Experten diskutieren in Berlin über die Zukunft der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum

Hermann: „Das Rezept kann nur eine Menüfolge sein.“

Datum: 13.09.2019 / Ressort: Versorgung

Ärzte könnten vor allem im ländlichen Raum bald rar werden. Rund jeder vierte niedergelassene Arzt in Baden-Württemberg ist schon über 60 Jahre alt und damit nah am Rentenalter. Und laut aktuellen Befragungsergebnissen des änd (Ärztenachrichtendienstes) planen bundesweit 67 Prozent der niedergelassenen Ärzte, ihre Tätigkeit als Vertragsarzt früher als geplant zu beenden. Über mögliche Lösungen der Versorgung im ländlichen Raum diskutierte der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg Dr. Christopher Hermann gestern in Berlin mit Experten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „AOK im Dialog“.

Für den Vorstandsvorsitzenden der AOK Baden-Württemberg Dr. Christopher Hermann liegt das Rezept gegen die drohenden Versorgungsprobleme in den ländlichen Regionen auf der Hand: „Wir benötigen die Sicherstellung einer sehr guten bedarfsgerechten hausärztlichen regionalen Grundversorgung. Diese kann aber nur geschaffen werden, wenn wir die Rahmenbedingungen für den Ärztenachwuchs attraktiv gestalten.“ Zwei wesentliche Aspekte hierfür seien die Honorargestaltung mit Aufwertung der sprechenden Medizin und Gestaltungsfreiräume für die Akteure vor Ort. Beispielhaft sei das Haus- und Facharztprogramm, dessen überlegene Strukturen auch einem Ärztemangel in ländlichen Regionen entgegenwirke. Von der mehrfach wissenschaftlich belegten hohen Qualität des Programms, an dem 7.500 Haus-, Kinder- und Fachärzte teilnehmen, profitieren mittlerweile mehr als 1,6 Millionen Versicherte in ganz Baden-Württemberg.

„Alle Beteiligten, die Kommunen, Kassenärztliche Vereinigungen und wir als große Krankenkasse müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, passgenaue Lösungsmodelle entwickeln, die dann in den jeweiligen Regionen verwirklicht werden. Gesundheitliche Versorgung spielt sich regional ab“, betonte der Chef der Südwest-AOK. Das Rezept der AOK könne deswegen nur eine Menüfolge sein. Und dazu seien – anders als das Sprichwort weissagt – viele Köche nötig, die Hand in Hand arbeiten würden.



Hinweis an die Redaktionen:

Die repräsentative Umfrage führte der änd (Ärztenachrichtendienst) im Zeitraum vom 19. bis 25. August 2019 per E-Mail anhand eines Fragebogens mit 1.956 niedergelassenen Haus- und Fachärzten im gesamten Bundesgebiet durch. Dies entspricht 1,7 Prozent der insgesamt 117.472 niedergelassenen Ärzte in Deutschland (Statistik der Bundesärztekammer, Dezember 2018).