In vitro veritas: Erstes deutsches Retortenbaby wird 40

AOK Baden-Württemberg unterstützt Kinderwunschbehandlung

Datum: 31.05.2022 / Ressort: Versorgung

Oliver wurde am 16. April 1982 in Erlangen geboren. Nach der Geburt von Louise Brown, dem ersten Retortenbaby der Welt, hat es stolze vier Jahre gedauert, bis die deutschen Mediziner es den Briten nachmachen konnten. Robert G. Edwards und Patrick Steptoe war es 1978 gelungen, eine Eizelle in einem Reagenzglas zu befruchten und sie erfolgreich in die Gebärmutter einzupflanzen. 2010 erhielten sie dafür späte Anerkennung in Form des Medizin-Nobelpreises. Die genaue Methode behielten sie für sich. Dahinter steckte wohl auch wirtschaftliches Kalkül. Und so wurde die In-Vitro-Fertilisation (IVF) in vielen Teilen der Welt immer wieder neu erfunden. Die ersten Retortenbabys der ehemaligen DDR, die Zwillinge Sascha und André, wurden am 5. Oktober 1984 in der Charité geboren.
Das Verfahren wurde nicht nur gefeiert, sondern war auch umstritten. Die Kirchen kritisierten, die künstliche Befruchtung würde die Einheit von Ehe, Zeugung und Geburt zerstören. In Wissenschaft und Öffentlichkeit ging die Sorge um, künstlich gezeugte Embryonen könnten für die Forschung zweckentfremdet werden. 1990 wurde das Embryonenschutzgesetz verabschiedet. Seitdem gilt, dass Frauen nur eigene Eizellen eingepflanzt bekommen dürfen, und die Eizellspende, die Leihmutterschaft sowie die Geschlechtswahl untersagt sind. Es besteht zudem ein absolutes Forschungsverbot an Embryonen. Weshalb Deutschland in Sachen Reproduktionsmedizin nicht in der Spitzenliga mitspielt. Eine Gesetzesnovelle verbietet im Jahr 2011 auch die Präimplantationsdiagnostik, bis auf bestimmte Ausnahmen zur Vermeidung von schweren Erbkrankheiten, Tot- oder Fehlgeburten. Im Gegensatz zu damals können gesetzlich Versicherte heute davon ausgehen, dass ihre Krankenkasse unter Voraussetzungen einen Teil der Kosten der Kinderwunschbehandlung übernimmt die AOK Baden-Württemberg sogar bis zu 75 Prozent. Im Jahr 2020 haben rund 208.000 Paare eine Behandlung in einem registrierten IVF-Zentrum begonnen.

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht im #AgendaGesundheit Magazin. Den Link zur aktuellen Ausgabe finden Sie im Anhang dieser Seite.