Fallzahl-Rückgänge durch Omikron

AOK-Chef Johannes Bauernfeind fordert Abbau von Über- und Fehlversorgung

Datum: 08.09.2022 / Kategorie: Krankenhäuser

Stuttgart

In der Omikron-Welle sind die Fallzahlen in den südwestdeutschen Krankenhäusern wieder ähnlich stark zurückgegangen wie in den vorangegangenen Infektionswellen. Nach einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) war bei den somatischen Krankenhausfällen in Baden-Württemberg im Zeitraum von Januar bis Mai 2022 insgesamt ein Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 festzustellen.

 

„Die Fallzahl-Rückgänge in der jüngsten Pandemiewelle haben zwar ein vergleichbares Ausmaß wie die Wellen davor, aber andere Gründe“, kommentiert Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, die Ergebnisse. „Sie dürften in erster Linie auf Personalausfälle infolge der zahlreichen Omikron-Infektionen zurückzuführen sein, während zu Beginn der Pandemie gezielte Absagen geplanter Operationen zur Aufrechterhaltung der stationären Versorgung erfolgten.“

 

Der Blick auf die einzelnen Leistungsbereiche zeigt von Januar bis Mai 2022 erneut vergleichbare Fallzahlrückgänge bei Notfällen, Krebsoperationen, planbaren OPs und sogenannten ambulant-sensitiven Behandlungen wie in den letzten drei Pandemiewellen. So gab es in der Omikron-Welle im Vergleich zum Zeitraum Januar bis Mai 2019 11 Prozent weniger Herzinfarkt-Behandlungen und 11 Prozent weniger Schlaganfall-Behandlungen in den Krankenhäusern Baden-Württembergs. Bei den Krebs-Operationen zeigt sich ein ähnliches Bild: Brustkrebs-OPs haben von Januar bis Mai 2022 um minus 10 Prozent abgenommen, Darmkrebs-Operationen um minus 17 Prozent.

 

Bei planbaren Eingriffen, die zu Beginn der Pandemie 2020 noch stark zurückgefahren worden waren, um die Kliniken zu entlasten, gab es zuletzt nur noch moderate Rückgänge. So war bei der Implantation von Hüftprothesen nur noch ein Minus von 4 Prozent zu verzeichnen. Weiterhin sehr hoch sind die Rückgänge dagegen bei den Mandelentfernungen (minus 44 Prozent).

 

Die starken Einbrüche bei den sogenannten ambulant-sensitiven Diagnosen, die nach Einschätzung von Expertinnen und Experten sehr häufig ebenso gut im ambulanten Bereich behandelt werden könnten, setzten sich in der jüngsten Pandemiewelle im Südwesten fort: Minus 39 Prozent bei der Behandlung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD, minus 40 Prozent bei Rückenschmerzen, minus 41 Prozent bei Bluthochdruck-Behandlungen und minus 24 Prozent bei den Behandlungen von Diabetes. „Hier kann man wohl nicht mehr von einem vorübergehenden Pandemieeffekt sprechen. Diese Patientinnen und Patienten, die in der Vergangenheit häufiger im Krankenhaus behandelt wurden, kommen mit diesen Erkrankungen nicht mehr so schnell dorthin zurück“, sagt Johannes Bauernfeind. Diese Entwicklung müsse in die Überlegungen zur Reform der Krankenhauslandschaft in Deutschland einbezogen werden. „Die Regierungskommission ist gefordert, den Abbau von Über- und Fehlversorgung, der sich zumindest in Teilen hinter diesen Zahlen verbergen dürfte, in ihre Überlegungen einzubeziehen.“

 

Die Analyse des WIdO macht einige Besonderheiten der Omikron-Welle in Baden-Württemberg gegenüber den Infektionswellen der Jahre 2020 und 2021 sichtbar: „Mit der Omikron-Welle sank der Anteil der Patienten, die wegen Co-vid-19 stationär behandelt werden mussten. Gleichzeitig stieg der Anteil derer, bei denen Covid-19 nicht der primäre Behandlungsanlass für den Krankenhausaufenthalt war“, erklärt Johannes Bauernfeind. „Daher haben wir in unsere aktuellen Analysen nur noch jene Patientinnen und Patienten einbezogen, bei denen zusätzlich zur Covid-19-Diagnose eine weitere, für diese Erkrankung relevante Hauptdiagnose wie beispielsweise eine Viruspneumonie oder eine akute Infektion der Atemwege kodiert wurde.“ Die entsprechende Auswertung zeigt, dass sich der Anteil der hospitalisierten Erkrankten ab 18 Jahren, die auf Beatmung angewiesen waren, im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Infektionswellen halbiert hat (von 23 auf 12 Prozent). Keine positive Entwicklung gab es allerdings bei der Sterblichkeit der besonders schwer erkrankten Patientinnen und Patienten mit Beatmung: Sie lag auch in der Omikron-Welle weiterhin bei 50 Prozent.

 

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