Jeder Zehnte 2017 an Depression erkrankt

Neues Onlinetool unterstützt Angehörige

Datum: 19.09.2018 / Ressort: Versorgung

Die Zahl der Baden-Württemberger, die unter Depressionen leiden, bleibt auf konstant hohem Niveau. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Baden-Württemberg. Demnach wurde bei mehr als jedem zehnten im vergangenen Jahr eine Depression diagnostiziert. Häufig belastet eine Depression nicht nur den Erkrankten, sondern auch seine Angehörigen, weil die Beschwerden dieser Erkrankung den gemeinsamen Alltag beeinflussen und die Angehörigen nicht wissen, wie sie helfen können. Um betroffene Familien zusätzlich zu unterstützen, startet die AOK Baden-Württemberg ein neues Onlineprogramm: den „Familiencoach Depression“. Er hilft Angehörigen, Partnern, Freunden und andere Bezugspersonen von erkrankten Erwachsenen, mit den typischen Beschwerden einer Depression wie gedrückter Stimmung, Interessensverlust, Freudlosigkeit und Antriebsmangel umzugehen. Der Online-Coach kann auch dazu beitragen, Krisensituationen und Suizidgedanken zu erkennen und sich rechtzeitig professionelle Unterstützung zu holen.

„Es ist wünschenswert, Angehörige bei der Behandlung eines depressiven Patienten mit einzubeziehen, weil sie den Erkrankten im Alltag erleben“, sagt PD Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK Baden-Württemberg. Viele Patienten berichteten beim Arztbesuch zunächst von eher unspezifischen körperlichen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Problemen odereinem Druckgefühl in Hals und Brust. „Deshalb sollten depressive Beschwerden vom Hausarzt aktiv erfragt werden. Oft führen die Antworten auf zwei Fragen auf die richtige Spur: Hat sich der Betroffene im vergangenen Monat häufig niedergeschlagen, bedrückt, traurig oder gar hoffnungslos gefühlt? Und: Hatte er in dieser Zeit deutlich weniger Freude an Dingen, die er sonst gerne macht?“, erläutert die Medizinerin.

Solche Warnzeichen nehmen häufig auch Angehörige wahr. Der „Familiencoach Depression“ vermittelt ihnen Wissen über die Krankheit und deren Behandlung. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass dies die Belastung und das eigene Erkrankungsrisiko der Angehörigen senken und die Rückfallrate der Patienten reduzieren kann.

Das Onlinetool entwickelt hat federführend Prof. Dr. Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg. Die Psychologin ist eine anerkannte Expertin der störungsspezifischen Psychotherapie depressiver Patienten unter Einbindung ihrer Angehörigen. Unterstützt wurde sie dabei von einem Team weiterer Experten, die in unterschiedlichen Gebieten der Depressionsbehandlung tätig sind. Das Programm enthält vier unabhängig voneinander nutzbare Trainingsbereiche. Interessierte bekommen dort Tipps für den Umgang mit depressiv Erkrankten im Alltag, lernen, auch auf sich selbst zu achten, erfahren, wie sie die Beziehung zum Erkrankten stärken können und erhalten Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten.

Mit dem „Familiencoach Depression“ ergänzt die AOK ihr Angebot von Online-Coaches wie das Selbsthilfeprogramm „moodgym“ zur Prävention und Linderung depressiver Symptome. Das interaktive Onlineangebot, das sich nun speziell an die Angehörigen wendet, ist kostenfrei und anonym unter der Adresse www.familiencoach-depression.de verfügbar.

Weiterführende Information:
Der Facharztvertrag für die Bereiche Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie, den die AOK Baden-Württemberg mit Ärzten und Psychotherapeuten abgeschlossen hat, ermöglicht den teilnehmenden Patienten eine schnelle, strukturierte und flexibel auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnittene Behandlung.