Hundstage – Tipps für die heißen Tage

Was in den nächsten Tagen und Wochen zu beachten ist und wie man sich bei großer Hitze am besten verhält

Datum: 25.07.2018 / Ressort: Gesundheitstipps

Jetzt wird es heiß in Deutschland. Am 23. Juli haben die Hundstage begonnen – oft die heißeste Zeit des Jahres und 2018 mit bis zu 35 Grad. Sommerliche Hitzeperioden werden im Volksmund oft Hundstage genannt. Kalendarisch umfassen sie die Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August. Diese Wetterperiode wurde nach dem Hundsstern Sirius, dem Hauptstern des Sternbildes „Großer Hund“, am Morgenhimmel benannt, der in der Antike in den Morgenstunden der heißesten Sommertage aufging.  

Freibadbetreiber, Eisverkäufer oder Cabriofahrer freuen sich, doch die hochsommerlichen Temperaturen bergen auch Gefahren, die oftmals tödlich enden können. Laut des Statistischen Landesamtes starben 2017 in den Monaten Juni, Juli und August fast 1.400 Baden-Württemberger aufgrund von Hitze. Todesursachen, die bei Hitze besonders zunehmen, sind insbesondere in den Bereichen „Krankheiten des Kreislaufsystems“, „Psychische und Verhaltensstörungen“ sowie „Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten“ zu finden. Zu den psychischen und Verhaltensstörungen gehört die Todesursache „Demenz“. Davon betroffen sind in der Regel hochbetagte Menschen, bei denen das Durstempfinden gestört sein kann. Viele Patienten mit Demenz werden zu Hause gepflegt. Daher ist es bei anhaltender Hitze wichtig, dass die Pflegenden ein wachsames Auge darauf haben, wie viel der Erkrankte tatsächlich trinkt.

Was in den nächsten Tagen und Wochen zu beachten ist, wie man sich bei großer Hitze am besten verhält und welche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen sind, darüber sprachen wir mit Dr. Jan Paulus, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg:

Welche Lebensmittel sind geeignet für heiße Tage, welche nicht?
„Wie es in den Mittelmeerländern vorgelebt wird, sind kalte Suppen, Salate und fettarme Gerichte mit viel Gemüse im Sommer eine gute Wahl. Weil bei starker Hitze auch mehr geschwitzt wird, benötigen wir mehr Flüssigkeit als gewohnt. Diese kann zum Teil auch über die Nahrung aufgenommen werden. Dafür eignen sich besonders gut wasserhaltige Obst- und Gemüsesorten wie beispielsweise Melone, Gurke und Tomate. Grundsätzlich enthält Rohkost auch mehr Flüssigkeit als gekochtes Gemüse.“

Welche Getränke sind gut für den Körper?
„Wie auch bei anderen Wetterlagen nimmt man Flüssigkeit am Besten über Wasser zu sich. Das darf gerne auch geschmacklich aufgepeppt werden, zum Beispiel mit einer Scheibe unbehandelter Zitrone oder Limette, einigen Minzblättern oder auch einem Stück Salatgurke. Gut geeignet sind auch ungesüßte Tees, insbesondere Früchte- und Kräutertees, die zudem auch leicht gekühlt gut schmecken. Der Mehrbedarf an Flüssigkeit ist bei großer Hitze nicht zu unterschätzen: Die sonst empfohlenen 1,5 - 2 Liter reichen bei Sommerhitze oft nicht mehr aus. Gesunde können die Trinkmenge daher unbesorgt um einen Liter steigern. Bei bestimmten Erkrankungen, wie beispielsweise einer Herzschwäche oder auch bestimmten Nierenleiden, sollten die Betroffenen unbedingt mit ihrem Arzt klären, ob sie die Trinkmenge steigern sollten und welche zusätzliche Menge für sie verträglich ist."

Welche Kleidung ist besonders bei Hitze geeignet?
„Bei Sommerhitze ist luftige, weite und helle Kleidung aus Naturfasern geeignet. Grundsätzlich wird bei einem Aufenthalt im Freien dazu geraten, zum Schutz vor der Sonne eine Kopfbedeckung zu tragen. Galt das früher vor allem für kleine Kinder und Senioren, gilt diese Empfehlung inzwischen auch für alle anderen Altersgruppen.“

Welchen Menschen macht die Hitze besonders zu schaffen?
„Besonders ältere Menschen können aus unterschiedlichen Gründen gefährdet sein. Manche trinken bei Hitze zu wenig, weil ihr Durstempfinden vermindert ist. Manche haben Vorerkrankungen, zum Beispiel Herzerkrankungen, weshalb ihnen die Hitze besonders zu schaffen macht. Und es gibt Pflegebedürftige, die auf Hilfe angewiesen sind, wenn sie genügend trinken sollen. Hitze und Sonne können aber auch andere Schäden verursachen. Eltern sollten auf ihre Babys und Kleinkinder ein besonders wachsames Auge haben, weil ihr Körper die Temperatur noch nicht so gut regulieren kann. Besonders häufig treten in Hitzeperioden Sonnenstich und Hitzschlag auf. Zu den häufigsten Anzeichen für einen Sonnenstich zählen Kopfschmerzen, Übelkeit mit Erbrechen, eine erhöhte Körpertemperatur bis hin zu leichtem Fieber und ein hochroter und heißer Kopf, aber auch Unruhe, Abgeschlagenheit, Schwäche und Schwindel. Bei einem schweren Sonnenstich können zudem Bewusstseinsstörungen, Nackensteifigkeit und in seltenen Fällen auch Krampfanfälle auftreten. Oft treten diese Beschwerden allerdings erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne auf. Typisch für einen Hitzschlag sind Fieber über 40 Grad, ein schneller Puls, Schwindel oder auch Übelkeit. Weil bei einem Hitzschlag der Körper keinen Schweiß mehr produzieren kann, ist die Haut heiß und trocken, möglicherweise auch gerötet. Ein extremer Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall, weil der Kreislauf völlig zusammenbrechen kann. Bei ersten Anzeichen helfen kühlen, ausruhen und trinken. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich bei Hitze in engen, schlecht gelüfteten Räumen aufhalten, Sportler, die bei extremer Hitze trainieren und chronisch kranke Menschen. Was auch immer wieder nicht bedacht wird: Keinesfalls sollte man Säuglinge oder Kleinkinder bei Sonne allein im Auto lassen. Das kann sich ganz schnell aufheizen und so zur tödlichen Falle werden.“

Sport: Was ist sinnvoll? Was schadet eher?
„Bei starker Hitze und Sonne ist es auch für Sportler ratsam, stets eine Kopfbedeckung zu tragen. Generell sollte übermäßige Anstrengung zumal in der prallen Sonne vermieden werden. Denn das könnte zu einem Hitzschlag führen. Wer gesund ist, muss aber nicht auf seinen Sport verzichten. Wichtig ist es jedoch, seine Aktivitäten auf morgens oder abends zu verlegen, dann ist es nicht so heiß und die Ozonbelastung niedriger. Grundsätzlich sollte man vor und nach dem Sport ausreichend trinken. Das ist bei Hitze natürlich besonders wichtig.“

Was hilft, um mit der Hitze besser zurecht zu kommen?
„Luftige Kleidung, leichte Kost und ausreichend Flüssigkeit helfen, mit der Hitze besser zurecht zu kommen. Wer sich draußen aufhält, sollte den Schatten suchen. Um sich vor Sonnenbrand zu schützen, sollte man sich bei jedem Aufenthalt im Freien gut mit Sonnenschutzmittel eincremen. Denn auch im Schatten kann man einen Sonnenbrand bekommen. Die Haut vergisst nichts und langfristig gesehen erhöhen Hautschädigungen durch zu viel Sonne das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Auch im Schatten sollten beim Eincremen der Gesichtspartie Ohren und Augenlider nicht vergessen werden. Bei pflegebedürftigen Menschen ist es wichtig, dass Angehörige und Betreuer besonders darauf achten, dass alte Menschen unter Berücksichtigung der bestehenden Erkrankungen ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.“