Immer mehr späte Schwangerschaften

Ältere Frauen sind psychisch und emotional besser auf eine Schwangerschaft vorbereitet

Datum: 30.10.2018 / Ressort: Versorgung

Immer mehr Neugeborene im Südwesten haben eine Mutter, die 35 oder älter ist. Im Jahr 2017 waren es rund ein Viertel. Das belegen aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamts. Der Anteil älterer Mütter sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Im Vergleich: Im Jahr 2000 waren nur 17 Prozent der Mütter mindestens 35 Jahre alt (2017: 25,4). Ihr erstes Kind bekamen Frauen in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr im Schnitt mit 32 Jahren. Auch dieses Alter ist deutlich gestiegen - 1980 lag das Durchschnittsalter bei 27 Jahren.

„In allen Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen realisieren Frauen ihren Kinderwunsch zunehmend in einem höheren Alter. In Deutschland ist das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes seit Ende der 1960er-Jahre gestiegen“, bestätigt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin bei der AOK Baden-Württemberg. Diese Entwicklung wird auch durch die Zahlen der Südwestkasse bestätigt: Im Jahr 2017 wurden insgesamt 44.961 Kinder von Versicherten der AOK Baden-Württemberg geboren. Das sind absolut gesehen 2.292 mehr als noch im Jahr 2016. Jede vierte bis fünfte dieser Frauen (22 Prozent) war im Jahr 2017 bei der Geburt ihres Kindes im Alter von über 35 Jahren.

Statistisch lässt sich nachweisen, dass mit zunehmendem Alter der Schwangeren das Risiko genetisch bedingter Fehlbildungen beim Kind leicht ansteigt. So erhöht sich zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen. Bei 30-jährigen Schwangeren wird eins von 1000 Kindern mit Down-Syndrom geboren, bei 35-Jährigen sind es drei von 1000 Babys und bei 40-Jährigen sind es zehn von 1000. Mit zunehmendem Alter werden chronische Erkrankungen und medizinische Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft und auch während der Geburt häufiger registriert. Unklar ist jedoch, ob sich das steigende mütterliche Alter als unabhängiger Risikofaktor auf die Gesundheit des Kindes auswirkt, oder ob dies in Zusammenhang steht mit anderen altersabhängigen Faktoren wie zum Beispiel Bluthochdruck, schwangerschaftsinduziertem Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Schwangerschaftsdiabetes. „Frauen, die sich ihren Kinderwunsch absichtlich spät erfüllen, nehmen in der Regel früh und regelmäßig an Vorsorgeuntersuchungen teil und entscheiden sich bewusst für einen gesunden Lebensstil, sie ernähren sich also überwiegend gesund, verzichten weitgehend auf Alkohol und Nikotin, bewegen sich regelmäßig, legen genügend Ruhepausen ein und gönnen sich ausreichend Schlaf. Außerdem sind sie häufig psychisch und emotional besser auf die Schwangerschaft und die Kindererziehung vorbereitet“, sagt Dr. Knapstein.

Frauen in einem Alter ab 35 Jahren mit Kinderwunsch sollten von ihrem Frauenarzt umfassend über alle altersabhängigen Risiken für Schwangerschaft, Geburt und Kind informiert werden. Und sie sollten ausführlich dazu beraten werden, was sie selbst aktiv für einen bestmöglichen Verlauf der Schwangerschaft tun können, beispielsweise mit gesunder Lebensweise und der regelmäßigen Teilnahme an den Vorsorgeterminen.