Die Zahl therapeutisch betreuter Kinder wächst dagegen deutlich langsamer: Nur jedes zweite dieser Kinder besucht einen Sprach-, Ergo- oder Physiotherapeuten. 2008 lag ihr Anteil noch bei sechs von zehn. Für den Heilmittelbericht analysierte das WIdO die Behandlungsdaten über 110.000 Fünf- bis Siebenjährigen, die bei der AOK Baden-Württemberg versichert sind.

 

„Nicht jede Entwicklungsstörung bedarf gleich einer Therapie“, so Dr. med. Hans-Peter Zipp, Kinder- und Jugendarzt bei der AOK Baden-Württemberg. Ob eine gezielte Behandlung erforderlich ist, richte sich nach der Art und Schwere der Störung beziehungsweise dem individuellen Verlauf. „Insofern ist es bemerkenswert, dass die relative Zahl der Fünf- bis Siebenjährigen, die von einem Sprach-, Ergo- oder Physiotherapeuten unterstützt wird, gemäß dem Heilmittelbericht des WIdO abnimmt.“ Gerade in der Phase, die durch den Schulstart ohnehin viel Veränderung und Wandel für die Kinder und ihr Umfeld bedeute, solle sorgsam überprüft werden, ob eine Therapie angemessen sei und inwieweit Potenzial zur anderweitigen individuellen Unterstützung wie beispielsweise Übungsmöglichkeiten in Eigenregie bestehe.

 

Ungebrochen bleibt der Trend, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen unter Entwicklungsstörungen leiden. So zeigt die WIdO-Studie, dass fünf- bis siebenjährige Jungen rund 1,5-mal so oft in ihrer Entwicklung gestört sind wie gleichaltrige Mädchen, zwei Drittel der therapierten Kinder sind Jungen. „Die Ursachen von Entwicklungsstörungen sind komplex und vielfältig“, so Dr. Leslie Trautrims-Michelitsch, verantwortlich für das Behandlungsmanagement bei der AOK Baden-Württemberg. Bis heute könne die Wissenschaft nicht zweifelsfrei erklären, weshalb Jungen häufiger betroffen seien als Mädchen. „Es gibt Hinweise auf genetische Ursachen. Auch psychosoziale Faktoren könnten eine wichtige Rolle spielen“, so Trautrims-Michelitsch.

 

 

 

Hinweis an die Redaktionen:

Für den Heilmittelbericht 2018 hat das WIdO die über 37,2 Millionen Heilmittelrezepte analysiert, die im Jahr 2017 für die rund 71,4 Millionen GKV-Versicherten ausgestellt wurden. Heilmittel umfassen ergotherapeutische, sprachtherapeutische, podologische und physiotherapeutische Leistungen, die im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Der vollständige Bericht steht zum Download bereit.

 

 

Kontakt zur Pressestelle

AOK Baden-Württemberg Pressestelle

Kontaktdaten der AOK Baden-Württemberg Pressestelle

E-Mail: presse@bw.aok.de
Telefon: 0711 2593-229
Telefax: 0711 2593-100

Presselstraße 19
70191 Stuttgart