Erderwärmung stresst vor allem Ältere und Vorerkrankte

Johannes Bauernfeind: „Alle müssen den Umgang mit einer klimatisch veränderten Umwelt neu lernen“

Datum: 08.06.2021 / Kategorie: Wissenschaft / Statistiken / Studien / Zahlen

Stuttgart

„Im Gesundheitswesen sind die Folgen des Klimawandels längst angekommen, denn er ist keine abstrakte Größe“, sagt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Eine für den aktuellen Versorgungs-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) durchgeführte Mercator-Untersuchung identifiziert vor allem ältere und vorerkrankte Personen als vulnerable Bevölkerungsgruppe, der zunehmende Extremtemperaturen im Zuge der voranschreitenden Erderwärmung schwer zu schaffen machen. „Wer nur die Ursachenkette von globaler Erwärmung, schmelzenden Polkappen und dem steigenden Meeresspiegel vor Augen hat, übersieht leicht, wie direkt sich der Klimawandel im Leben der Menschen bemerkbar macht.“ Leider halte bislang die Lernkurve für den Umgang mit der höheren Temperatur noch nicht Schritt mit den globalen Entwicklungen, so Bauernfeind weiter. „Neben den Anstrengungen im Klimaschutz müssen wir alle den Umgang mit einer klimatisch veränderten Umwelt neu lernen. Eine Auswertung von uns zeigte schon im Jahr 2019, dass sich seinerzeit mehr als doppelt so viele unserer Versicherten mit Sonnenstich oder hitzebedingtem Kreislaufkollaps in ärztliche Behandlung begeben mussten als noch fünf Jahre zuvor.“

 

Die Zahlen der aktuellen WIdO-Untersuchung belegen nun, dass auch in Baden-Württemberg hitzebedingte Krankenhauseinweisungen weiter zunehmen werden. Im Jahr 2018 gab es im Land 490 hitzebedingte Krankenhauseinweisungen je Million AOK-Versicherte über 65 Jahre. Baden-Württemberg lag damit um 0,5 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Regional können sich die Werte deutlich unterscheiden. Je Million AOK-Versicherter über 65 Jahre lag die Zahl hitzebedingter Krankenhauseinweisungen beispielsweise im Stadtkreis Freiburg im Jahr 2018 etwa 5,4 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 488. Im Stadtkreis Stuttgart betrug der entsprechende Wert 2018 etwa 6,8 Prozent. Die jeweiligen Werte berücksichtigen dabei chronische Vorerkrankungen, die medizinische Infrastruktur vor Ort und sozioökonomische Wohnorteigenschaften.

 

Würde sich die Entwicklung unverändert fortsetzen, könnten hitzebedingte Krankenhauseinweisungen der über 65-jährigen AOK-Versicherten in Baden-Württemberg im Jahr 2050 schlimmstenfalls 1,5 Mal so oft stattfinden wie in den Jahren 2009 bis 2018. Bis zum Jahr 2100 könnte der Wert sogar auf das 5,9-fache steigen. Das wäre jedoch ein Negativ-Szenario, das voraussetzt, dass die globale Gesellschaft weiterhin vorrangig auf fossile Brennstoffe setzt, keine Maßnahmen zur Reduktion der CO₂-Emissionen ergreift und die Temperaturen bis 2100 um 4,7 bis 5,1 Grad Celsius ansteigen. „Genau das müssen wir verhindern“, sagt Vorstands-Chef Bauernfeind. „Als größte Krankenkasse im Land tragen wir eine Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen, weshalb wir bis zum Jahr 2030 klimaneutral sein wollen. Vor allem möchten wir die Menschen für die sich verändernden klimatischen Bedingungen sensibilisieren und sie beispielsweise durch spezielle Präventionsangebote fit machen für die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit. Durch mehr Achtsamkeit für die eigene Person sollte die Gesellschaft auch zu mehr Verantwortung für die Umwelt finden“, führt Bauernfeind weiter aus.

 

Eine ebenfalls vom WIdO durchgeführte bundesweite Onlinebefragung unter mehr als 3000 Interviewten zeigt allerdings, dass das Schutzverhalten der Versicherten in vielen Bereichen noch verbesserungsfähig ist. Hinterfragt wurden Einstellungen zum Klima- und Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung. Gerade ältere Menschen und Angehörige vulnerabler Gruppen zeigten Einstellungen, die auf ein noch geringes Problembewusstsein hindeuten: Weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gab an, „oft“ oder „immer“ ein wirksames Sonnenschutzmittel zu verwenden, und nur 32 Prozent der Interviewten schützen sich an heißen Tagen mit geeigneter hautbedeckender Kleidung. Längst nicht alle Menschen meiden an heißen Tagen körperliche Belastungen und Sport. Viele der von Pollenallergien betroffenen Menschen setzten die von Medizinern empfohlenen Verhaltensweisen bei erhöhtem Pollenflug nicht umfänglich um. Deutlich wurde aber auch, dass Personen mit gutem Informationsstand und höher ausgeprägter Risikoeinschätzung ein besseres Schutzverhalten zeigen als Personen mit geringerem Informationsstand.

 

„Wenn wir etwas ändern möchten, müssen wir buchstäblich alle mitnehmen“, betont AOK-Chef Johannes Bauernfeind. „Nur: Es geht schon lange nicht mehr ums Möchten. Wir brauchen in allen Teilen der Gesellschaft schon jetzt einen veränderten Umgang mit dem Klimawandel. Im Gesundheitswesen unterstützen wir unsere Versicherten dabei, wo immer es möglich ist. Die Verantwortung für das eigene Tun tragen wir aber alle gemeinsam. Jede und jeder von uns.“

AOK Baden-Württemberg – Pressestelle

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